Öffentlicher Verkehr
Liestaler Autobus AG wehrt sich gegen Übernahme

Um ohne Leistungsabbau sparen zu können müsste die von der Regierung gewünschte Integration der Autobus AG Liestal (AAGL) in die BLT umgesetzt werden.

Daniel Haller
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Die Autobus AG Liestal (AAGL) betreibt zehn Bus- und fünf Nachtbus-Linien von den Höhen der Frenkentäler bis an den Basler Aeschenplatz.

Die Autobus AG Liestal (AAGL) betreibt zehn Bus- und fünf Nachtbus-Linien von den Höhen der Frenkentäler bis an den Basler Aeschenplatz.

Kenneth Nars

Eine gute Nachricht: Sparen ist beim öffentlichen Verkehr (öV) auch möglich, ohne Kurse zu streichen und Buslinien stillzulegen: Indem man Unternehmen zusammenlegt, fallen beispielsweise weniger Verwaltungsratshonorare an. Auch Geschäftsleitung, Verwaltung und der Betrieb lassen sich verschlanken, indem man die Informatik zusammenlegt, oder nur noch eine Leitzentrale benötigt.

Eigentlich hat dies die Baselbieter Regierung begriffen: «Eine Konzentration des nicht schienengebundenen öffentlichen Verkehrs wird unterstützt», schrieb sie im Januar 2016 in ihre Eigentümerstrategie zur Baselland Transport AG (BLT). Und in der Eigentümerstrategie zur Autobus AG Liestal (AAGL) formulierte sie im April 2015: «Der Kanton unterstützt die Konzentration der Konzessionen auf eine Transportunternehmung zur Erhöhung von Effektivität und Wirtschaftlichkeit.»

BLT müsste AAGL integrieren

Diesen Regierungs-Auftrag aus der Eigentümerstrategie zur AAGL zitierte André Dosé, Verwaltungsratspräsident der BLT, Ende Mai an deren Generalversammlung (GV). Dann fuhr er fort: «Im Klartext: Es gibt weitere beträchtliche Sparpotenziale im öV des Kantons; und zwar solche, die ohne Leistungsabbau für die Bevölkerung umgesetzt werden können. Wir sind bereit, dieses Sparpotenzial zu realisieren.» Da steht also deutlich zwischen den Zeilen: Die BLT – bekannt durch die gelben Trams – wäre bereit, die AAGL zu übernehmen. Dass es nur um diese gehen kann, ist klar, denn ausser ihr gibt es kein weiteres öV-Unternehmen im Baselbiet mit Kantonsbeteiligung.

Auf Nachfrage erklärt Dosé: «Es ist nicht Aufgabe der BLT, Firmen zusammenzukaufen.» Vielmehr habe der Kanton durch die Eigentümerstrategie den Auftrag erteilt, den öV so effektiv und wirtschaftlich wie möglich zu organisieren. «Insofern sind wir bereit, auf Anfrage durchzurechnen, was man durch eine allfällige Integration der AAGL-Linien an Einsparung erzielen könnte.»

Das lässt sich als Forderung der BLT-Spitzen an die Adresse der Regierung lesen, ihr diesen Auftrag zu erteilen. Dabei gehts um viel Geld: Inoffiziell ist zu erfahren, durch eine Fusion mit der AAGL würde pro Jahr ein siebenstelliger Betrag eingespart. Das klingt plausibel, denn die Integration der Waldenburgerbahn spart jährlich 800 000 Franken.

Autobus AG Liestal winkt ab

Dass an der BLT-GV – wenn auch verklausuliert – über die AAGL gesprochen wurde, kommentiert deren Verwaltungsratspräsident Christian Haidlauf trocken: «Ich nehme das zur Kenntnis. Ich finde es aber speziell, dass man an der GV eines anderen Unternehmens über uns spricht, ohne zuerst direkten Kontakt aufzunehmen.»

Würde ein Fusionsanliegen an die AAGL herangetragen, würde der Verwaltungsrat dies anschauen. «Eine Fusion ist bei uns aber nicht auf dem Radar und schon gar nicht auf einer Agenda. Unsere Strategie ist klar auf Eigenständigkeit ausgerichtet.» Die angepeilte Braut will also nicht.

Kanton nur scheinbar schwach

Der Kanton Baselland besitzt bei der AAGL 22 Prozent des nominalen Aktienkapitals von 500 000 Franken. Der Rest ist auf rund 450 Aktionäre verteilt. Zudem heisst es im Statut, dass ausser dem Kanton niemand mehr als 5 Prozent besitzen darf. Eine Übernahme ohne Zustimmung des Verwaltungsrats ist also unmöglich.

Somit ist der Kanton zwar der grösste Aktionär, wird aber nicht ernst genommen. So schrieb die Regierung vor zwei Jahren in die Eignerstrategie, die AAGL solle die Verwaltungsratshonorare im Geschäftsbericht veröffentlichen. «Die Autobus AG Liestal hat diesen Wunsch bislang nicht aufgenommen», erklärt Simon Dürrenberger als Leiter Markt.

Das Thema kann allenfalls an der kommenden Generalversammlung thematisiert werden.» Dieses «allenfalls» zeigt: Die kantonale Eignerstrategie läuft bei der AAGL unter «Wunsch» und somit «vernachlässigbar».

In die gleiche Richtung geht die Stellungnahme aus der von Sabine Pegoraro geleiteten Bau- und Umweltschutzdirektion: «Bei einer Minderheitsbeteiligung an einer Gesellschaft kann der Einfluss auf den Verwaltungsrat und die Geschäftsstrategie nur beschränkt wahrgenommen und umgesetzt werden.» Ganz so machtlos ist der Kanton jedoch nicht: Er könnte der AAGL die Konzession für ihre Buslinien entziehen und anderweitig vergeben. Dies würde das Ende der AAGL bedeuten.

Ball liegt bei der Regierung

Bei der BLT besitzt der Kanton Baselland 43,3 Prozent der Aktien. Die weiteren Aktionäre sind Baselbieter und Solothurner Gemeinden, die Kantone Basel-Stadt und Solothurn sowie der Bund. Fünf von neun Verwaltungsräten – inklusive Dosé – werden von der Baselbieter Regierung gewählt und per Mandatsvertrag auf deren Linie verpflichtet.

Wenn also Dosé die Regierung auffordert, ihre «Durchsetzungskraft» zugunsten einer kostensenkenden Strukturbereinigung im öV einzusetzen, tut er dies im Auftrag der Regierung. Der Ball liegt bei ihr.

Dabei geht es bei solchen Fusionen um mehr als nur ums Sparen: «Ziel ist, sich für die Herausforderungen der Zukunft besser aufzustellen,» erklärt Hans-Ruedi Rihs, Sektionsleiter öV des Kantons Aargau. Dort fordert der Kanton, dass die beiden Bahngesellschaften WSB und BDWM ein Konzept für eine gemeinsame Management-Holding erarbeiten.

«Die Komplexität im öV nimmt rasch zu», erläutert Rihs, «etwa bei der Vernetzung, der Digitalisierung oder den Kundeninformationssystemen.» Dies sei in grösseren Strukturen besser zu bewältigen.