Finanzen
Liestaler Bäder in finanzieller Schieflage

Mit über einer Viertelmillion Eintritten fuhren die Liestaler Bäder zwar 2015 das drittbeste Ergebnis ihrer Geschichte ein. Gleichzeitig schloss aber die Rechnung so schlecht wie noch nie ab.

Andreas Hirsbrunner
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Obwohl die Liestaler Bäder, im Bild das Gartenbad, letztes Jahr so viele Besucher zählten wie fast noch nie, setzte es ein rekordhohes Defizit ab. Martin Töngi

Obwohl die Liestaler Bäder, im Bild das Gartenbad, letztes Jahr so viele Besucher zählten wie fast noch nie, setzte es ein rekordhohes Defizit ab. Martin Töngi

Martin Toengi

Es waren besorgniserregende Zahlen, die am Montagabend auf den Tischen der Generalversammlung der Sport- und Volksbad Gitterli AG, wie das organisatorische Gerüst des Liestaler Schwimm- und Hallenbads heisst, lagen. Aber die Aktionäre winkten alles ohne Nebengeräusche durch. Nur dass sie mit dem freisinnigen Einwohnerrat Bruno Imsand einen ehemaligen Bankdirektor in den Verwaltungsrat wählten, der gleich auch noch das Präsidium übernimmt, liess auf den finanziellen Handlungsbedarf schliessen.

Hier eine kleine Auswahl der besorgniserregenden Zahlen: Mit über einer Viertelmillion Eintritten – 185 000 ins Hallenbad, 68 000 ins Gartenbad – fuhren die Liestaler Bäder zwar 2015 das drittbeste Ergebnis ihrer Geschichte ein. Gleichzeitig schloss aber die Rechnung mit einem Jahresverlust von 490 000 Franken so schlecht wie noch nie ab. Schon ein Jahr zuvor hatte es ein Minus von 350 000 Franken zu beklagen gegeben, wobei bei diesen beiden Negativergebnissen die Ausfinanzierung der Pensionskasse mitspielte. Doch es ist offensichtlich: Die Liestaler Bäder leiden unter einem strukturellen Problem.

Revisoren läuten Alarmglocken

Der neue Präsident Imsand, der bei seiner Wahl nicht präsent war, weil er just an diesem Tag seinen 65. Geburtstag feierte, spricht bei seinem neuen Job denn auch von «einer Herausforderung». Die grösste Baustelle in den nächsten Jahren seien die anstehenden Investitionen von gegen fünf Millionen Franken ins Gebäude und die Infrastruktur des Hallenbads. Dazu komme, dass in den vergangenen Jahren zu wenig abgeschrieben worden sei.

Das bestätigen die – professionellen – Revisoren in ihrem Bericht: «Sollten die dafür nötigen Mittel (gemeint ist der zusätzliche Abschreibungsbedarf; Anm. der Red.) der Gesellschaft inskünftig nicht zufliessen, könnte dadurch die Fortführung der Gesellschaft gefährdet oder längerfristig verunmöglicht werden.»

Die Bäder können theoretisch auf der Aufwand- und der Ertragsseite nach unten respektive oben schrauben. Was ist realistisch? Imsand: «Die Aufwandseite kann ich noch nicht beurteilen, hier muss ich mich zuerst einarbeiten. Auf der Ertragsseite lassen sich die erst auf Beginn dieses Jahres angepassten Eintrittspreise sicher nicht mehr erhöhen, und auch bei den Sponsoren gibt es kaum viel mehr zu holen. Bleiben die Beiträge der öffentlichen Hand.»

Stadt will mehr zahlen

Hier steht die neue Leistungsvereinbarung mit der Stadt Liestal, die 75 Prozent der Aktien besitzt, im Vordergrund. Diese läuft Ende Jahr aus und muss für die nächste Vierjahresperiode erneuert werden; bisher zahlte Liestal jährlich 520 000 Franken an die Bäder. Zudem leistet sie 250 000 Franken pro Jahr an Baurechtszinsen an die Bürgergemeinde. Stadtpräsident Lukas Ott sagt: «Es ist eine Charakterfrage, dass wir die Bäder mit ihren finanziellen Herausforderungen nicht im Stich lassen. Wir werden in angemessener Form reagieren.»

Was das in Franken heisst, will Ott derzeit nicht sagen; er wolle den Verhandlungen nicht vorgreifen. Was einleuchtet, denn Teil dieser Verhandlungen sind auch die Beiträge der Gemeinden rund um Liestal, die bisher zusammen jährlich 136 000 Franken beisteuerten. Dass auch sie in der Pflicht stehen, gibt Ott indirekt zu verstehen: «Die Bäder in Liestal sind die wichtigste und meist frequentierte Sportanlage des oberen Kantonsteils.»

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