Verkehr
Liestaler Gymnasiasten als Knacknuss: Ortsbus startet mit Plattfuss ins Rennen

Der Liestaler Einwohnerrat dürfte am Dienstagabend einen probeweisen Ortsbus fürs Stedtli ablehnen – wahrscheinlich wird am Schluss das Volk entscheiden.

Andreas Hirsbrunner
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Die Schüler des Gymnasiums Liestal könnten sich als Hürde für den Ortsbus herausstellen.

Die Schüler des Gymnasiums Liestal könnten sich als Hürde für den Ortsbus herausstellen.

Kenneth Nars

Das grüne Initiativkomitee für die probeweise Einführung eines Ortsbusses in die Liestaler Quartiere Sichtern und Langhag läutete gestern die Alarmglocken. Mit einer Medienmitteilung pochte das Komitee darauf, dass dieser Bus nötig sei, weil er betagten Menschen in den heute mit dem öV nicht erschlossenen Gebieten Selbstständigkeit und Familien mit Kindern autolos die Erreichbarkeit des Stedtlis ermögliche.

Aufgeschreckt hat das Initiativkomitee der Bericht der einwohnerrätlichen Bau- und Planungskommission (BPK). Diese empfiehlt dem Rat mit vier zu einer Stimme bei zwei Enthaltungen, den vom Stadtrat beantragten Kredit von knapp 1,5 Millionen Franken für einen dreijährigen Pilotbetrieb abzulehnen. Der Antrag kommt zwar nicht ganz unerwartet, aber vom Stimmenverhältnis her doch etwas überraschend. Denn in der Diskussion im Mai, ob auf das Geschäft einzutreten sei, war eine klare Mehrheit aus Grünen, SP und Mitte-Fraktion gegen die geschlossenen FDP und SVP für Überweisung an die BPK.

Transportpflicht könnte kritisch werden

Stellvertretend für den Meinungsumschwung steht Sonja Niederhauser von der Mitte-Fraktion, in der Regel eine klare Befürworterin von guten öV-Erschliessungen. Nach zwei BPK-Sitzungen sagt sie: «Ich war für die Prüfung des Anliegens. Diese hat nun gezeigt, dass das Kosten-Nutzenverhältnis schlecht ist.» Die prognostizierte Passagierzahl von durchschnittlich vier Personen pro Bus sei einfach zu wenig, um die hohen Kosten zu rechtfertigen. Sie mache auch ein ökologisches Fragezeichen hinter das Anliegen, vor allem wenn im Sichternquartier grössere Busse zum Einsatz kämen.

Diesbezüglich ist das von 548 Personen unterzeichnete Volksbegehren in der Tat eine Knacknuss. Zwar fordern die Initianten Kleinbusse. Weil im öV aber eine Transportpflicht besteht, müssten im Sichternquartier auch die Gymnasiasten, an die sich das Angebot eigentlich gar nicht richtet, mitgenommen werden. Das wiederum würde zumindest zu gewissen Zeiten grössere Busse bedingen, wie die BPK in ihrem Bericht ausführt.

Darf er nun fahren – oder doch nicht?

Obwohl die Mitte-Fraktion den Ortsbus-Versuch mehrheitlich ablehnt, wagt Niederhauser keine Prognose: «Die bevorstehenden Wahlen machen das Stimmenverhältnis im Einwohnerrat unberechenbar.» Allerdings ist selbst die SP am Schwanken. So haben sich ihre beiden Vertreter in der BPK der Stimme enthalten.

Doch ein Nein im Einwohnerrat ist voraussichtlich noch nicht das definitive Ende eines versuchsweisen Ortsbusses in Liestal. Mitinitiantin und Landrätin Erika Eichenberger sagt: «Wir hören uns jetzt zuerst einmal die Diskussion im Einwohnerrat an. Dann werden wir entscheiden. Im Moment sind wir der Meinung, dass wir die Initiative nicht zurückziehen.»
Und sie betont: «Wir sind für einen öV für alle. Es kann nicht sein, dass gewisse Quartiere nicht bedient werden, weil sie nicht an einer gemeindeübergreifenden Linie liegen.» Man dürfe die Kosten für den Ortsbus nicht isoliert, sondern müsse sie im Rahmen der öV-Gesamtkosten betrachten. Zudem seien während der Pilotphase Korrekturen möglich wie etwa Ruftaxis zu frequenzschwachen Randzeiten.

Der Kanton übrigens ist nicht beitragspflichtig an Busse in Quartiere mit geringer Dichte. Das macht die Rechnung für Liestal so hoch.