Musik
Liestaler Jazzsängerin: «Das Publikum hat uns fast aufgefressen»

Die aus Liestal stammende Jazzsängerin Veronika Stalder wurde von der Schweizer Botschaft in Guatemala zu Auftritten eingeladen. Wie es dazu gekommen ist, erzählt sie im Interview.

Simon Tschopp
Merken
Drucken
Teilen
Veronika Stalder während ihres Konzertauftritts in Quetzaltenango in Guatemala.

Veronika Stalder während ihres Konzertauftritts in Quetzaltenango in Guatemala.

zvg

Sie und zwei Mitmusiker wurden von der Schweizer Botschaft in Guatemala eingeladen, Konzerte zu geben. Wie kam es dazu?

Veronika Stalder: Das ist eine lustige Geschichte. Eine Schweizerin, die auf dieser Botschaft ein Praktikum absolvierte, hatte meine Band schon an einem Konzert in Basel gehört. Sie ist ein Fan unserer Musik. Als sie ihr Praktikum dort begonnen hatte, ging es darum, wer am diesjährigen internationalen Jazzfestival in Guatemala die Schweiz vertreten soll. Die Praktikantin schlug unsere Band vor. So kamen der Kontakt und schliesslich das Engagement zustande.

Wer kam für die Kosten auf?

Gagen, Übernachtungen und Essen wurden von der Botschaft und den Konzertorganisatoren übernommen. Die Flüge bezahlten die schweizerische Kulturstiftung Pro Helvetia sowie eine private Stiftung. Das Budget reichte nur für drei Personen, weshalb wir leider nicht mit unserer kompletten fünfköpfigen Band nach Mittelamerika reisen konnten.

Mit Bassist Thomas Tavano und Perkussionist Andi Pupato traten Sie im Februar und März an zehn Festivals auf: in Guatemala, Costa Rica, El Salvador und Panama. Welche Eindrücke nahmen Sie mit?

Das Publikum war sehr begeisterungsfähig und liess uns dies spüren. Die Menschen johlten, standen am Schluss auf und wollten Fotos und Autogramme. Einige Leute reisten uns in eine andere Stadt nach, nahmen Autofahren von bis zu fünf Stunden auf sich, um uns nochmals zu erleben.

Wie gross waren die Zuschauerkulissen?

Zwischen 150 und 700 Personen, je nach Grösse des Saals. Am dritten Konzert in Quetzaltenango in Guatemala hatten wir am meisten Publikum, auch weil dort selten ausländische Künstler auftreten. Die Leute waren enorm dankbar, sodass sie uns am Schluss fast aufgefressen haben.

Was haben Sie sonst noch von Ihrer Reise mitbekommen?

Viele liebe Menschen, spannende Erlebnisse, wunderschöne Orte und eine lebendige indigene Kultur. Es war ein grosses Geschenk, diese Reise erleben zu dürfen. In Guatemala und El Salvador gibts eine riesige Kluft zwischen arm und reich: hier die grosse Armut, dort die super Reichen. Dies war einerseits bedrückend, liess mich aber erkennen, welch grosse Chance ich habe, in der Schweiz zu leben.

Nächstes Jahr möchten Sie wieder nach Mittelamerika.

Das hoffen wir. Wahrscheinlich können wir nicht mehr an diesem jährlich stattfindenden Festival in Guatemala auftreten. Aber wie es aussieht, klappt es mit einem anderen Land, wo wir heuer spielten.

Ihre Band heisst Veronika’s Ndiigo. Woher dieser Name?

Indigo, ein Dunkelblau, ist schon seit Kindheit meine Lieblingsfarbe. Indigo klingt schön. Dieser Name war jedoch schon besetzt durch andere Bands. Da schob ich das Anfangs-i einfach in die Mitte, und daraus wurde Ndiigo.

Sie schreiben Songtexte, sind Sängerin und Musikerin. Wie lassen Sie sich inspirieren?

Die meisten Texte stammen aus persönlich Erlebtem mit allen Höhen und Tiefen. Meine Musik besteht aus verschiedenen Stilrichtungen, die mich faszinieren.

Nämlich?

Ich liebe afrikanische Musik, wie man vom Bandnamen her vielleicht merkt, mit ihren Rhythmen und Instrumenten. Unsere neuste CD ist inspiriert von senegalesischer Musik, aber auch Einflüssen aus der irischen Volksmusik und Jazz.

Wo genau würden Sie Ihren Musikstil ansiedeln?

(lacht) Das ist echt schwierig. Primär sehe ich mich im Jazz. Ich singe viel und sehr gerne ohne Text, was man im Jazz «Scat» nennt. Damit ist eine Improvisation gemeint ohne Text, aber mit Silben. Dies ist ein wichtiger Teil meiner Musik. Aber ich bin genauso im Singer-Songwriter-Stil zu Hause. Es ist ein bunter Mix.

Wie viele Auftritte bestreiten Sie jährlich?

Das ist unterschiedlich. Bis jetzt spielten wir vor allem in der Schweiz und traten pro Jahr zehn- bis 15-mal auf. Als Band, die man nicht exakt einem Musikstil zuordnen kann, ist es hier nicht einfach.

Können Sie von der Musik leben?

Von meiner Band allein nicht. Ich unterrichte einen Tag pro Woche an einer Musikschule. Damit kann ich einen Teil der Kosten decken. Das ist für mich derzeit eine gute Lösung. Ich bin zu individualistisch, um mir von einer Plattenfirma sagen zu lassen, was ich zu singen, wie ich zu klingen habe. Und der Mainstream langweilt mich.