Fussball
Löst sich heute Abend in Luzern das Basler Zwillingsproblem?

David und Philipp Degen könnten in Luzern (19.45 Uhr) Werbung in eigener Sache betreiben. Wenn sie gemeinsam zum Einsatz kommen und dann den Trainer auch überzeugen. Dann könnte sich das Zwillingsproblem rasch in Minne lösen.

Sebastian Wendel
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Sind derzeit nicht besonders gut auf Trainer Murat Yakin (Mitte) zu sprechen: die Degen-Zwillinge David (links) und Philipp.

Sind derzeit nicht besonders gut auf Trainer Murat Yakin (Mitte) zu sprechen: die Degen-Zwillinge David (links) und Philipp.

Keystone

Ottmar Hitzfeld tut es meistens, Murat Yakin so gut wie nie. Während der Schweizer Nationalmannschaftstrainer kein Problem damit hat, den bohrenden Journalisten am Vortag einer Partie die Aufstellung zu verraten, gibt der FCB-Coach jeweils nur einzelne Häppchen preis. Yakin will nicht, dass der Trainer des Gegners über die Zeitung erfährt, wen er auf welcher Position einzusetzen gedenkt. Oder – so wie gestern – er weiss es 30 Stunden vor dem Anpfiff in Luzern schlichtweg noch nicht.

Valentin Stocker und Mohamed Salah haben am Mittwoch in Bulgarien Fussprellungen erlitten, Marcelo Diaz eine Partie mit viel Licht und viel Schatten hinter sich, Fabian Frei hat als einziger Feldspieler bislang alle neun Pflichtspiele bestritten, und hinter Kay Voser liegen 210 strenge Spielminuten innert sieben Tagen. Auf ihren Positionen sind Veränderungen möglich, teils sogar sicher.

Darüber, welche elf Spieler heute als Titular in die Swissporarena in Luzern einlaufen, dürfte die endgültige Entscheidung erst heute fallen. Wer weiss, vielleicht widerfährt Yakin wieder eine Vision. So pflegt er manchmal überraschende Personalentscheide zu erklären.

Statt Führungsspieler Mitläufer

Eine solche könnte sein, die Zwillinge Philipp und David gemeinsam laufen zu lassen. «Das ist eine Option», sagte Yakin gestern. Es wäre nach dem Cupknorz gegen die Old Boys (1:0 n. V.) zum zweiten Mal innerhalb von sieben Tagen, nachdem der Trainer zuvor in neun Pflichtspielen auf eine Doppel-Degen-Nomination verzichtet hatte.

Sprechen – zumindest mit den Medien – wollen sie zurzeit nicht. Für die Zwillinge wäre ein gemeinsamer Einsatz jedoch die Chance, ihrem Trainer mitzuteilen: «Hey, wir sind noch da. Und im Doppelpack am besten.» Sollte es hingegen schiefgehen, hätte Yakin ein Argument mehr in der Hand, sie künftig nur noch getrennt voneinander aufzustellen.

Auf David verzichtete Yakin zuletzt gänzlich, Philipp verlor nach dem Match gegen Zürich seinen Stammplatz rechts in der Viererkette. Dabei sind sie vor über einem Jahr nach Basel zurückgekehrt, um ihren Karrieren beim Klub, wo alles angefangen hatte, einen schönen Abschluss zu geben. Als Führungsspieler wollten sich die mittlerweile 30-Jährigen nach ihrer Rückkehr installieren. Mehr als Mitläufer sind sie derzeit nicht.

Auch wenn sie nicht über ihre Situation reden wollen: Dass es im Innern brodelt, können sie nicht verbergen. Das Zwillingsproblem ist eines, das Yakin schnellstmöglich lösen muss. Vielleicht beginnt er schon heute damit.

Delgado in Luzern von Anfang an

Kein Problem, aber auch noch kein Gewinn ist Matias Delgado. 120 Minuten im Cup und drei Kurzeinsätze in Super League und Champions-League-Qualifikation hat der Argentinier in den Beinen – Akzente konnte er dabei keine setzen.

Das soll sich heute ändern. Murat Yakin hat vor, Delgado für Marcelo Diaz von Anfang an zu bringen. Dort, wo sich Delgado am wohlsten fühlt: auf der Zehn. Hinter der einzigen Spitze, die entweder Giovanni Sio heisst oder – wenn er grünes Licht für einen Einsatz gibt – Marco Streller. Ebenfalls in der Startformation steht Ivan Ivanov. Neben dem Bulgaren verteidigt im Abwehrzentrum entweder Arlind Ajeti oder Fabian Schär, dem laut Yakin eine Pause ebenfalls gut bekäme.

So oder so, auch in Luzern geht es für den FC Basel um viel. Darum, den Kontakt zu Tabellenführer YB nicht zu verlieren und Selbstvertrauen zu tanken für das Direktduell mit den Bernern in einer Woche. Helfen soll den Spielern die in Bulgarien gewonnene Erkenntnis, eine Partie trotz zwischenzeitlichem Rückstand als Sieger zu beenden. «Ich stehe auf solche Aha-Effekte», sagt Yakin. Dass der Sieg im Playoff-Hinspiel sonst etwas verändert habe, glaubt der Trainer nicht. Er meint es im Bezug auf die ganze Saison, wenn er festhält: «Wir sind stark.»