Aushub
Lösung statt Opposition: Zwingen und Blauen schlagen Kanton neuen Deponiestandort vor

Die Zwingener wollen nicht mehr Fundamentalopposition betreiben. Wenn es eine grosse Bautätigkeit im Laufental gebe, so sei es durchaus verständlich, den Aushub in der Region zu deponieren, meint der Gemeindepräsident Ermando Imondi.

Thomas Immoos
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Vor zwei Jahren war der Widerstand gegen Deponien im Laufental gross.

Vor zwei Jahren war der Widerstand gegen Deponien im Laufental gross.

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Etwas erstaunt zeigten sich die Besucherinnen und Besucher des Informationsabend in Zwingen über die Frage der Deponien im Laufental – darüber nämlich, dass im neuen kantonalen Richtplan (Krip), der derzeit zur Vernehmlassung aufliegt, erneut eine Deponie auf dem Gebiet der Gemeinden Blauen und Zwingen eingezeichnet ist. Vor knapp zwei Jahren hat das Baselbieter Volk eine Anpassung des Krip nämlich abgelehnt, der neue Deponiestandort vorsah – unter anderem im Gebiet Stutz auf dem Gemeindegebiet von Blauen und Zwingen.

Massgebend dazu beigetragen hatte das Komitee «Depo-Nie» im Laufental. Kaum sei der Jubel über die gewonnene Abstimmung verhallt, sehe der Kanton im inzwischen überarbeiten Krip erneut Deponiestandorte vor, nun im Gebiet Schäftlete/Chlus, das ebenfalls auf dem Gebiet von Blauen und Zwingen liegt. Dies schrieb der Gemeinderat in der Einladung zu einer Informationsveranstaltung zu diesem «neuen Anlauf zu einer Deponie auf Blauner und Zwingner Bann».

Keine Fundamentalopposition

Ermando Imondi, Gemeindepräsident von Zwingen, betonte, man wolle nicht einfach verhindern. Man sei durchaus bereit, Verantwortung zu übernehmen. Wenn es eine grosse Bautätigkeit im Laufental gebe, so sei es durchaus verständlich, den Aushub in der Region zu deponieren.

Seinerzeit hatte Remo Stebler das Komitee «Depo-Nie» angeführt. Er kritisierte die fehlende Transparenz bei der Evaluation neuer Deponiestandorte: «Man weiss nicht, welche Interessen dahinter stehen.» Immerhin sei die Evaluationsstudie vom regionalen Baumeisterverband «gesponsert» worden; und Naturschutzverbände seien in der entsprechenden Arbeitsgruppe auch nicht vertreten gewesen.

Etwas erstaunt zeigte sich Imondi, dass unter den neuen Vorschlägen ein Standort genannt werde, den die Gemeinde Zwingen seinerzeit selber dem Kanton vorgeschlagen hatte, nämlich das Gebiet Schäftlete. Man wolle aber Hand zu einer Lösung bieten, stellte der Gemeindepräsident klar.

Auch die Diskussionsteilnehmer wollten nicht wieder Fundamentalopposition betreiben. «Wir wollen im Kanton nicht das Image von ewigen Querulanten haben», sagte einer. Und ein anderer meinte, man wolle vom Kanton ja auch den Ausbau der Bahn auf Doppelspur, Umfahrungen von Dorfzentren, die Erhaltung des Kantonsspitals. Deshalb müsse man auch kompromissbereit sein.

Vorgestellt wurden von Stebler und Imondi drei Varianten. Zum einen den Vorschlag des Kantons im Gebiet Schäftlete/Chlus, dann (neu) einen Standort im Gebiet Leisiboden und schliesslich das Gebiet Schäftlete mit einem reduzierten Gebiet Chlus. Der Leisiboden mit einer Deponiekapazität von rund 3 Millionen Kubikmeter hatte in der Diskussion keine Chance. Er liege im Grundwasserbereich.

Gemeinden entscheiden gleich

Es sei ohnehin schwierig, in Zwingen überhaupt einen geeigneten Standort zu finden, stellte ein Bürger fest. Denn über der Gegend fliesse Wasser: «Zwingen ist das Wasserschloss des Laufentals», erklärte er.

«Wichtig ist, dass in dieser Frage Zwingen und Blauen mit einer Stimme sprechen», betonte Imondi. In einer Konsultativabstimmung stiess die Variante Schäftlete/Chluus, wie sie in der neuen Landratsvorlage steht, auf geringe Zustimmung. Der Standort Leisiboden wurde deutlich abgelehnt. Von den Zwingnern favorisiert wird die Deponie Schäftlete einschliesslich einer reduzierten Deponie Chluus.

Nun gab Stebler bekannt, wie Blauen am Vortag in einer ähnlichen Veranstaltung abgestimmt hatte: Gleich wie die Zwingner. Nun sei der Weg frei, eine gemeinsame Informationsveranstaltung durchzuführen und beim Kanton für den neuen Deponiestandort zu werben.

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