Bahnüberquerung Liestal
«Lösung» zum Schwieriweg – retour an den Absender

Die Bewohner des Liestaler Schwieri-Quartiers sind nicht zufrieden mit dem Ersatz-Vorschlag von SBB und Stadt für den Bahnübergang, der Mitte 2022 geschlossen wird.

Andreas Hirsbrunner
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Mit der Schliessung des Bahnübergangs entfällt für das Schwieri-Quartier der ebenerdige Zugang ins Stedtli. (Archivbild)

Mit der Schliessung des Bahnübergangs entfällt für das Schwieri-Quartier der ebenerdige Zugang ins Stedtli. (Archivbild)

Vorgestern Abend sassen die zwei Dutzend Anwohner des Schwieriwegs einmal mehr zusammen und berieten über das weitere Vorgehen im Zusammenhang mit dem Vierspurausbau. Ihre Situation ist nicht einfach. Sie sind eine verschwindend kleine Minderheit in Liestal. Entsprechend gering ist ihr Gewicht. Aber ihr Quartier ist langfristig vom SBB-Megaprojekt betroffen wie kaum ein anderes im Kantonshauptort.

Denn ihre direkte, ebenerdige Verbindung ins Stedtli – der seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestehende Bahnübergang – wird per Juni 2022 gekappt. Das steht schon seit längerem fest, seither wird darüber gestritten, was ein adäquater Ersatz ist.

Einen solchen müssen die SBB im Verbund mit der Stadt Liestal bieten, hat das federführende Bundesamt für Verkehr auf Einsprache der Anwohner entschieden. Gleichzeitig hat es dieses Verfahren vom Gesamtprojekt Vierspurausbau ausgegliedert, damit es nicht zu Verzögerungen kommt.

Anwohner halten an Sammel-Einsprache fest

Vor einer Woche haben SBB und Stadt die Anwohner über acht geprüfte Varianten informiert. Sieben davon haben sie gleich selbst verworfen, eine als Lösung angepriesen: Der Aufgang zur neuen Passerelle über die Gleise erhält auf der Stedtli-Seite eine rollstuhlgängige Rampe mit sechs Prozent Gefälle. «Das ist ein guter Ansatz, aber er hilft uns so nicht weiter», sagt Anwohnervertreter Stephan Müller. Der Grund: Von der Passerelle kann man zwar fast ebenerdig weiter Richtung Burgquartier gelangen. Aber um in den Schwieriweg – und auch weiter ins Naherholungsgebiet Oristal – zu kommen, muss die Gartenstrasse mit einem Gefälle von etwa 14 Prozent überwunden werden. Und das ist für Rollstuhlfahrer und Leute mit Rollator nicht machbar.

Deshalb hätten die Anwohner am Montagabend einstimmig beschlossen, an ihrer Sammeleinsprache mit der Forderung nach einem behindertengerechten Übergang festzuhalten, sagt Müller. Er kann die Ideallösung auch nicht präsentieren. Denkbar sei ein Treppenlift.

Gleichzeitig verweist er auf ein Problem: «Die Bauarbeiten schreiten voran, was mögliche Lösungen fortlaufend einschränkt.» Derzeit sei zwar niemand aus dem Quartier auf einen Rollstuhl angewiesen, aber mehrere Anwohner und auch Patienten der Arztpraxis am Schwieriweg seien nicht mehr so gut zu Fuss.

Den Hinweis der Stadt, dass Behinderte künftig den rollstuhlgängigen, aber 400 Meter längeren Umweg via Bahnhof und Allee ins Stedtli nehmen müssten, erachten die Anwohner wegen der Höhenunterschiede als keine Alternative.