Streit
Lustig ist das Camperleben? Von wegen! Krach auf Campingplatz

Der idyllisch gelegene Campingplatz Waldhort in Reinach BL ist Schauplatz eines filmreifen Krachs. Probleme gibts überall, angefangen bei der fehlenden Sauberkeit.

Nils Hänggi
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Rausgeschmissen: Beatrice Braginsky mit ihren zwei Kindern, Susanne Säuberli, Cornelia Gschwind, André Kelbert und Gaby Gebele.Nil

Rausgeschmissen: Beatrice Braginsky mit ihren zwei Kindern, Susanne Säuberli, Cornelia Gschwind, André Kelbert und Gaby Gebele.Nil

Susanne Säuberli hat ein Problem. Jahrelang war sie Dauermieterin auf dem Reinacher Campingplatz Waldhort – doch seit dem 1. März hat sie Platzverbot. All ihre Habseligkeiten, vor allem ihr Wohnwagen, stehen allerdings noch auf dem Campingplatz in der Nähe der Birs. Es ist der tragische Höhepunkt eines Konfliktes, der vor mehreren Jahren begann und im letzten Herbst endgültig eskalierte.

Der Campingplatz wird vom Verein Camping- und Caravaningclub beider Basel (CCBB) geführt. Er verfügt auf einer Fläche von etwa sechs Fussballfeldern über 135 Dauercamper- und 75 Touristenparzellen. Während der Saison, die von April bis Oktober dauert, wird er von einem vollamtlichen Campwart geleitet, der auch auf dem Platz wohnt. Eigentlich ein ausgesprochen idyllischer Ort. Eigentlich.

Denn bereits 2013 war die Saison überschattet von allerlei Querelen. Zu jener Zeit war Cornelia Lamprecht Platzwartin. Trotz Lob von Säuberli, sie habe diesen Job sehr gut gemacht, es sei immer alles sauber gewesen, wollte der CCBB-Vorstand Lamprecht nicht weiter beschäftigen.

Streit eskaliert

Nach Unstimmigkeiten im Verein suchte der Vorstand auf die Saison 2014 einen neuen Platzwart. Dieser wurde in den Personen von Susanne Senn und Robert Fontana gefunden – ein Platzwartehepaar. Seitdem ging es mit der Sauberkeit stetig bergab. Das sagen zumindest mehrere Dauermieter.

Diese hätten daraufhin das Gespräch mit dem Vorstand des CCBB gesucht, doch dieser seien auf Tauchstation gegangen, so Cornelia Gschwind, eine weitere Dauermieterin. Der Präsident des CCBB, Hans-Peter Hiltbrand, entgegnet: «Die Anlagen waren die ganze Saison sauber. Von Touristen haben wir keine einzige Beanstandung erhalten.»

Der Streit eskalierte letzten Herbst, als die nun als Kassierin angestellte Lamprecht vom Vorstand ausgeschlossen wurde. Da der Ausschluss den Vereinsstatuten widersprach, legte sie Protest ein. Eine Woche später erhielt sie einen weiteren Brief. Darin erklärte der Vorstand, dass sie nun doch nicht ausgeschlossen sei.

Campingplatz muss Gewerbe weichen

Die Mieter, die auf dem Campingplatz Wiesengrund bei Hölstein eine Bleibe gefunden haben, müssen sich bis Ende Jahr nach einem neuen Ort umsehen. Die heutige Campingplatzzone beim Gewerbegebiet Bärenmatte soll in die bestehende Gewerbezone integriert werden. Auf dem Campingplatz befinden sich rund 45 Wochenendhäuser. Für den Hölsteiner Gemeinderat ist eine Umzonung sinnvoll; er will den Zonenplan im Gebiet Bärenmatte ändern. Den Anstoss dafür gegeben haben ansässige Gewerbebetriebe, die ihre Firmenareale erweitern wollen. Zudem beabsichtigt der heutige private Besitzer des Campingplatzes, seinen Betrieb aufzulösen.
Der Campingplatz gilt nicht mehr als Areal, das der Erholung dient. So erfüllt er den eigentlichen Zweck nicht mehr. Der Zonenplan ist vom Amt für Raumplanung vorgeprüft und für das weitere Verfahren freigegeben worden. (stz)

Im gleichen Atemzug enthob der Vorstand Lamprecht ihres Amtes als Kassierin, «um endlich wieder Ruhe in die Vorstandsarbeit hineinzubringen», wie Roger Leisinger, der Vorgänger von Hiltbrand, erläutert. Infolgedessen schaltete eine Gruppe um Cornelia Lamprecht und Gaby Gebele, eine weitere Dauermieterin, ein Schlichtungsgesuch beim Zivilgericht Basel-Stadt ein. Lamprecht findet: «Das Ganze ist das Hinterletzte, es ist unfassbar.» Wenige Tage später erhielten acht Dauermieter die Kündigung der Vereinsmitgliedschaft, verbunden mit einem Platzverbot. Die Kündigung begründete der Vorstand wie folgt: Aufwiegeln von Mitgliedern, Aufhetzen gegen den Vorstand, Fördern von Intrigen. Das Kuriose an der Sache: Gaby Gebele erhielt eine Kündigung, ihr Partner Roland Bänziger aber nicht.

Gleich war es bei Susanne Säuberli. Ihr Sohn darf weiterhin auf den Campingplatz. «Mitglieder schliesst man nicht aus Freude aus», teilt Hiltbrand hierzu mit. «Ein Ausschluss aus einem Verein besteht aus einer Fülle von Vorkommnissen, die zu einem Vereinsausschluss führen.» Es folgte ein reger Schriftverkehr zwischen den zerstrittenen Parteien, es kam zu Handgreiflichkeiten. André Kelbert, ein weiterer Dauermieter mit einer langen Vergangenheit im Verein, reichte Mitte Januar Anträge betreffend der Ausschlüsse der Dauermieter sowie der Absetzung des jetzigen Vorstandes ein.

Tumulte und Applaus

Letzten Freitag war die Generalversammlung des CCBB. Erstes Traktandum war die Abstimmung über den definitiven Ausschluss der acht Dauermieter. 138 Mitglieder waren anwesend – zumindest am Anfang. Laut der Vereinsordnung ist die Generalversammlung oberste Instanz im Verein, der Ausgang der Abstimmung war zu akzeptieren. Während der Abstimmung, die den Ausschluss bestätigte, kam es zu Tumulten. Die einen liefen aus Protest aus dem Saal, die anderen klatschten erfreut über den Ausschluss. «Es sind Leute aus Solidarität mit mir hinaus gelaufen, die ich gar nicht kannte», erzählt Säuberli.

Zumindest ihre Habseligkeiten können Säuberli und die anderen Ausgeschlossenen vom Platz holen. Sie habe, so Hiltbrand, bis Ende April Zeit.