Zwetschgen
Macht der Konsumenten wirkt: Hochstamm wieder auf Kurs

Im Baselbiet gibt es jährlich 2000 Hochstammbäume weniger – die Nachfrage nach der Frucht steigt dennoch. Die Kunden wünschen vermehrt Qualität, darauf würden die Grossverteiler aufspringen.

Eva Wieser
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Der Zwetschgenhain in Oltingen hat über 2000 Hochstammbäume. ZVG

Der Zwetschgenhain in Oltingen hat über 2000 Hochstammbäume. ZVG

«Jetzt ist der Zeitpunkt, um Zwetschgen-Hochstammbäume zu pflegen und zu schneiden», weiss Stephan Durrer vom Label «Hochstamm Suisse». Wer sich nun um seine Bäume sorgt, habe im kommenden Herbst eine bessere Ernte.

Arbeit gibt es genug: Laut Durrer werden rund zwei Drittel aller 135000 Baselbieter Hochstammbäume nicht mehr gepflegt. Der Bestand ist in den letzten zehn Jahren um 20 Prozent zurückgegangen. Jeder fünfte Baum ist weg. Pro Jahr beträgt die Abnahme rund 2000 Bäume.

Den Zahlen zufolge muss die Stimmung bei «Hochstamm Suisse» mies sein. Falsch: Durrer zeigt sich erfreut über den neuen Grundtenor bei den Obstbauern. «Im Markt ist Dynamik, man spürt die Aufbruchsstimmung.» Heute sei die Nachfrage nach Hochstammprodukten wieder am Steigen. Generell erkennt Durrer einen Trend zu regionalen Produkten und Swissness. Die Kunden wünschen vermehrt Qualität, darauf würden die Grossverteiler aufspringen.

Bis vor kurzem war dies noch nicht der Fall. «Der Handel mit Schweizer Hochstammzwetschgen fand kaum mehr statt», sagt Stephan Durrer. Für die Tafel seien sie plötzlich zu klein gewesen. Gleichzeitig ersetzte die verarbeitende Industrie Schweizer Zwetschgen durch billige Importware.

Diese Situation hat sich entschärft: So verwendet Coop hiesige Hochstammzwetschgen: «Für die Backwaren werden zunehmend unsere Zwetschgen und nicht mehr osteuropäische verarbeitet», erklärt Durrer. Ein Zwetschgen/Zimt-Joghurt mit dem Label «Hochstamm Suisse» wurde ebenfalls ins Sortiment aufgenommen.

«Komplexere Absatzmöglichkeiten»

Diese neuen Produkte begrüsst auch die Hölsteiner Bäuerin Marianne Lerch. «Das Joghurt ist ein saisonales Produkt, das nicht immer im Sortiment zu finden ist. So können wir Coop mit kleineren Mengen beliefern.» Nachdem der Markt für Hochstammzwetschgen vor rund sieben Jahren einstürzte, könne man nicht gleich von null auf hundert starten.

Lerch setzt sich bei «Hochstamm Suisse» dafür ein, dass das alte Produktionssystem Hochstammzwetschge, das früher gut funktionierte, wieder aufgebaut wird. «Eine Investition in eine moderne Obstanlage kostet die Bauern viel Geld», weiss Lerch. Warum also nicht wieder bestehende Hochstammbäume pflegen? Viele Bauern bleiben skeptisch. Wer früher bereits auf Hochstammbäume setzte und plötzlich seine Zwetschgen nicht absetzten konnte, sattelt so schnell nicht wieder um. «Verständlich», findet Marianne Lerch.

Jahrelang hätte die Landwirtschaft ausschliesslich produziert, für die Abnahme sei der Bund besorgt gewesen. «Heute sind die Absatzmöglichkeiten für Bauern komplexer geworden. Eine Möglichkeit ist, eine Nische mit Label-Produkten zu finden.»

Lerch ist überzeugt, dass den Konsumenten zunehmend bewusster wird, dass mit dem Kauf einer Schweizer Frucht auch das Landschaftsbild sowie die Biodiversität unterstützt werden. Lerch: «Einerseits geht es den Leuten darum, eine aromatische Frucht zu essen. Aber nicht nur: Sie sind auch sensibilisiert darauf, nachhaltig zu konsumieren.»