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Magie, Hoffnungsschimmer und Selbstjustiz

Josia Jourdan
Josia Jourdan
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Es ist kalt, es ist Winter – Zeit, ein Buch zu lesen. (Symbolbild)

Es ist kalt, es ist Winter – Zeit, ein Buch zu lesen. (Symbolbild)

Zur Verfügung gestellt

Vidas Geburt ist der Beginn einer magischen Geschichte, welche inmitten des 18. Jahrhunderts in Russland spielt und vollkommen fiktiv ist. Eingebettet in einer idyllischen Umgebung verfolgt man, wie Vida aufwächst, die Welt entdeckt und herausfindet, wer sie wirklich ist und wie sie schliesslich gegen das Böse ankämpft. Das Erzähltempo in Zoran Drvenkars «Licht und Schatten» ist langsam gewählt, der Autor nutzt jedes Wort gezielt und baut eine Atmosphäre auf, die einen völlig in ihren Bann zieht. Es sind aber auch die Geschichten von Menschen, die in diesem Buch nur eine kleine Rolle spielen, denen der Autor eine Stimme gibt und damit ein stimmiges Gesamtbild erschafft, welches das Buch zu einem wahren Leseerlebnis werden lässt.

«Licht und Schatten» ist für mich das fantastischste Buch 2019. Es ist ein besonderes und ein ruhiges Buch. Ein düsteres Buch, das gleichzeitig so viel Freude ausstrahlt, dass der Titel mehr als nur passend erscheint. In wunderschöner Sprache erzählt Zoran Drvenkar von einem magischen Mädchen, malerischen Landschaften und von geheimnisvollen Wesen. Selten habe ich bei einem Buch so das Gefühl gehabt, dass jedes einzelne Wort notwendig ist, um die Geschichte zu erzählen. Wer also noch auf der Suche nach einem Geschenk für Fantasy-Begeisterte ist, der sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.

Leni hat ihr letztes Schuljahr vor sich. Doch dann beginnt sich etwas in ihr zu verändern. Sie bekommt Angst vor allem. Angst vor ganz alltäglichen Dingen. Kann sich nicht mehr konzentrieren. Fällt in ein dunkles Loch. Und ohne Hilfe wird sie nicht die Kraft haben, daraus wieder herauszukommen. Ava Reeds «Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen» ist eine emotionale, traurige Geschichte, die aber auch einen Hoffnungsschimmer beinhaltet. Das Buch behandelt das Thema Depressionen und Angstzustände, gibt gleichzeitig aber auch Hoffnung. Man bricht gemeinsam mit Leni zusammen, leidet mit ihr, verzweifelt und findet am Ende gemeinsam mit ihr wieder einen Lichtblick in der Dunkelheit. Ergänzt durch gelungene Tagebucheinträge und mit Reeds schönem Schreibstil wird dieses Buch zu einem Leseerlebnis. Für alle, die ihren Horizont erweitern wollen, emotionale Geschichten mögen und auch immer nach einem Lichtpunkt in der Dunkelheit suchen.

Thea schwört Rache, nachdem ihre Cousine von einem Mann brutal ermordet wurde. In Trauer, Wut und Hass lebt sie ihr Leben weiter. Doch dann erreicht sie eine Einladung für einen geheimen Club von Frauen, die sich für andere Frauen einsetzen, die Gewalt erlebt haben, die unterdrückt wurden oder nahestehende Personen durch Gewalt verloren haben. Die Black Coats rächen sich mit Hilfe von Selbstjustiz. Und nun soll Thea auch eine von ihnen sein. The Black Coats» von Colleen Oakes ist ein Thriller, der sich mit der Frage beschäftigt, wie weit Selbstjustiz gehen darf. Die Autorin baut eine düstere Atmosphäre auf, erzählt eine fesselnde Geschichte, die besonders auf den letzten 100 Seiten mit überraschenden Wendungen überzeugen kann. Das Buch regt zudem zum Nachdenken an. Wie viel Gewalt an Frauen mag es wohl in der Schweiz geben, und was kann man dagegen tun, wenn Beweise fehlen oder die Opfer Angst haben, darüber zu sprechen? Für alle jungen Equalistinnen und Equalisten, die spannende Bücher mögen, der perfekte Geschenktipp.

Josia Jourdan

Der 16-jährige Muttenzer Gymnasiast betreibt den erfolgreichen Blog «I love books» auf josiajourdan.ch/wordpress.ch