Landrat
Marc Joset: «Ich werde mich weiterhin zu Wort melden»

Der SP-Landrat Marc Joset tritt von der politischen Bühne ab. Im bz-Interview blickt er auf 15 Jahre Parlamentstätigkeit zurück – und kritisiert, dass Eigeninteressen und Profilierungssucht den Parlamentsbetrieb dominieren.

Hans-Martin Jermann
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Sieht sich als Optimist: Finanzkommissionspräsident Marc Joset.

Sieht sich als Optimist: Finanzkommissionspräsident Marc Joset.

Kenneth Nars

Standing Ovations für Marc Joset gestern kurz vor 17 Uhr im Landratsaal in Liestal. Der emotionale Abschied untermauert: Da tritt ein Bedeutender von der politischen Bühne ab. Der 67-jährige Binninger war und ist kein Mann des lauten Tons oder der pointierten Forderung. In den 15 Jahren im Baselbieter Parlament hat sich Joset aber als kluger und feinfühliger Vermittler profiliert. So gesehen ist es alles andere als ein Zufall, dass ausgerechnet er elf Jahre lang die gewichtige Finanzkommission präsidierte. Gemeinsam mit Ruedi Brassel, der im nächsten Sommer nach 16 Jahren ebenfalls abtritt, bildete er das finanzpolitische Gewissen der Baselbieter Sozialdemokraten. Im bz-Interview blickt er auf 15 Jahre Parlamentstätigkeit zurück – und kritisiert, dass Eigeninteressen und Profilierungssucht den Parlamentsbetrieb dominieren.

Herr Joset, im schnelllebigen Polit-Zirkus sind 15 Jahre eine lange Zeit. Was hat sich im Baselbieter Parlament seit Ihrer Wahl 1999 verändert?

Marc Joset: Mein subjektives Gefühl ist: Damals gab es in den Fraktionen mehr Persönlichkeiten als heute, die es schafften, parteiübergreifend Bündnisse zu schmieden. Diesen Politikern gelang es, mit pointierten Meinungen in informellen Gesprächen und im Ratsplenum Mehrheiten zu bilden. Heute ist der Landrat stärker von Einzelfiguren geprägt, die zwar auffallen, aber wenig zum grossen Ganzen beitragen. Ihre Eigeninteressen und Profilierung stehen im Vordergrund. Ein Beispiel: Mit dem Bildungsgesetz landete das Parlament 2003 einen grossen Wurf, der heute wegen vieler Einzelinterventionen vermutlich zerrieben würde.

Hat Ihnen das in den letzten Jahren die Lust am Politisieren genommen?

Überhaupt nicht. Ich begrüsse diese Entwicklung zwar nicht, habe sie aber für mich stets als Herausforderung angeschaut.

Was werden Sie vermissen, wenn Sie künftig nun nicht mehr wöchentlich nach Liestal fahren?

Ich weiss, dass mich gewisse Themen auch nach meinem Rücktritt nicht loslassen werden. Ich werde zwar als Zeitungsleser oder als Mitglied von ausserparlamentarischen Gremien und Arbeitsgruppen weiter an der kantonalen Politik dranbleiben, aber ich bin nicht mehr Teil des Gremiums, das am Schluss entscheidet.

Sie werden sich also nicht ganz aus der Politik zurückziehen?

Nein, ich werde mich weiter an den Delegiertenversammlungen der SP zu Wort melden und mich auch in Abstimmungskampagnen engagieren. Ich möchte mich noch nicht ganz von meinen vertrauten Themen im Finanz- und Bildungsbereich verabschieden. Zudem fühle ich mich fit und gesund.

Sie haben über zehn Jahre die Finanzkommission geleitet. Eine lange Zeit, zumal Sie in der Kommission auch mit unschönen Episoden wie Amtsgeheimnisverletzungen konfrontiert waren.

Nach etwa zwei, drei Jahren als Präsident sagte ich zu mir: «Solange das Klima und die Gesprächskultur in der Kommission gut sind, mache ich weiter. Ansonsten muss ich mir das allerdings nicht weiter antun.» Als es 2012 im Vorfeld der Pensionskassen-Abstimmung dann zu Indiskretionen kam, die das Vertrauen in der Kommission empfindlich störten, verspürte ich dann allerdings keinerlei Rücktrittsgelüste. Im Gegenteil: Ich wollte als Präsident gemeinsam mit meinen Kommissionskolleginnen und -kollegen diese Krise meistern.

Welches Geschäft bezeichnen Sie als Höhepunkt Ihrer Tätigkeit im Landrat?

Spontan kommt mir etwas in den Sinn, das noch nicht so lange zurückliegt: Ein Höhepunkt war sicher, dass die Finanzkommission führende Gemeindepräsidenten dazu bewegen konnte, die Gemeinde-Initiative zur Sanierung der Pensionskasse zurückzuziehen. Ich sehe das zumindest teilweise auch als mein Verdienst. Ich lud damals die Gemeindepräsidenten zur Anhörung in der Kommission ein. Dort einigten wir uns auf den Gegenvorschlag, der letztlich als einzige Variante zur Abstimmung gelangte und vom Volk gutgeheissen wurde. Ich bin froh, dass es im Baselbiet nicht zu einer Abstimmung «Kanton gegen die Gemeinden» gekommen ist.

Noch eine inhaltliche Frage: Wie beurteilen Sie die Finanzlage des Kantons?

Ich bin mit den Prognosen des Regierungsrats nicht in allen Punkten einverstanden. Allerdings möchte ich die optimistische Haltung, die Finanzdirektor Anton Lauber versprüht, auch nicht schlechtreden. Ich bin überzeugt, dass dieser Optimismus die nötige Energie verleiht, um das anvisierte Ziel bei den Kantonsfinanzen tatsächlich zu erreichen. Der frühere Finanzdirektor Adrian Ballmer hat oft schwarzgemalt. Wir von der SP sind dann hingestanden und haben gesagt: «Aber so düster ist die Lage nun auch wieder nicht.»