Wintersingen
Marschieren, probieren und geniessen war in Wintersingen die Devise

In Wintersingen huldigten 2000 Weinfreunde bei schwül-warmen Temperaturen dem edlen Rebensaft. Der eigentliche «Top Shot» unter den vielen «Weinpäbsten» war zweifellos Christoph Kokemoor.

Ulrich Fluri
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Wein und Wandern durch die Rebberge: Das macht die Menschen froh.
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Wein und Wandern durch die Rebberge: Das macht die Menschen froh.
Wein und Wandern durch die Rebberge: Das macht die Menschen froh.
Wein und Wandern durch die Rebberge: Das macht die Menschen in Wintersingen froh.
Wein und Wandern durch die Rebberge: Das macht die Menschen froh.

Wein und Wandern durch die Rebberge: Das macht die Menschen froh.

Ulrich Fluri

Wie recht sie haben, die Winzer von Buus, Maisprach und Wintersingen: «Wer kann da widerstehen?», steht nämlich in ihrer Einladung zum 9.Wy-Erläbnis. Eben - eigentlich niemand. Es waren knapp über 2000 Weinliebhaber, die sich in diesem Frühjahr innerhalb von 30 Minuten nach der Internet-Aufschaltung eine Startkarte sichern konnten. Damit war der Weg frei für einen lukullischen Streifzug durch die prächtigen Rebberge in der Oberbaselbieter Sonnenstube.

Alternierend im Zweijahresrhythmus zur Route von Buus nach Maisprach gings am Samstag in ständigem Auf und Ab durch die südexponierten Hänge von Wintersingen. Für den Normalwanderer auf den ersten Blick eine harmlose Route von sieben Kilometern, die locker in 90 Minuten zurückgelegt werden. Am Samstag aber, als sich bei schwül-warmem Wetter die Wein trinkenden Wanderer gruppenweise auf diese «Tour de Wy» aufmachten, betrug die Marschzeit inklusive «Postenarbeit» gut und gerne vier bis fünf Stunden.

Süffig und feinwürzig

Wen wundert's, galt es doch, etappenweise an acht verschiedenen Posten die einheimischen Gewächse kennenzulernen. Dazu wurden Häppchen gereicht, die förmlich nach diesen süffigen und feinwürzigen Baselbieter Weinen verlangten. Ein Unterfangen allerdings, das bei der Verkostung aller 17 offerierten Sorten ganz zünftig in die Knochen fahren konnte.

Wer wollte aber einem Pinot Noir mit opulenter Frucht, einem eleganten Riesling-Sylvaner, einem körperreichen Chardonnay, einem prickelnden Wintersinger Rosé oder einem spritzigen Bacchus widerstehen? Dazu gabs Neuzüchtungen wie die raffinierte Assemblage Aspra, einem Weissen, der mit delikatem Aroma und schöner Frische besticht. Gaumenfreuden hin oder her - der drohenden «Verkaterung» traten die Organisatoren indes geschickt entgegen, wurde doch nach dem giftigen Aufstieg vom «Schütze-huus» hinauf zur Staufenstrasse beim sechsten Posten «Duräschnufe» exklusiv nur gekühltes Mineralwasser ausgeschenkt. Wer nämlich tellerweise Hobelkäse, Trockenfleisch, Zwiebelwähe, Brotsuppe, Schweinshals und Vanilleschnitten wegputzt, ist dankbar für jede Erfrischung.

Sie kamen von überall her

Das Wy-Erläbnis lockt mittlerweile nicht nur die Baselbieter Gourmets nach Buus, Maisprach oder Wintersingen. Da waren im grossen Harst sogar Weinwanderer aus China, Südkorea und Äthiopien auszumachen, allesamt Angehörige oder Gäste von Schweizer Weinfreunden. «Sehen sie, sogar im Oberbaselbiet findet die Globalisierung statt», scherzte OK-Chef Urs Imhof. Daneben war augenfällig, wie viele junge Leute angeregt über diese oder jene Rebsorte diskutierten, sich an der Natur freuten und sich mit viel Verstand nachschenken liessen. «Mit Alkopops, diesem Trendgesöff für Teenager kann ich nichts anfangen», sagte Rahel Fritz aus Basel. Für die 24-jährige Studentin ist Wein ein Symbol für Gemütlichkeit und überhaupt keine Frage des Alters.

Der eigentliche «Top Shot» unter den vielen «Weinpäbsten» war zweifellos Christoph Kokemoor. Der Sommelier des Basler Grandhotels Les Trois Rois hat aber nicht bloss degustiert, der Weinkenner, der gerne selbst Reben besitzen würde, hatte auch ein kritisches Auge für den gesamten regionalen Rebbau. Und der schneidet bei ihm gut ab, sind doch bereits Baselbieter Weine auf der edlen Karte des Trois Rois - eine tolle Referenz für die einheimischen Weinbauern.