Tierschutz
Maya Grafs Kampf gegen Tierversuche: Zuerst die Niederlage – und dann das grosse Lob

Die Grüne Maya Graf bleibt im Nationalrat chancenlos. Mit 110 gegen 66 Stimmen bei 4 Enthaltungen verwarf der Nationalrat deutlich eine Motion Grafs für ein Verbot von «belastenden Versuchen» an Primaten. Dennoch gibt es Grund zur Freude.

Daniel Ballmer
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Preiswürdig: Seit ihrer Wahl in den Nationalrat im Jahr 2001 hat sich Graf immer wieder mit Nachdruck für den Tierschutz eingesetzt.

Preiswürdig: Seit ihrer Wahl in den Nationalrat im Jahr 2001 hat sich Graf immer wieder mit Nachdruck für den Tierschutz eingesetzt.

Nicole Nars-Zimmer

Freud und Leid liegen oft nahe beieinander. Und so gibt es auch für Maya Graf eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die schlechte: Die Baselbieter Grünen-Nationalrätin hatte in der Grossen Kammer keine Chance. Mit 110 gegen 66 Stimmen bei 4 Enthaltungen verwarf der Nationalrat deutlich eine Motion Grafs für ein Verbot von «belastenden Versuchen» an Primaten. Versuche an Affen, die Schmerzen und Ängste verursachen, sollten untersagt werden.

Die schlechte Nachricht...

Es gehe nicht darum, Tierversuche grundsätzlich zu verbieten, versicherte Graf. Aber: Belastende Versuche an Primaten seien aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen nicht mehr zeitgemäss. Sie verursachten sehr viel Leid, ein Erkenntnisgewinn aber sei nicht feststellbar. Die Resultate könnten nicht eins zu eins auf Menschen übertragen werden. Ein Verbot dieser grausamen Affenversuche gefährde die biomedizinische Forschung und die Sicherheit der Medikamente in keiner Weise. Es gebe heute bessere Alternativen. So könnten ganze Organismen und die Auswirkungen von Krankheiten an Computermodellen oder anderen Technologien studiert werden.

Dem Nationalrat aber geht ein Verbot zu weit. Er folgte der Argumentation von SP-Bundesrat Alain Berset. Demnach sei die Zahl der in Tierversuchen eingesetzten Primaten in den vergangenen zehn Jahren gesunken. Zudem seien die verschiedenen Arten unter den Primaten evolutiv unterschiedlich entwickelt. Oft würden kleine Makakenarten oder Marmosetten als Versuchstiere gehalten. Für deren Haltung gebe es Mindestanforderungen.

Belastende Versuche mit grossen Menschenaffen würden in der Schweiz seit Jahren nicht mehr durchgeführt, betonte der Innenminister. Und Tierversuche seien generell nur zulässig, wenn die Belastung des Tieres durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden könne. Mit dem Nein des Nationalrats ist der Vorstoss vom Tisch.

Der Kampf aber geht weiter. Vor drei Wochen hatte die Schweizer Liga gegen Tierversuche und für die Rechte des Tieres in Bern eine Petition mit 34 600 Unterschriften gegen belastende Tierversuche mit Affen eingereicht. Hintergrund sind die umstrittenen Primatenversuche der Universität Zürich und der ETH. Trotz Kritik von Tierschützern hatte das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich im April die Bewilligung bestätigt.

Und im Herbst ist in Basel-Stadt die Initiative «Grundrechte für Primaten» eingereicht worden. Die Initianten wollen, dass das Recht auf Leben sowie die körperliche und geistige Unversehrtheit von Primaten in der Kantonsverfassung festgeschrieben wird. In keinem anderen Kanton werden mehr Versuche an Affen durchgeführt als in Basel-Stadt: 2016 mussten 137 dieser Tiere herhalten. Das sind schweizweit 70 Prozent aller Versuche an Primaten. In den vergangenen 20 Jahren hatte der Stadtkanton stets die Spitzenposition inne.

Und die gute Nachricht...

Deswegen denkt auch Maya Graf nicht daran, ihr Engagement zu beenden. Das wird nun honoriert. Und damit folgt die gute Nachricht für die Grünen-Politikerin: Gemeinsam mit ihrem Berner SP-Ratskollegen Matthias Aebischer ist Graf gestern Abend von der Alliance Animale Suisse mit dem «Triple A des Tierschutzes» ausgezeichnet worden. Seit ihrer Wahl in den Nationalrat 2001 habe sich Graf immer wieder mit Nachdruck für den Tierschutz eingesetzt.

Gerade auch im Kampf gegen Tierversuche. «Sie ist eine Kämpfernatur, die nicht aufgibt nach politischen Niederlagen», sagte Marion Theus in ihrer Laudatio. Für die Präsidentin von «Wildtierschutz Schweiz» brauche der Tierschutz «genau solche Persönlichkeiten». Da sind zwischenzeitliche Niederlagen wieder schnell vergessen.