Pratteln
Medix-Toujours-Betreiber werden von der Konkurrenz angeschwärzt

Nachdem Axel und Sonja Rowedder nach der Eröffnung Ihrer Praxis mehrere Inserate in die Lokalzeitung schalteten, wurde die Konkurenz hellhörig. Sie behauptet sogar, das Ehepaar hätte mit dem Inserat gegen ein Gesetzt verstossen.

Benjamin Wieland
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Dr. Axel Rowedder und seine Frau Sonja Rowedder in Pratteln am Bahnhof.

Dr. Axel Rowedder und seine Frau Sonja Rowedder in Pratteln am Bahnhof.

Kenneth Nars

Der Halbgott in Weiss ist tot. Trotzdem gelten Ärzte immer noch als bessere Menschen, und auch selber erheben viele für sich den Anspruch, höheren Ansprüchen genügen zu müssen als Vertreter anderer Berufe.

Wenn es um unliebsame Konkurrenten geht, ist es dann aber vorbei mit der edlen Zurückhaltung. Dann dreckeln die Ärzte ungehemmt – wie alle anderen auch.

Konkurrenz ist gar nicht erfreut

Das bekamen Axel und Sonja Rowedder zu spüren. Im Mai eröffnete das umtriebige Paar an der Prattler Bahnhofsstrasse eine Filiale von Medix Toujours, eine Art Hausarzt-Notfallstation mit Gemeinschaftspraxis: keine Voranmeldung, das ganze Jahr und fast rund um die Uhr geöffnet, flexible Arztwahl. Acht Personen, darunter drei Ärzte, sind in Pratteln tätig. Das Modell hat sich bereits in Basel bewährt: Die Filiale am Bahnhof SBB, sie wurde 2010 eröffnet, stösst laut dem Betreiberehepaar auf grosse Nachfrage.

Nach der Eröffnung der Räume in Pratteln schalteten die Rowedders mehrere Inserate in der Lokalzeitung, dem «Prattler Anzeiger», um ihr Angebot bekannt zu machen. Schon da scharrten die Konkurrenten mit den Hufen. Vergangene Woche erschien dann in derselben Zeitung im redaktionellen Teil ein Praxis-Porträt. Das brachte das Fass zum Überlaufen.

Prattler Kollegen bezichtigten die Rowedders, gegen das Werbeverbot verstossen zu haben. Wie die bz weiss, drohte mindestens ein Kollege damit, Axel Rowedder als ärztlichen Leiter beim Berufsverband, der Ärztekammer Baselland, anzuschwärzen, mit dem Ziel, dass diese eine Busse ausspricht.

Die Drohung zeigte Wirkung: Die Rowedders bekamen Wind von den Anfeindungen - und stoppten die restlichen Inserate, die noch hätten erscheinen sollen. Dies, obwohl sie weder gegen ein Gesetz, noch gegen die Standesordnung der Ärztegesellschaft verstossen haben.

Das Werbeverbot existiert nämlich gar nicht mehr. Die Vorschriften wurden in den vergangenen Jahren immer wieder gelockert, im Baselbiet zuletzt bei der Revision des kantonalen Gesundheitsgesetzes 2008.

Früher galt: Ärzte dürfen nicht werben. Nur Praxiseröffnungen, Absenzen oder Mutationen können publik gemacht werden, und das nur mit schlichten Anzeigen. Heute ist Werbung möglich, wenn sie drei Regeln einhält: Sie darf nicht unsachlich, nicht irreführend und nicht marktschreierisch sein.

Die Ärztekammer Baselland wiederum führt in ihrer Standesordnung, also den internen Vorschriften, detailliert auf, was erlaubt ist und was nicht. Sogar die Grösse der Schrift auf Praxis-Schildern ist darin geregelt. Aber auch die Standesordnung hält fest: Ärzte dürfen werben.

Medix steht für Kulturwandel

Die Medix-Inserate entsprechen den Vorgaben, was die Ärztekammer auf Anfrage bestätigt. Und Rowedder sagt, die Zeitung sei wegen des Artikels auf Medix zugekommen – nicht umgekehrt. Der «Prattler Anzeiger» bestätigt dies auf Anfrage der bz. Es sei üblich, neue, interessante Angebote auf dem Gemeindegebiet vorzustellen. Das könnten auch Arztpraxen sein.

Rowedder glaubt, dass es bei den Anfeindungen noch um etwas anderes gehe als um die Inserate und den Zeitungsartikel. Man wolle der neuen Konkurrenz das Leben schwer machen. «Wir stehen wahrscheinlich auch für den Wandel in der medizinischen Grundversorgung, der bei den Hausärzten heftig ist und verunsichert. Wir wagen etwas neues, und die Nachfrage ist – wie wir in Basel beweisen konnten – da.»

Alte Ärzte, alte Vorstellungen

Verstösse gegen das Werbeverbot sind im Baselbiet selten, sagt Kantonsarzt Dominik Schorr. Er habe in den vergangenen Jahren nur einmal einschreiten müssen: Eine Praxis habe mit verbotenen Hormonen geworben.

Trotzdem würden ihm immer häufiger angebliche Verstösse gemeldet. «Gerade ältere Ärzte meinen», sagt Schorr, «dass das Werbeverbot noch immer gelten würde. Das Thema Reklame und Medizin ist einfach heikel.»