Zwischenbilanz
Mehr als «nur» eine Velostation

Das sozial engagierte Unternehmen Velostation Liestal blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Das vielseitige Dienstleistungsangebot wird rege genutzt und soll in Zukunft weiter wachsen.

Joël Hoffmann
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Der Hauslieferdienst der Velostation auf seinem Elektrovelo. ZVG/Véron

Der Hauslieferdienst der Velostation auf seinem Elektrovelo. ZVG/Véron

Die Velostation beim Bahnhof Liestal ist seit einem Jahr in Betrieb. Das vielseitige Dienstleistungsangebot wird rege genutzt und soll in Zukunft weiter wachsen. «Vor allem Pendler, die mit dem Velo zum Bahnhof fahren, schätzen die sicheren Veloabstellplätze», sagt Geschäftsführerin Marie-Thérèse Véron. Neben den 107 überwachten Abstellplätzen bietet die Station für weitere 97 Fahrräder im unbewachten Teil Platz. Seit der Gründung im März 2010 wurden, nebst Monatsabos und Tageskarten, 110 Jahresabonnemente verkauft. Die Überbelegung sei aber kein Problem, weil der überwachte Bereich im Durchschnitt nur zu 80 Prozent belegt sei: «Es hat also noch Kapazitäten für mehr Abonnenten».

Mit dem Hauslieferdienst müssen die Liestaler Kunden ihre Einkäufe nicht mehr mühsam nach Hause schleppen, und ihr Auto können sie auch gleich stehen lassen. Bei den grösseren Geschäften können die Besorgungen in speziellen Boxen deponiert werden. Jede Stunde fährt ein Kurier von der Velostation mit dem Elektrobike vor, lädt die Kommissionen in den Anhänger und bringt diese zum Kunden nach Hause. «Auch die kleineren Läden bestellen für ihre Kunden unseren Hauslieferdienst», fügt Véron hinzu. Genutzt werde das Angebot vor allem von Familien und älteren Menschen. Bis heute seien mehr als 1500 Lieferungen durchgeführt worden.

Integration in den Arbeitsmarkt

Das gemeinnützige Unternehmen hilft Menschen bei der Integration in den ersten Arbeitsmarkt und beschäftigt gegenwärtig elf Sozialhilfeempfänger. Véron: «Wenn das Bedürfnis nach unserem Hauslieferdienst weiter ansteigt, können wir neue Leute einsetzen.» Bis Ende Jahr hofft Véron, zwanzig Sozialhilfeempfänger zu beschäftigen, wie es die Projektplanung vorsieht.

«Es ist toll, dass ich hier wieder einen Tagesrhythmus und Kontakt mit anderen Menschen habe», findet Nelly Bah, die Sozialhilfe bezieht und seit August 2010 beim Empfang der Velostation arbeitet. Über eine Freundin erfuhr sie vom Projekt: «Ich habe dann beim Sozialamt nachgefragt, ob ich hier arbeiten dürfe.» Vom Sozialamt bekommt sie für ihr Engagement einen kleinen Zustupf, den sie gut gebrauchen könne: «Ich habe eine 15-jährige Tochter, und die hat ihre Ansprüche.» Bah freut sich auf die Zwischenzeugnisse: «Mit diesen Referenzen sieht ein möglicher Arbeitgeber, dass ich motiviert bin und gerne arbeiten möchte.» In Zusammenarbeit mit dem «Job Club» in Basel ermöglicht die Velostation ihren Beschäftigten einen Kurs, wo sie Unterstützung bei der Jobsuche und beim Bewerbungsschreiben erhalten. Acht Personen haben bis jetzt den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt geschafft.

Seit März 2010 wurden der Velostation gegen Tausend alte Fahrräder für die Aktion «Velos für Afrika» angeliefert. Eindrucksvoll ist der Berg an Drahteseln, der sich vor der eigenen Werkstatt auftürmt: «Im Sammeln sind wir bald die Nummer Eins der Nordwestschweiz», witzelt Véron, die per Ende Mai die Velostation Richtung Ausland verlässt. Die Velostation wird ab Mai wie bisher von Oswald Hürlimann und neu von Smadah Lévy geführt.