Ferien
Mehr Ferien: Die Gemeinden ziehen nach

Die meisten Baselbieter Gemeinden werden ihren Angestellten in Zukunft wohl ebenso viele Ferientage gönnen wie der Kanton. Dies ganz zur Freude der Angestellten.

Daniel Aenishänslin
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bz Basellandschaftliche Zeitung

«Ich gehe davon aus, dass die meisten Gemeinden mitziehen», sagt Myrta Stohler, Präsidentin des Baselbieter Gemeindeverbands, «sie müssen, weil sie das gleiche Personalreglement wie der Kanton besitzen.» Letzterer wird in zwei Schritten bis 2012 seinem Personal mehr Ferien gewähren. Eine fünfte Ferienwoche erhalten jene Angestellten, die jünger als 50 Jahre alt sind. Zwei Tage mehr erhält, wer zwischen 50 und 59 Jahre alt ist.

«Wir halten es wie der Kanton», bestätigt Waldenburgs Gemeindeverwalter Markus Meyer, «gestaffelt werden wir die Ferien unserer Angestellten im selben Umfang erhöhen.» Meyer gewinnt dem Ferienzustupf vor allem Gutes ab. «Das Gefälle soll nicht noch grösser werden, als es heute schon ist», führt er aus, «sonst entwickeln wir uns zu einer Zweiklassen-Gesellschaft.» Damit spricht er die unterschiedlichen Ferienguthaben an, die Staats- beziehungsweise Gemeindeangestellte in Anspruch nehmen dürfen gegenüber den Angestellten in der Privatwirtschaft.

Schneller arbeiten

Mehr Arbeitsplätze stellt Markus Meyer aber nicht in Aussicht. Damit Waldenburg keine Mehrkosten entstehen, «muss einfach ein wenig schneller gearbeitet werden – so wie beim Kanton». Myrta Stohler, selbst langjährige Gemeindepräsidentin in Diegten, glaubt nicht an einen kostenneutralen Akt, räumt jedoch ein, «es wird schon irgendwie gehen». Was sie hingegen als «trügerisch» empfindet, ist der Sparversuch im Bereich der Teuerung. Die Löhne sollen unverändert bleiben, weil die Teuerung im letzten Jahr minus 0,3 Prozent betrug. «Es wird bestimmt wieder zu einer Teuerung kommen», gibt sie sich kritisch. Stohler zeigt aber auch Verständnis für die Gemeindeangestellten und ihr Bedürfnis nach mehr Ferien: «Der Arbeitsalltag ist heute wohl stressiger als noch vor ein paar Jahren, vielleicht zahlen sich mehr Ferien aus, indem ausgeruhter und motivierter gearbeitet wird.»

Anders präsentiert sich die Lage in Reinach. Die Gemeinde verfügt über ein eigenes Personalreglement. «Nein, wir haben keinen Handlungsbedarf», sagt Gemeindeverwalter Thomas Sauter, «wir sind bereits auf dem Stand, den der Kanton erreichen will.» Deshalb wird Reinach im kommenden Jahr prüfen, wie sie es mit dem Teuerungsausgleich halten will. Die massgebende Teuerung gemäss Bundesamt für Statistik für die Löhne des Staatspersonals beträgt 0,7 Prozent. «Unsere Angestellten sollen nicht schlechter dastehen als jene des Kantons», sagt Sauter, «Ziel ist es, bessere Bedingungen zu erreichen.»

Versteckte Reallohnerhöhung

Fritz Kammermann, Gemeindeverwalter in Hölstein, sagt, «es macht wenig Sinn, den Weg, den der Kanton eingeschlagen hat, nicht mitzugehen, wir hätten uns mit aufwändigen administrativen Abweichungen herumzuschlagen». Das der Gemeinde dadurch zusätzliche Kosten entstehen, sei für ihn klar: «Das ist eine versteckte Reallohnerhöhung.» Nur, kritisiert Kammermann, würden nicht alle davon profitieren. Für Angestellte über 60 Jahre gibts nichts hinzu. Bislang hatten diese ihres Alters wegen mehr Ferien als die jüngeren. «Das war eine soziale Errungenschaft, die nun schrittweise abgebaut wird», bemängelt er, «und das ist ungerecht.»