Ausbau
Mehr Strassen für den Migros-Baumarkt im Grüssen-Areal

Für den neuen Obi-Fachmarkt will die Gemeinde Pratteln Strassen ausbauen und 500 Parkplätze bauen, obwohl Obi selbst 360 für ausreichend hält. Ausserdem wird die Altlastensanierung grösstenteils von der Gemeinde, nicht vom Fachmarkt selbst bezahlt.

Michel Ecklin
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Auf dem Grüssen-Areal ist ein Obi-Gebäude von der Grösse von 20'000 Quadratmetern (fast drei Fussballfelder) geplant. (Symbolbild)

Auf dem Grüssen-Areal ist ein Obi-Gebäude von der Grösse von 20'000 Quadratmetern (fast drei Fussballfelder) geplant. (Symbolbild)

Keystone

Die Gemeinde Pratteln meint es gut mit der Migros. Diese hält für ihren neuen Obi-Fachmarkt auf dem Grüssen-Areal 360 Parkplätze für ausreichend.

Trotzdem geht der vom Gemeinderat erarbeitete Quartierplan von 500 Parkplätzen aus. Mit weiteren Massnahmen bereitet die Gemeinde den Bau des Obi-Gebäudes vor, in dem 20'000 Quadratmeter (fast drei Fussballfelder) Verkaufsfläche geplant sind.

Für die Verlegung einer Gasleitung übernimmt sie 920'000 Franken, gleich viel wie die Migros. Die Altlastensanierung kostet Pratteln 5,6 Millionen Franken, die Migros zwei Millionen.

Teilweise bereits umgesetzt ist der Ausbau der Strassen rund um den Obi. Zudem soll mittelfristig im Rahmen von Salina Raurica die Kraftwerkstrasse über die bereits bestehende Brücke über die Autobahn an die verlegte Rheinstrasse angeschlossen werden.

Mit diesen baulichen Massnahmen «kann das zukünftige Verkehrsaufkommen mit akzeptabler Qualitätsstufe bewältigt werden», schreibt der Gemeinderat. Er beruft sich auf eine Verkehrsstudie, die mit täglich 2800 zusätzlichen Fahrten rechnet.

Technisch kaum machbar

Doch hinter dem Anschluss an die Rheinstrasse steht ein Fragezeichen. Damit erreiche man den angestrebten öV-Anteil in Salina Raurica von 35 Prozent nicht, kritisiert VCS-Geschäftsführerin Stephanie Fuchs. «Der Kanton hat selber gesagt, dass er die Verlängerung der Kraftwerkstrasse nicht will.»

Das bestätigt Kantonsplaner Martin Kolb. «Pratteln hat uns versichert, dass die Strasse nur der Anbindung der Quartiere nördlich der Autobahn an das übrige Gemeindegebiet dienen soll», erklärt er. Das wolle die Gemeinde auch so signalisieren.

Von einer Erschliessung des Grüssen-Gebiets über diese Brücke über der Autobahn sei nie die Rede gewesen. Er weist zudem darauf hin, dass der Übergang von der verlegten Kantonsstrasse auf die Brücke wegen des Höhenunterschieds technisch schwierig zu bewältigen wäre.

Benedikt Schmidt, Prattler Einwohnerrat der Grünen/Unabhängigen, hält die Absicht des Gemeinderats, Verkehrsprobleme im Grüssen über mehr Strassen zu lösen, für «fantasielos».

«Aber der Obi ist für die Gemeinde sehr interessant, denn es besteht ein Baurechtsvertrag.» Dieser soll jährlich 750'000 Franken in die Kasse fliessen lassen. «Da verliert man rasch verkehrspolitische Ziele», sagt Schmidt.

Optimieren statt ablehnen

Der Einwohnerrat behandelt den Obi-Quartierplan ab dem 26. August. Die Grünen/Unabhängigen werden ihn voraussichtlich nicht ganz ablehnen, sondern zu «optimieren» versuchen.

Schmidt schweben eine griffige Parkraumbewirtschaftung im ganzen Grüssen-Gebiet und ein besserer Ortsbus vor. Ob er und seine Fraktion im Einwohnerrat damit Erfolg haben, ist allerdings offen. Schmidt: «Wir haben knappe Mehrheitsverhältnisse im Einwohnerrat.»