Metrobasel
Metrobasel stellt die Vision eines Saint-Tropez am Rhein vor

Im Theater Basel wurde über die «Raumentwicklung ausserhalb der Stadt Basel» ausgiebig diskutiert - anwesend waren aber vor allem Städter. Bereits im Vorfeld entfachten Kontroversen um die drei Flaggschiffprojekte.

Thomas Dähler
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Realistischer: Das Projekt Lagune in Grenzach-Wyhlen. zvg

Realistischer: Das Projekt Lagune in Grenzach-Wyhlen. zvg

Es knallte. Kanonen donnerten im Hintergrund. Bei dem Gemetzel gab es über 200 Tote. Den arroganten Städter spielte Max von Mühlen, die kämpferische Baselbieterin Carolin Schär, Regie auf der grossen Bühne des Theaters Basel führte Metrobasel. Das Theaterstück zum Schluss des gut besuchten Forums 2011 bildete die Wirklichkeit von 1833 ab und stand unter dem Motto «Lernen aus der Vergangenheit». Zuvor war jedoch über die Zukunft geredet worden. Viel geredet. Über Visionen für die «Raumentwicklung ausserhalb der Stadt Basel».

Pointen zum finanzschwachen Baselbiet

Apropos Lernen aus der Vergangenheit: Auch in der Wirklichkeit von 2011 können die Referenten noch mit einem Applaus rechnen, wenn sie mit einer Pointe zum finanzschwachen Baselbiet aufwarten können – gestern war dies der untrügerische Hinweis darauf, dass das Publikum vorwiegend städtisch war.

Metrobasel hatte schon im Vorfeld des Forums 2011 die drei Flaggschiffprojekte präsentiert – um damit Kontroversen entfacht, als ob bereits Bauprojekte vorlägen. Jacques Herzog, Direktor des ETH-Studios Basel, musste mit Nachdruck darauf hinweisen, dass es um eine «Vision 2040» gehe. Noch ist Birsfelden nicht Saint-Tropez, als das es die Visionäre sehen. Und auch der künstliche Rheinkanal in Grenzach-Wyhlen und der Freizeitsee in Sierentz werden kaum eins zu eins zu Bauprojekten.

Keine Wachstumsvisionen ohne Umland

Die Flaggschiffprojekte zeigen auf, dass Basel ohne sein Umland keine Wachstumsvisionen entwickeln kann. «In der Stadt stossen wir an Grenzen», stellte der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels in der Diskussionsrunde lapidar fest. Manuel Herz, Forschungsleiter am ETH-Studio Basel, hat deshalb das Rheinufer von Birsfelden als idealen Standort für einen Uni-Campus geortet. Der Hafenstandort habe Potenzial, «ein lebendiges Stück Stadt» zu werden. So schön wie Saint Tropez sei die Landschaft um den heutigen Hafen.

Bei seinen Visionen gehe es nicht um Uni-Gebäude statt Container. Es gehe darum, den Birsfelder Hafen in Verbindung mit einem Uni-Campus zu einem lebendigen Stadtteil Basels weiterzuentwickeln. Der Baselbieter Landrat Marc Joset findet dies interessant. «Baselland würde es gut anstehen, etwas mehr Visionen zu haben», meinte er. Ein Campus, ob in Birsfelden oder in Muttenz, wo der FHNW-Campus seinen Standort haben soll, sei jedenfalls sinnvoller als ein isoliertes Institut in Liestal.

Kiesgrube als Freizeitsee

Auch die Idee von Andreas Courvoisier, eine Kiesgrube im elsässischen Sierentz in einen Freizeitsee zu verwandeln, ist visionär. Doch der Maire von Sierentz, Jean-Marie Belliard sieht darin nicht mehr als eine Vision. Typisch Basel: Die Stadt stelle sich das Elsass als Hinterland für die Freizeit vor. Wenn schon ein See, müsse dort Alltagsleben stattfinden. Es müsse Arbeitsplätze geben.

Belliard erhielt Unterstützung vom Baselbieter Raymond Cron von Orascom Development: An einem See müsse man sich einen Business-Park und Wohnungen vorstellen können. Investoren seien nur an marktorientierten Projekten interessiert. Entzaubernd realistisch nahm Jörg Lutz, Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen zur Idee eines dorfnahen Rheinkanals Stellung: Man wolle jetzt mal das Projekt Lagune (die bz berichtete) am heutigen Rhein umsetzen.

«Neues regionales Selbstverständnis schaffen»

Herzogs ETH-Studio und Metrobasel wollen mit ihren Visionen «das Stadtgebiet erweitern und neues regionales Selbstverständnis schaffen»: Basel quasi als Prototyp für zukünftige urbane Entwicklung. Nur ist das in Basel besonders schwierig. Das Theaterstück hat es aufgezeigt: Zuerst muss man tatsächlich «aus der Vergangenheit lernen».