Michael Gauer
Michael Gauer: «Todesangst hatte ich auf meiner Expedition nie»

Michael Gauer trotzte auf seiner Expedition auf dem zugefrorenen Baikalsee Temperaturen von bis zu minus 50 Grad. Im Interview mit der bz erzählt er über die Erlebnisse in Südsibirien, den Wunsch Träume zu verwirklichen und den schlimmsten Moment.

Fabio Halbeisen
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Expedition auf dem Baikalsee von Michael Gauer
11 Bilder
Sonnenaufgang auf dem Baikalsee….
Michael Gauer war zwar während seiner Expedition einsam, hatte aber immerhin gutes Wetter
Sonnenuntergang auf dem Baikalsee
Das Zelt von Michael Gauer..
.. und sein selbst gebauter Schlitten
Michael Gauer trotzt Temperaturen von bis zu minus 50 Grad
Der Abenteurer studiert die Karte
Michael Gauer und sein Equipment
Michael Gauer
Michael Gauer

Expedition auf dem Baikalsee von Michael Gauer

Zur Verfügung gestellt

Michael Gauer, wie froh sind Sie, noch am Leben zu sein?

Michael Gauer: Während meiner Expedition habe ich zwar nie damit gerechnet, nicht mehr lebend zurückzukommen. Aber ich bin sehr froh, jetzt hier zu sein. Die Expedition war sehr hart. Nicht körperlich, aber vor allem psychisch. Daher habe ich mir sehr oft gewünscht, dass jemand bei mir gewesen wäre.

Hatten Sie dann keine Angst, sich alleine auf dieses Abenteuer einzulassen?

Nein. Ich hatte ja stets die Absicherung, mich mittels Spot-GPS-Tracker (kleines Gerät mit drei Knöpfen, um Hilfe anzufordern, Anm. d. Redaktion) retten zu lassen. Ich hatte sogar zwei solche Geräte dabei. Das musste ich meiner Mutter versprechen (lacht).

Was hat Sie auf die Idee gebracht, eine solche Expedition durchzuführen?

Mich fasziniert das Snowkiten sehr. Dabei ist man mit Schlitten, Skis und zwei Lenkdrachen ausgerüstet und lässt sich vom Wind antreiben. Jedoch finde ich es nicht sehr spannend, immer am selben Ort zu kiten - so, wie es sehr viele machen. Ich wollte den Sport mehr im Expeditionsbereich durchführen, also eine bestimmte Strecke zurücklegen an einem Ort, an dem nicht jeder kiten geht. Und da war der Baikalsee natürlich perfekt, da es eine gottverlassene Gegend in Südsibirien ist.

Welcher war Ihr schlimmster Moment?

Am ersten Tag geschah das Unfassbare: Obwohl ich mehr mit Outdoor-Kochern als auf einem normalen Herd koche, machte ich einen verheerenden Fehler. Als ich die Pfanne auf die Flamme stellte, bemerkte ich anfangs nicht, dass sich der Telleruntersatz immer noch unter der Pfanne befand. Die Flamme fing an zu flackern. Als ich das Problem erkannte, war es schon zu spät. Das geschmolzene Plastik verstopfte etwa fünf Sechstel der Düse. Von diesem Moment an kämpfte ich mit der Befürchtung, dass der Kocher jederzeit komplett aussetzen könnte und ich ein Notfallsignal absetzen müsste. Diese Gedanken waren ständig präsent. Das war sehr hart.

Zur Person

Michael Gauer ist in Breitenbach aufgewachsen. Danach wohnte er eine kurze Zeit in Laufen. Heute wohnt der 28-Jährige aufgrund seines Studiums in Rapperswil. Er studiert «erneuerbare Energie und Umwelttechnik» an der Hochschule für Technik.

«Neben dem Studium lebe ich für den Sport, beziehungsweise neben dem Sport studiere ich noch», scherzt Gauer. Zu seinen Hauptsportarten zählen vor allem Gleitschirmfliegen, Fallschirmspringen und Base-Jumping.

«Alles, was viel Action beinhaltet und schnell ist.» Zeit für eine Beziehung hat er nicht, er könne sich momentan nicht vorstellen, sich zu binden. Denn diese Sportarten möchte er auch noch in Zukunft ausüben. (FH)

Welche Erlebnisse nehmen Sie aus der Expedition mit?

Als mein Kocher komplett den Geist aufgab, entschloss ich mich, ein von der Umwelt abgeschnittenes Dorf zu erreichen. Die Hoffnung, dass im Winter jemand da sein könnte, war gleich null. Umso grösser war die Freude, als mich ein bellender Hund begrüsste. Tatsächlich stieg aus einem einzigen Kamin Rauch in den Himmel hoch. Ich klopfte an, worauf mir ein betagter Russe die Tür öffnete. Er lud mich zu sich ein, trocknete meine Kleider, kochte für mich eine Fischsuppe und liess mich bei sich übernachten. Das war ein einmaliges Erlebnis; der bezaubernde, verschneite Ort wirkte magisch auf mich. Das werde ich nie vergessen.

Das ist nicht Ihr erstes Abenteuer - brauchen Sie den Kick?

(Überlegt lange) Ich habe so viele Ideen im Kopf, was solche Expeditionen anbelangt. Wenn ich nur davon träumen würde, wäre ich nicht glücklich. Dann hätte ich zwar gute Ideen, diese aber nie verwirklicht. Darum versuche ich, diese Ideen und Träume zu verwirklichen. Ich bin gerne auf mich alleine gestellt. Das ist eine extreme Herausforderung. Es ist weniger der Kick, sondern viel mehr die Herausforderung, welche viel Vorbereitung, Durchhaltewille und Ausdauer benötigt. Mir geht es vor allem darum, eine Erfahrung zu machen, die nicht jeder macht.

Sie sprechen die Vorbereitung an. Wie haben Sie diese Reise geplant?

Ich habe mich drei Monate vor dem Start entschlossen, diese Expedition durchzuführen. Daher hatte ich ein sehr gedrängtes Programm, was die Vorbereitung anbelangt. Speziell war zudem, dass ich meinen Schlitten alleine gebaut habe. Alleine in den Schlitten habe ich rund 100 Arbeitsstunden investiert. Daneben musste ich Sponsoren suchen und habe dafür eine Homepage entworfen. Auch die Medienarbeit hat sehr viel Zeit verschlungen. Das Wichtigste waren allerdings Informationen über den Baikalsee. Viele gibt es nämlich nicht; diese zu finden war ebenfalls sehr schwierig. Zu guter Letzt galt es noch, sämtliches Equipment sowie die Nahrungsmittel aufzutreiben.