Ziefen
Milchgenossenschaft will die «Chesi» verkaufen

Es ist momentan das Dorfgespräch Nummer eins in Ziefen: Weil der Umsatz im Dorfladen zurückgeht, droht der «Chesi» die Schliessung; das Gebäude soll verkauft werden.

Simon F. Eglin
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Die Milchgenossenschaft Ziefen ist in Zugzwang, weil die Umsätze seit Jahren sinken. juri Junkov

Die Milchgenossenschaft Ziefen ist in Zugzwang, weil die Umsätze seit Jahren sinken. juri Junkov

Etwas über 1500 Einwohnerinnen und Einwohner zählt die Gemeinde Ziefen. Zu klein für einen rentablen Dorfladen? Angesichts des geplanten Verkaufs der Liegenschaft durch die Milchgenossenschaft Ziefen drängt sich dieser Eindruck zumindest auf. «Vielen Leuten geht es nahe, dass der Laden schliessen soll», kommentiert Thomas Dubach das aktuelle Dorfgespräch Nummer eins.

Gleichwohl hält der Aktuar der Milchgenossenschaft aber auch fest, dass die Umsätze in den letzten Jahren frappant zurückgegangen seien. Für die zum Verkauf stehende Liegenschaft haben sich nun bereits erste Interessenten gemeldet.

Vor zwei Jahren sind die langjährigen Leiter der «Chesi» in Pension gegangen. Diese waren im Dorf verankert und haben den Grossteil der Kundschaft noch persönlich gekannt. Der Personalwechsel habe wohl auch zum Schrumpfen der Umsätze beigetragen, meint Thomas Dubach, will aber den Rückgang nicht allein daran festmachen: «Die Leute kaufen immer mehr bei Coop, Migros und der Landi in Bubendorf ein.»

Viele pendeln zu ihren Arbeitsplätzen in Richtung Liestal, und da liegen die Grossverteiler am Weg. «Die besten Kunden sind noch die älteren Einwohnerinnen und Einwohner Ziefens», sagt Thomas Dubach.

Metzgerei und Familie betroffen

Das Kräftemessen mit den Grossverteilern kennt auch Thomas Abt, der in der besagten Liegenschaft seit 15 Jahren einen Metzgereiladen betreibt. Zwischen Weihnachten und Neujahr hat er alle Hände voll zu tun, ansonsten seien die Umsätze im Laden aber in den letzten Jahren generell gesunken.

Mit einem «Znünidienst» für umliegende Firmen sowie mit einem Partyservice verdient Abt zusätzliches Geld. «Ich kann die Entscheidung der Milchgenossenschaft zwar nachvollziehen, aber am liebsten wäre mir natürlich, wir könnten so weitermachen wie bisher», kommentiert Abt den geplanten Verkauf.

Brisant: Thomas Abt ist nicht nur unten im Laden eingemietet, sondern bewohnt auch mit seiner Frau und zwei Kindern die Wohnung in derselben Liegenschaft. Abt prüft momentan Alternativen, hofft aber gleichwohl, dass eine Lösung gefunden wird, die den Fortbestand der Metzgerei wie auch der Familienwohnung nach wie vor in der Eienstrasse 34 ermöglichen.

Ohne Kunden läuft nichts

Seit über 25 Jahren gehört die «Chesi» der Milchgenossenschaft Ziefen, die heute zehn Mitglieder zählt. Diese haben das Gebäude bis 2008 auch als Milchannahmestelle genutzt. Aufgrund des fortwährend schlechten Geschäftsgangs sei über die weitere Zukunft schon seit anderthalb Jahren diskutiert worden, sagt Thomas Dubach.

Im Mai habe man sich nun schweren Herzens darauf geeinigt, die Liegenschaft zu verkaufen. Von den zukünftigen Eigentümern wird es abhängen, ob die Metzgerei und vielleicht auch der Dorfladen weiterhin bestehen bleiben können und ob der Mietvertrag für die Wohnung der Familie Abt erneuert wird.

Es sei für die Genossenschaft ein grosses Anliegen, die jetzige Nutzungsform zu erhalten, erwähnt deren Aktuar ausdrücklich. Dieses Interesse teilt auch die Gemeinde Ziefen. «Wir sind in diesem Zusammenhang nun bereits einige Male mit der Milchgenossenschaft zusammengesessen und streben eine Lösung an, bei der die Ladengeschäfte erhalten bleiben können», sagt Gemeindeverwalter Beat Thommen. Die wichtigste Grundlage für den Erhalt der Läden sei aber nach wie vor, dass die Leute auch tatsächlich dort einkaufen, ergänzt Thommen.