Reinach
Mischeli: Das Zentrum am Rand

Einst war das Mischeli-Einkaufszentrum in Reinach ein Anziehungspunkt für die ganze Region. Heute hält es sich bloss dank der Stammkundschaft aus dem Quartier über Wasser.

Michel Ecklin
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Zwar sind alle Verkaufsflächen vermietet, doch kommt man sich im Mischeli manchmal ziemlich einsam vor.

Zwar sind alle Verkaufsflächen vermietet, doch kommt man sich im Mischeli manchmal ziemlich einsam vor.

Kenneth Nars

Immerhin zieht es nicht mehr. Vor einigen Jahren wurden an den Ein- und Ausgängen des Mischeli-Zentrums Fensterfronten eingebaut. Seither fühlt man sich nicht mehr dem Wetter ausgesetzt, wenn man im Reinacher Einkaufszentrum flaniert. Aber sogar über Mittag ist das Mischeli fast leer. Statt des Lärms von Menschenmassen dominiert seicht plätschernde Musik aus den Lautsprechern. Keine Kinder rund um den überdimensionierten Süssigkeitenautomat, die Tische vor dem Restaurant «Hot Chili Wow» bleiben ungedeckt.

Sie sind lange her, die Zeiten, als das Mischeli das einzige Einkaufszentrum der Nordwestschweiz war und für einen Verkehrszusammenbruch in Reinach Nord sorgte. Damals, vor knapp einem halben Jahrhundert, explodierte das Mischeli-Quartier. Gebaut wurde schnell und effizient, die vielen Wohnblöcke sind Zeugen davon – und auch das Mischeli-Zentrum mittendrin. Das zog nicht nur Anwohner an. Legendär sind die Country-Konzerte, zu denen man von weit weg her anreiste. Dafür gab es ja auch eine Tiefgarage mit den imposanten Spiralrampen.

Inzwischen gibt es einige grössere Shoppingcenter in der Region. «Das Mischeli wurde von einem regionalen Zentrum zu einem Quartierversorgungszentrum», analysiert Hans-Peter Jacobi vom Immobiliendienstleister H&B Real Estate, der das Mischeli im Auftrag der Eigentümerin, der Realstone SA aus Lausanne, verwaltet. Das grösste Problem in seinen Augen: die Lage abseits der Verkehrsströme. «Wir haben schlechte Karten, um auf uns aufmerksam zu machen.» Man habe versucht, auf der Achse entlang des Trams mehr auf das Zentrum hinzuweisen. Doch das verhinderte eine Vorschrift der Gemeinde. Diese stammt aus den 1960er-Jahren, ist also älter als das 1971 eröffnete Mischeli.

Von Anfang an dabei war die Bäckerei Sutter – bis sie vor einem Jahr absprang. «Wir hatten im Mischeli einen dauernden Umsatzrückgang», sagt Geschäftsleitungsmitglied Simone Sutter. «Wir hofften jahrelang auf eine Erhöhung der Kundenfrequenz, aber sie kam einfach nicht.» Den Glauben ans Mischeli nicht verloren hat hingegen die Migros. Diese verlängerte neulich den Mietvertrag. «Wir haben im Mischeli eine stabile Kundschaft», heisst es aus der Genossenschaft Migros Basel. «Wir sehen keinen Grund, es zu verlassen.»

Derzeit sind ausser dem Kiosk alle Verkaufsflächen vermietet – allerdings nicht mit den klassischen Dienstleistungen, die man in einem Einkaufszentrum erwarten würde. So wirbt eine Yoga-Praxis für «Glocken-Impuls zur Selbstheilung». Und den Mode-Discounter, der nach einem kurzen Gastspiel verschwand, ersetzt demnächst eine Kinderkrippe. «Wir finden schon Mieter», sagt Jacobi. «Aber wir müssen manchmal um die Ecke denken.»

In den vergangenen Jahren investierten mehrere Besitzer ins Mischeli. Aber es bleibt ein typischer Bau der Nachkriegszeit. Für Jacobi ist diese «Produktpflege» wichtig. Sie könne aber nicht alleine den durchschlagenden Erfolg bei der Kundenfrequenz bringen. Vielmehr arbeitet er daran, dass eines Tages «zum Beispiel ein Gastrobetrieb mit Anziehungskraft» einzieht, damit wieder Leute von ausserhalb des Quartiers kommen. Einen frischen Wind könnte das veränderte Umfeld im Quartier bringen, hört man allerseits. Unmittelbar nebenan gibt es einen neuen Spielplatz, neulich eröffnete ein Kirchgemeindehaus mit Seniorenwohnungen und Café. Mit dem Generationenpark soll das Mischeli zu einem «aktiven Begegnungsort» werden, so das Ziel der Gemeinde.

Die ganz grossen Zeiten Zentrums dürften trotzdem vorbei sein. «Wir müssen realistisch bleiben», sagt Jacobi. Das Mischeli habe seine Berechtigung für Waren des täglichen Bedarfs. «Aber ein Supermagnet wird schwer zu überzeugen sein.» Und so wird das Mischeli wohl weiterhin einen Vorteil haben, mit dem es sich von anderen Einkaufsorten abhebt: Es gibt hier immer genügend freie Gratisparkplätze.