Gewählt
Miss Spitex aus Liestal steigt in die höchste Liga auf

Claudia Aufdereggen, die umtriebige Liestaler Spitex-Leiterin, sitzt nun auch im Vorstand der Spitex Schweiz. «Ich will dort mein Wissen von der Basis einbringen», sagt sie.

Andreas Hirsbrunner
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Die Walliserin Claudia Aufdereggen prägt die Baselbieter Spitex-Landschaft – und vielleicht auch bald die nationale.

Die Walliserin Claudia Aufdereggen prägt die Baselbieter Spitex-Landschaft – und vielleicht auch bald die nationale.

Kenneth Nars

Wenn es in der Region so etwas wie eine Miss Spitex gibt, so ist das Claudia Aufdereggen. Die 50-Jährige leitet seit zwölf Jahren die Spitex Regio Liestal, sitzt seit vier Jahren im kantonalen Spitex-Verband und vertritt seit Neustem als einzige auf weiter Flur die Nordwestschweiz im Vorstand des schweizerischen Spitex-Dachverbands. Wieso dieses neuste Engagement? «Ich will dort mein Wissen von der Basis einbringen. Das Wirken auf nationaler Ebene ist für mich aber auch eine Horizonterweiterung», sagt Aufdereggen.

Und es ist auch eine Anerkennung ihrer Leistungen. So meint zum Beispiel die Liestaler Stadträtin Marion Schafroth zur umtriebigen Spitex-Frau: «In meiner Funktion als Mitglied der Aufsichtskommission der Spitex Regio Liestal schätze ich Claudia Aufdereggen als äusserst kompetente Geschäftsleiterin mit unternehmerischem Denken.» Sie könne komplizierte Sachverhalte verständlich darlegen und verfüge nicht nur über fundiertes Know-how, sondern auch über gute kommunikative Fähigkeiten und ein sympathisches und überzeugendes Auftreten.

Sie schuf Angebot à la carte

Die Spitex zieht sich wie ein roter Faden durch Aufdereggens Leben. Seinen Anfang nimmt er in Reinach, bei dessen Spitex sie schon kurz nach ihrer Ausbildung zur Pflegefachfrau zu arbeiten begann. Seither lässt sie die Philosophie hinter der Spitex, den Kunden mit pflegerischer Hilfe und Unterstützung im Haushalt ein längeres Verbleiben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, nicht mehr los. Und die zweifache Mutter, die sich zur Betriebsökonomin und Gerontologin (Alterswissenschafterin) weiterbildete, begann, in der Spitex-Landschaft auch eigene Akzente zu setzen. So etwa vor zwei Jahren mit der Lancierung einer Spitex à la carte innerhalb der Spitex Regio Liestal, was national auf grosses Interesse stiess. Spitex à la carte ist ein von der öffentlichen Hand nicht subventioniertes Angebot, bei dem die Kunden auf sie zugeschnittene Pakete buchen können.

Auch hat Aufdereggen massgeblich mitgeholfen, die Spitex Liestal mittels Fusionen zur grössten Spitex-Organisationen im Kanton mit einem Einzugsgebiet von 37 000 Einwohnern zwischen Frenkendorf und Bretzwil aufzubauen. Damit ist sie Chefin von 140 Mitarbeitenden, die sich 70 Vollzeitstellen teilen, geworden. Aufdereggen sagt zu dieser Entwicklung: «Die Vergrösserung der Spitex Regio Liestal ist eine Erfolgsstory mit positivem Effekt auf die Kosten. Jetzt befinden wir uns jedoch in einer Konsolidierungsphase und wollen vorerst nicht mehr wachsen.» Ansonsten soll aber der Prozess zu grösseren Spitex-Einheiten im Kanton weitergehen, «um konkurrenzfähig zu bleiben», wie Aufdereggen anfügt. Denn im Nacken der quasi öffentlichen Spitexen mit Leistungsvereinbarungen mit den Gemeinden sitzen die privaten Spitex-Organisationen. Und in diesem Konkurrenzkampf sieht Aufdereggen Ungleichgewichte, die es auszubessern gelte: «Wenn die Pflegegelder auch in die privaten Spitexen fliessen, braucht es auch gleiche Rahmenbedingungen. Derzeit haben wir Versorgungs- und Ausbildungspflichten, während die Privaten die Rosinen herauspicken können.» Profitieren die Privaten aber nicht auch davon, dass sie den Kunden mehr Kontinuität beim Personal bieten? Der logistisch bedingte, starke Personalwechsel sei eine ihrer Sorgen, gibt Aufdereggen unumwunden zu. Hier arbeite man an einer Verbesserung, doch sei es nicht einfach, die Balance zwischen Kunden-, Mitarbeiter- und Betriebsbedürfnissen zu finden. Und eine zweite Antwort der Spitex Regio Liestal ist eben ihr Modell à la carte.

Claudia Aufdereggen auf die Spitex zu reduzieren, wird ihr aber nicht gerecht. So sass die Walliserin – sie kam erst als 13-Jährige ins Baselbiet – bis vor kurzem im Vorstand des Liestaler Hauseigentümerverbands, gehört zum Ideen-Team der Zeitschrift «Lima» sowie dem Vorstand der Alzheimervereinigung beider Basel an. Und sie kandidierte vor acht Jahren auf der Liste der Grünen mit beachtlichem Resultat für den Landrat. Dazu Aufdereggen: «Das war ein Flirt mit der Politik und eine gute Erfahrung. Mit der Politik habe ich mit Ausnahme der Alterspolitik aber abgeschlossen.»

Zu diesem Bereich konnte sie mit ihrer Masterarbeit «Kostenfaktor Alter?!» zum Abschluss ihres Gerontologie-Studiums vor fünf Jahren einen wichtigen Impuls geben: Aufdereggen legte dar, dass die über 65-Jährigen für Gemeinden finanziell durchaus interessant sind. Denn sie kosten ihre Wohnorte weniger als die Hälfte von dem, was sie an Steuern einbringen. «Das widerlegt klar die Abwertung der Alten als Kostenfaktor», bilanziert Aufdereggen.

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