Hersberg
Mit diesen Pfosten will Bauer Gysin Spaziergänger anlocken

Bauer Markus Gysin aus Hersberg will Leute für die Landwirtschaft sensibilisieren. Zu diesem Zweck hat er auf seinem Hof Lockposten angebracht. Die weissen Pfosten weisen Fussgängern den Weg und liefern die nötigen Infos zu dem, was bei Gysin wächst.

Simon Tschopp
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Fritz Graf (links) und Markus Gysin präsentieren die Lockpfosten.

Fritz Graf (links) und Markus Gysin präsentieren die Lockpfosten.

stz

Markus Gysin aus Hersberg, der mit seiner vierköpfigen Familie einen Bauernbetrieb im Nebenerwerb bewirtschaftet, ist seit gestern stolzer Besitzer eines Lockpfosten-Weges. Zusammen mit Fritz Graf vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID) hat er zu den vier Produktionszweigen Hochstammkirschen, Weizen, Schafe und Obstkulturen je drei weiss gestrichene, viereckige Pfähle gesetzt. Darauf schraubten sie Schilder mit Kurzinfos, die Spaziergänger für die Landwirtschaft sensibilisieren sollen. Zweideutige Schlagwörter zieren jedes Schild: Beispielsweise steht «Kernkraft» für Energie, die im Weizenkorn steckt, mit «Spritztour» wird erklärt, wie Obstbäume mit Pflanzenschutzmitteln gepflegt werden.

Auf ein Jahr beschränkt

«Ich habe im Internet über dieses Projekt gelesen und mich spontan entschieden mitzumachen», erzählt Markus Gysin. Einen Lockpfosten-Weg habe er noch nie gesehen, bloss davon gehört. Zu den Lockpfosten kommt ein Hofpfosten, auf dem der Bauernbetrieb kurz porträtiert wird. «Ich werde jetzt nicht speziell um die Lockpfosten herumschleichen», scherzt Gysin. Denn hier werde das Gespräch mit den Bauern schon noch gesucht. Markus Gysin hofft, damit die Landwirtschaft der Bevölkerung näherzubringen. Das Projekt ist auf ein Jahr beschränkt. Je nach Echo kann sich Gysin gut vorstellen, regelmässig einen Lockpfosten-Weg aufzustellen.

Fritz Graf ist der Werbeberater für den Bauern. Er bringt seine Ideen ein und unterstützt ihn beim Stellen der Pfähle, «wo Kreativität gefragt ist. Die Lockpfosten sollen nicht in einer Reihe, sondern in verschiedenen Formationen gestellt werden», erklärt der LID-Mitarbeiter. Die Zweideutigkeit der Stichwörter soll die Passanten fesseln und ihr Interesse wecken. «Die Erklärungen sind knapp und lustvoll, sie dürfen nicht lange und belehrend sein», sagt Graf. Die Erfahrungen mit Lockpfosten-Wegen seien sehr gut. Bauern gäben viele Rückmeldungen über in der Regel gefreute Begegnungen mit Leuten, die Fragen zu den Kulturen stellten. «Dies zeigt uns, dass das Engagement der Bauern wahrgenommen wird», folgert Fritz Graf.

Die Deutschschweiz zählt heuer 85 Lockpfosten-Wege, drei davon sind im Baselbiet – auch in Laufen und Oltingen. Laut Graf übersteigen die Anmeldungen der Bauern jeweils das Angebot des LID. Der Begriff «Lockpfosten» stammt vom Oltner Grafiker Rolf Bruckert. Dieser entwickelte den Weg mit den «Gucklöchern in die Landwirtschaft» zusammen mit Projektleiter Matthias Diener (Luzern). Den Auftrag dazu erhielten sie vom Schweizerischen Bauernverband. Lockpfosten-Wege gibts seit 2001.