Zerstört
Mit Hand- und Kettensägen: Vandalen fällen Maibäume

Am Wochenende wurden in drei Baselbieter Gemeinden und in vier Gemeinden im Schwarzbubenland die Maibäume gefällt. Die unbekannten Täter hantierten nachts mit Handsägen, Kettensägen, oder knickten die Bäume um.

Andrea Schäfer
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Am Boden: Der Seltisberger Maibaum wurde in der Nacht auf den 1. Mai von Unbekannten umgesägt. Bettina Jost-Rossi/zvg

Am Boden: Der Seltisberger Maibaum wurde in der Nacht auf den 1. Mai von Unbekannten umgesägt. Bettina Jost-Rossi/zvg

Bettina Jost-Rossi

Maibäume im Baselbiet und im Schwarzbubenland fielen am vergangenen Wochenende Vandalen zum Opfer. In nächtlichen Aktionen wurden die Bäume umgesägt oder abgeknickt.

In der Nacht auf 1. Mai wurde in Seltisberg der erst kurz zuvor aufgestellte Maibaum umgesägt. Laut Gemeindepräsident Bernhard Zollinger habe niemand die Täter gesehen, als der Baum kurz vor Mitternacht mit einer Handsäge gefällt wurde. «Die Täter haben das geplant. Eine Säge hat man nicht einfach so dabei», sagt Zollinger. Dank des Einsatzes eines Anwohners stehe der Baum bereits wieder. Ob die Gemeinde Anzeige erstatten werde, stehe noch nicht fest, der Gemeinderat müsse das erst besprechen. «Ich kann es mir aber gut vorstellen. Wenn man die Arbeit, die in den Maibaum geflossen ist, betrachtet, ist dies zu viel, um einfach nichts zu machen», sagte Zollinger gestern. Der Maibaum in Seltisberg werde jeweils vom Förster ausgesucht und von einem Team von Freiwilligen geschmückt und aufgestellt.

In der Nachbargemeinde Lupsingen wurde der Maibaum in derselben Nacht abgesägt. In Lupsingen habe man aber nicht vor, Anzeige zu erstatten. «Das ist nicht so tragisch», sagt Gemeindeverwalterin Silvia Leisi. «Wir konnten den Baum bereits wieder aufstellen. Er ist jetzt einfach etwas kürzer.»

Muttenzer Baum abgebrochen

Auch in Muttenz kam der Maibaum zu Fall. «Am Sonntag um 20 Uhr stand er noch, und heute Morgen um halb acht bekamen wir die Meldung, dass er liegt», sagte Samuel Benz gestern. Er ist Leiter der Trachtengruppe Muttenz, welche die von der Bürgergemeinde gestifteten Bäume jeweils schmückt und aufstellt. Am Sonntag habe man noch den obligaten Maitanz durchgeführt. «Der Baum ist abgebrochen. Er wurde wohl umgerissen. Es könnte aber auch sein, dass einer dagegen fuhr», erklärt Benz.

Momentan wolle er keine Anzeige einreichen, sagt Benz. «Einen riesigen Papierkrieg zu betreiben, bringt nicht viel.» Dies, weil bisher keine weiteren Meldungen eingingen. Falls sich aber noch jemand mit Hinweisen auf den Täter melde, werde er vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt Anzeige erstatten. Laut Benz steht der Baum bereits wieder. «Er ist jetzt einfach einen Meter kürzer.»

Bei der Baselbieter Polizei lagen bis gestern Nachmittag keine Anzeigen wegen gefällter Maibäume vor, wie Mediensprecher Meinrad Stöcklin bestätigte. Man habe aber Kenntnis von den Fällen in Seltisberg und Muttenz. Selten sind solche Fälle laut Stöcklin nicht: «Das hat es immer wieder mal gegeben.» Die Polizei Basel-Landschaft führe aber keine Statistik dazu.

Vandalen im Schwarzbubenland

Wie der «Blick» am 2. Mai berichtete, gab es auch Maibaum-Vandalen im Kanton Solothurn: In der Nacht auf den 1. Mai wurden in den Gemeinden Meltingen, Büsserach, Breitenbach und Fehren die Maibäume mit einer Kettensäge gefällt. Wie die Gemeinde Meltingen am 1. Mai auf ihrer Facebook-Seite verlauten liess, lag ihr das Autokennzeichen der Täter dank Zeugen vor. Der für öffentliche Sicherheit zuständige Gemeinderat, Sascha Kohler, schrieb in der Meldung, dass man nicht von einem «Bubenstreich» reden könne: «Der gefällte Baum wurde auf der Hauptstrasse liegen gelassen und gefährdete so den Verkehr.»

Kohler forderte die Täter dazu auf, sich bis Montag persönlich bei der Gemeindeverwaltung zu entschuldigen — sonst werde Anzeige erstattet und der Name des Fahrzeughalters auf Facebook veröffentlicht. Diese Drohung zeigte Wirkung. Wie die BaZ gestern berichtete, haben sich zwei junge Männer am Samstag beim Meltinger Gemeinderat gemeldet: «Die Jugendlichen haben sich heute gestellt und haben sich mit dem Jahrgang ’96 von Meltingen gütlich geeinigt», schrieb Kohler am Samstag auf Facebook.

Bei der Polizei des Kantons Solothurn war bis Montag Mittag keine Anzeige bezüglich eines abgesägten Maibaums eingegangen, wie Sprecherin Melanie Schmid betätigte. Der Fall Meltingen sei der Polizei bekannt gewesen, von anderen Gemeinden seien keine Meldungen eingegangen. Abgesägte Maibäume sind laut Schmid nicht selten. «Es ist irgendwie Teil dieses Brauchs. Aber ein Teil, den man natürlich vermeiden möchte.»

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