Kunst im Freien
Mit Wanderschuhen in die Kunsthalle auf der Sissacher Fluh

Am 8.Mai eröffnet die Ausstellung «Aussichten» auf der Sissacher Fluh. «Die Fluh ist unsere Kunsthalle, und für die schnürt man am besten die Wanderschuhe», sagt Mitorganisatorin Kitty Schaertlin.

Lucas Huber
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Linda Wunderlins Maulwürfe schielen von oberhalb der Hinteregg ins Tal, doch blind wie sie sind, erkennen sie nichts.

Linda Wunderlins Maulwürfe schielen von oberhalb der Hinteregg ins Tal, doch blind wie sie sind, erkennen sie nichts.

Lucas Huber

Kunst und Natur, das gehört im Baselbiet zusammen wie Kirschen und die Bluescht. Da überrascht es nicht, dass auch der nächste grosse Streich der hiesigen Künstlerszene in freier Wildbahn geschieht. Vielleicht darf man gar von einer Rakete sprechen. Die zündet am 8. Mai für ein volles Jahr, und es ist wohl nicht allzu verwegen zu behaupten, dass «Aussichten» etwas vom Grössten und Professionellsten ist, was die hiesigen Künstler je hervorgebracht haben.

Die Organisatoren um Kitty Schaertlin, Peter Thommen und Christian Kessler, selbst erfolgreiche Kunstschaffende, haben 70 Gesinnungsgenossen zur Ausstellung eingeladen, 55 reichten Projekte ein, eine Jury reduzierte das Feld schliesslich auf 29 Künstlerinnen und Künstler, die insgesamt 27 Werke ausstellen. Das garantiert Qualität.

Ausstellung folgt keinem Weg

Es gibt auch Führungen

«Aussichten» wird am 8. Mai um 18 Uhr auf der Wintersinger Höhe mit einer Vernissage feierlich eröffnet. Die Ausstellung dauert ein Jahr, parallel zur Eröffnung erscheint ein begleitender Katalog mit Hintergrundmaterial und Porträts der Kunstschaffenden.

Das OK hat Sponsorengelder im sechsstelligen Bereich gesammelt, sehr stark hat sich der Kanton beteiligt. Das OK arbeitet seit eineinhalb Jahren an der Realisierung des Projekts. Die Ausstellung ist konzipiert, um sie auf eigene Faust zu erkunden, allerdings finden auch regelmässige Führungen statt. Am 12. Juni laden die Organisatoren auf die Fluh zum Konzert mit dem Gershwin Piano Quartett und der Regionalen Musikschule Sissach.

Der Weg ist ziemlich stotzig und für Rollstuhlfahrer praktisch unpassierbar. «Letztlich ist es die Nähe zur Natur, die der Ausstellung ihren einmaligen Charakter verleiht», entschuldigt sich Christian Kessler, «darum haben wir diesen Kompromiss schweren Herzens geschlossen.»

«Aussichten» bietet Einsichten. Ins Schaffen und das Seelenleben bildender Künstler. «Der Ausstellung liegt die Idee zugrunde, dass die Kunstschaffenden bisherige Denkmuster durchbrechen und Neues wagen. Das ist gelungen», sagt Peter Thommen. Ganz offensichtlich habe die Aussicht auf «Aussichten» die Künstler beflügelt.

Auch Künstler aus Basel dabei

So sieht man den Werken an, dass sich ihre Macher richtig austoben konnten, ohne Fesseln, ohne Bande. Das Spektrum des Gezeigten ist enorm und gelegentliche Lacher sind garantiert – weil Freches auf Philosophisches folgt und Geistreiches auf zutiefst Politisches.

Linda Wunderlin etwa, Jüngste im Künstlerbunde, verarbeitet das jüngste politische Geschehen, indem sie eine Bande augenloser Maulwürfe ins Tal schielen lässt, «ein Volk von einig Brüdern – das kann ja heiter werden», heisst es da im Untertitel.

Dass sie damit aneckt, ist ihr durchaus bewusst, doch Kunst dürfe und solle schliesslich beschäftigen. Sie nutzt die Ausstellung als Plattform für Kunst mit Botschaft, die gewährte Freiheit geniesst sie bewusst. «Ausserdem ist es für mich als Newcomerin eine Ehre, gemeinsam mit so vielen verdienten Künstlern auszustellen», sagt sie.

Und die kommen bewusst auch aus Basel, darauf haben die Organisatoren grossen Wert gelegt. Gemeinsam gelebte Kultur haben sie sich auf die Fahnen geschrieben. In die Riege der Auserwählten hat es gar eine Zürcherin geschafft. Mit von der Partie sind lokal bestens bekannte Namen wie Brigitta Glatt (Liestal), Kersten Käfer (Oltingen) oder Markus Böhmer (Birsfelden), aber auch über die Grenzen der Region hinaus bekannte Künstler wie die Baslerin Susanne Fankhauser oder das Duo maboart. Auch in die Jahres-Ausstellung geschafft haben es übrigens sechs lokale Künstler aus Sissach. Rosige Aussichten also.

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