Hasen
Mit Wärmebildkamera und Drohne: So sieht Hasensuche auf moderne Art aus

In der Reinacher Ebene untersucht eine Doktorandin das Sterben der Junghasen mit viel Technik. Mittels Drohnen und Sendern werden diesen Frühling die jungen Baselbieter und Solothurner Feldhasen überwacht. Es soll geklärt werden, in welchen Gebieten der Landwirtschaft die Junghasen sterben und wo sie überleben.

Andreas Maurer
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Diesem Junghasen wurde diese Woche ein Sender auf den Rücken geklebt. Er ist wenige Stunden danach gestorben.

Diesem Junghasen wurde diese Woche ein Sender auf den Rücken geklebt. Er ist wenige Stunden danach gestorben.

Denise Karp

Für Denise Karp hat die Hasensuche schon in der Woche vor Ostern begonnen. In Selzach (SO) hat die Doktorandin der Universität Zürich diese Woche drei wenige Tage alte Junghasen mit Sendern ausgerüstet. Die rund zwei Gramm schweren Geräte befestigt sie mit Hautklebern am Fell. Mit einem Radioempfänger verfolgt sie die Sender danach im Feld. Versuche aus Deutschland haben gezeigt, dass die Jungtiere trotz des Sendegeräts von ihren Müttern gesäugt werden.

Zwei der Sender hat die Wissenschafterin bereits einen Tag später ohne Hase gefunden. Das eine Tier wurde mit Sicherheit gefressen. Neben dem Sendegerät lagen abgenagte Hasenknochen. Beim zweiten Todesfall ist die Ursache unklar, vermutlich endete das Tier ebenfalls als vorgezogenes Ostermahl in einem Tiermagen. Den Sender fand die Doktorandin mit einem Hasenhaarbüschel achtzig Meter neben dem Ursprungsort. Eine Distanz, welche die erst mausgrossen Hasen noch nicht selber zurücklegen können.

Viele Junge sterben

Für das frisch gestartete dreijährige Forschungsprojekt sind die beiden Todesfälle kein Rückschlag. Im Gegenteil. Die toten Hasen sind wertvolles Datenmaterial. Eine hohe Sterberate ist bei jungen Feldhasen natürlich. Es reicht, wenn zehn bis fünfzehn Prozent der Jungtiere überleben, damit der Bestand gleich bleibt oder wächst. In der Schweiz liegt die Sterberate jedoch über neunzig Prozent, weshalb der Feldhase auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht.

Das Ziel der am Zürcher Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften durchgeführten Doktorarbeit ist, herauszufinden, in welchen Gebieten der Landwirtschaft die Junghasen sterben und wo sie überleben. Untersucht werden etwa Getreidefelder, die lückenhaft angesät wurden. Damit wird die Annahme überprüft, ob die brachen Streifen den Jungtieren das Durchkommen tatsächlich erleichtern. Für die Ertragsausfälle werden die Bauern vom Verein Hopp Hase und von Pro Natura entschädigt.

Ein Schwerpunkt des Junghasenprojekts wird in der Reinacher Ebene durchgeführt, auf den Feldern zwischen Aesch und Reinach. Hier haben die Naturschützer in den letzten Jahren einen erstaunlich stark steigenden Hasen-Bestand registriert. Diesen Frühling wurden bereits 16 Tiere gezählt. Im Laufner Becken hingegen bleibt der Bestand konstant tief und jener in Wenslingen sank in den letzten Jahren markant. Ruedi Dietiker, Präsident des Vereins Hopp Hase, führt den Erfolg in Reinach auf die durchgeführten Schutzmassnahmen zurück. Ob das stimmt, ist aber nicht belegt.

Drohne mit Wärmebildkamera

Um mehr Datenmaterial zu erhalten, setzen die Hasenfreunde moderne Technik ein. Neben den Sendern kauft Hopp Hase für das Forschungsprojekt eine Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet wird. Seit zwei Jahren fahndet der Verein im Baselbiet mit Wärmebildkameras nach den Jungtieren. Da dies bei hoher Vegetation nicht mehr möglich ist, versucht es die Doktorandin nun aus der Luft. Ab Mai schwebt das akkubetriebene Fluggerät über der Reinacher Ebene.

Vom Hersteller wird der Drohnentyp auch für Sicherheitsbehörden angepriesen. «Die Drohne ist leise, aber nicht lautlos», sagt Karp. Ob der nächtliche Flugbetrieb Anwohner stören könnte, werde sie abklären. Mit den bisherigen Methoden waren die Hasensucher in Reinach wenig erfolgreich: Im letzten Jahr haben sie trotz des steigenden Bestands kein einziges der gut versteckten Jungtiere gefunden.