Liestal
Mitten im Stedtli soll Gruppenpraxis eröffnen – Ärzte-Verein wusste von nichts

Im Gegensatz zu kleineren Dörfern gibt es in Liestal noch genügend Hausärzte. Dennoch drängt nun ein Mitbewerber moderner Prägung auf den Platz: Die Firma Meconex plant, im Stedtli eines ihrer Centramed-Gesundheitszentren zu eröffnen.

Michael Nittnaus
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Ehemaliges «PKZ-Gebäude»: Im Erdgeschoss zieht Saner ein, Meconex will in den ersten Stock.

Ehemaliges «PKZ-Gebäude»: Im Erdgeschoss zieht Saner ein, Meconex will in den ersten Stock.

Roland Schmid

Eifrig gewerkelt wird an der Rathausstrasse 63 im Liestaler Stedtli, direkt beim Törli. Wo vormals das Modegeschäft PKZ hauste, zieht eine Saner-Apotheke ein. Dies machte die bz bereits vergangenen November publik. Ende Mai soll die Filiale eröffnet werden. Doch Saner kaufte nicht bloss das Erdgeschoss, in das die Apotheke einzieht. Recherchen der bz zeigen, dass auch für den ersten Stock eine interessante Nutzung geplant ist: Saner steht in Verhandlungen mit der Meconex AG. Die Firma betreibt heute unter der Marke Centramed mehrere Gesundheitszentren in Basel, Riehen, Luzern, Altdorf und Zug. Es handelt sich dabei jeweils um zentral verwaltete Praxen von Hausärzte-Teams.

Meconex sucht Hausärzte

Auf Anfrage bestätigt Meconex-CEO Daniel Junker die Pläne für den neuen Standort in Liestal: «Ja wir prüfen diese Möglichkeit zurzeit. Das wäre eine spannende Zusammenarbeit mit Saner.» Er betont aber auch, dass es noch nicht definitiv entschieden sei. Am Willen mangelt es dabei nicht, schliesslich ist die Lage mitten im Stedtli sehr attraktiv. Aber: «Hausärzte für unsere Praxis zu finden, ist alles andere als einfach. Und ohne die lässt sich das Projekt nicht realiseren», sagt Junker. Immerhin: Aktuell sei man mit drei Hausärzten im Gespräch. «Das beflügelt natürlich.»

Ein weiteres Problem ist die Zeit. Laut Junker wolle Saner schon bald eine Zusage haben, da sich das Arlesheimer Unternehmen sonst um Alternativen bemühen müsse. «Bis Ende Mai wollen wir Klarheit haben», sagt Junker deshalb. Klappt es, hält er eine Eröffnung des Gesundheitszentrums bereits im Oktober oder November für möglich.

Dass sich die Suche nach Hausärzten schwierig gestaltet, überrascht nicht. Schon länger gibt es ein ernst zu nehmendes Nachwuchs-Problem. Nur noch wenige junge Medizinstudenten können sich vorstellen, später als selbstständige Hausärzte zu arbeiten. Genau hier setzt Meconex an: «Wir bieten den jungen Ärzten mit einem Anstellungsverhältnis feste Strukturen und flexiblere Arbeitszeitmodelle», sagt Junker.

Doch braucht die Liestaler Bevölkerung noch ein weiteres Hausärzteangebot? Junker: «In Liestal kommen heute 800 Einwohner auf einen Hausarzt. Die Leute sind also gut versorgt.» Aber viele der Hausärzte seien über 55 Jahre alt und hätten Probleme, Nachfolger zu finden. «Daher passt unser Projekt bestens.» Tatsächlich bestätigen der bz mehrere Hausärzte aus Liestal und Umgebung, dass es durchaus Platz für zusätzliche Hausärzte habe. «Ich habe keine Angst um bestehende Praxen», sagt etwa Claude Breitenstein. Der Vizepräsident des Hausärztevereins Angenstein hat selbst eine Praxis in Liestal.

Und Wladyslaw Strazynski sagt, dass viele Hausärzte sogar einen Aufnahmestopp verhängt hätten, weil sie voll ausgelastet seien. Für ihn ist die Situation speziell: Seine Praxis liegt an der Rathausstrasse 63, also im gleichen Gebäude, in das Meconex einziehen will. Dazu wolle er nichts sagen, solange es nicht definitiv feststehe, sagt er. Strazynski ist bereits 76. «So langsam befasse auch ich mich mit der Nachfolgeregelung», sagt er mit einem Lachen.

Fragliches Geschäftsmodell

Kritischer sehen viele Ärzte das Geschäftsmodell der Centramed-Zentren. Zwar gestehen die meisten ein, dass «so wohl die Zukunft aussieht», doch glücklich mache sie das nicht. «Ich frage mich, inwiefern bei Centramed Kontinuität in der Patientenbetreuung gewährleistet ist», sagt Breitenstein. Wechseln also ständig die Ärzte oder kann der Patient immer zu «seinem» Doktor gehen? «Wir sind auf eine langfristige hausärztliche Patientenbeziehung ausgerichtet», versichert Junker.

Ärzte-Verein wusste von nichts

«Ich würde lieber anderes in Liestal sehen als eine kommerzielle Firma. Das bedaure ich persönlich sehr», sagt Beat Biedermann. Der Füllinsdörfer Hausarzt sitzt im Vorstand der Ärztegesellschaft Baselland und ist Obmann des Notfallkreises Liestal. Er denkt dabei auch an die älteren Hausärzte, die Nachfolger suchen. «Gibt es einen Anbieter wie Centramed, geben junge Ärzte dem klassischen Hausarzt vielleicht eher einen Korb.»

Das könne er ihnen nicht einmal verübeln. Auch Biedermann glaubt, dass das Angebot von der Bevölkerung genutzt werden wird. Schliesslich sei nicht nur Liestal selbst das Einzugsgebiet: In Hersberg, Lupsingen oder Nuglar gebe es keinen Hausarzt mehr. «Dort leben also alles mögliche Patienten.»

Ausser dem direkt betroffenen Strazynski hatte noch keiner der Ärzte von den Plänen von Meconex gehört. Das kritisiert der Präsident der Hausärzte-Vereinigung beider Basel, Stefan Kradolfer: «Es wäre gut von Meconex, uns nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen, sondern es mit der Hausärzte-Vereinigung oder zumindest den Liestaler Hausärzten abzusprechen.»

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