Wenslingen
Modellflugplatz Wenslingen: kleiner Flugplatz – grosse Probleme

Die Modellfluggruppe Unterburg hat im Herbst 2013 die Landebahn auf dem Flugfeld in Wenslingen ausgebaut. Das Problem: Der Verein baute die Piste illegal. In der Folge gab es Einsprachen von Naturschutzorganisationen – der Beginn eines Streits.

Nils Hänggi
Drucken
Teilen
So sieht die 60 Meter lange Piste der Modellfluggruppe Unterburg in Wenslingen aus der Luft aus.

So sieht die 60 Meter lange Piste der Modellfluggruppe Unterburg in Wenslingen aus der Luft aus.

Zvg/Jeanine Hug

«Da hinten am Waldrand könnt ihr hin, da wächst eh nichts Gescheites». Das sagten die Bauern gemäss Cornel Hasler, Präsident der Modellfluggruppe Unterberg, auf die Frage, wo der Verein einen Modellflugplatz bauen könnte. Das war vor 26 Jahren. Die Modellfluggruppe baute am Waldrand des Wenslinger Felds den Modellflugplatz. Wie die «Volksstimme» schon berichtete, hat der Verein nun ein Problem: Die im Herbst 2013 ausgebaute Flugpiste ist illegal.

Wie konnte das passieren? Im Herbst 2013 entschloss sich die Modellfluggruppe, eine neue Landebahn zu bauen. Diese sei nötig gewesen, da wegen des Technologiefortschrittes der Modellflugbetrieb vor Erneuerungen stehe, so Reimann. Die neueren Modelle haben mehrheitlich Elektromotoren, was die Modelle kleiner und leichter mache. Das Problem: Die neuen Modelle haben ein kleineres Fahrwerk, die nicht mehr geeignet sind für Graspisten. Um dieses Problem zu lösen, entschloss sich der Verein, eine neue Landebahn zu bauen. Diese besteht aus einem sechs mal sechzig Meter grossen Kunststoffbelag. Hasler erklärt: «Es war ein Schnäppchenangebot.» Was der Verein jedoch vergass, war eine Baubewilligung einzureichen. «Es war blauäugig von uns, dieses Schnäppchenangebot einfach so anzunehmen», sagt Reimann.

Mehrere Einsprachen

Was der Verein nicht wusste: Das betreffende Gebiet wurde vor 15 Jahren in eine Zone mit einem höheren Naturschutzniveau eingeteilt. In dieser darf ein Bauvorhaben, wie es die Piste war, nur mit einer Ausnahmebewilligung gebaut werden. In der Folge intervenierte der NVW und erkundigte sich mit dem Basellandschaftlichen Bund für Natur- und Vogelschutz (BNV) beim Bauinspektorat Basel-Land nach dem Baugesuch. Daraufhin verlangte der Kanton vom Verein, das Baugesuch nachzureichen. Gegen dieses erhoben der NVW und die kantonale Natur- und Landschaftsschutzkommission Einsprache. «Es geht nicht darum mit den Gesuchstellern zu streiten, sondern zu klären, welche Auswirkungen ein Vorhaben hat», sagt Susanne Brêchet, Präsidentin des BNV, «Aber es ist unbestritten, dass der Flugbetrieb negative Folgen für Vögel und Säugetiere hat.» Mit einem runden Tisch, den die Modellfluggruppe vorschlug, wollte der Verein auf eine Ausnahmebewilligung hinarbeiten. Sie hätten einen Vorschlag ausgearbeitet, indem sie Kompromisse eingegangen wären, so Hasler. «Auch haben wir ein ornithologisches Gutachten durch die Umweltfirma Hintermann & Weber erstellen lassen. Sie stellte keine Probleme fest».

Die Einsprecher anerkannten das Gutachten jedoch nicht an. «Hintermann & Weber beobachtete Offenlandvögel: Vögel die offenbar weniger betroffen sind von den Fliegern. Zudem haben sie das Gutachten vor dem Pistenbau gemacht, », so Waldner, «Wichtig: Wir zweifeln die Ergebnisse nicht an, zumal es ja klar darauf hinwies, dass auch die Offenlandvögel keinen stärkeren Betrieb ertragen. Wir finden nur, dass es nicht vollständig ist.

Die Piste wird abgerissen

Auf Nachfrage der bz bei der Firma Hintermann & Weber wie die Unterschiede kommen, schrieb Dr. Darius Weber: «Diese Unterschiede kommen von fachlicher Inkompetenz des NVW. Im Zusammenhang mit dem Modellflugplatz hat dieser Verein noch viel abenteuerlichere Behauptungen zur Negativwirkung des Modellfliegens aufgestellt.» Auch der runde Tisch kam nicht zustande. Waldner erklärt, der NVW hätte sich einen Dialog vorstellen können. Jedoch nicht nur mit den Fliegern, sondern mit allen Involvierten, unter Leitung des Kantons.

Jetzt zog der Verein das Baugesuch zurück. Die Piste wird Ende Jahr abgerissen. Was des einen Freuds, ist des anderen Leids. Auch Gass findet: «Jede Freizeitaktivität verursacht in der Natur Störungen. Es ist doch besser, wenn auch die Jungen etwas zu unternehmen wissen, als wenn sie irgendwo herumhängen.»

Aktuelle Nachrichten