Soroptimisten
Modern und gestrig zugleich: Service-Club für berufstätige Frauen

Ein Benefizanlass liess ins Innere des Liestaler Frauenservice-Clubs blicken

Andreas Hirsbrunner
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Die Liestaler Soroptimisten-Präsidentin Regula Gysin (rechts) sammelt zusammen mit Ruth Gonseth im Stedtli Geld für deren Spital in Nepal.

Die Liestaler Soroptimisten-Präsidentin Regula Gysin (rechts) sammelt zusammen mit Ruth Gonseth im Stedtli Geld für deren Spital in Nepal.

Kenneth Nars

Inhaltlich sind sie mit ihren Frauen fördernden Positionen topmodern. Ihre vereinsinternen Formalitäten dagegen scheinen aus der Zeit gefallen zu sein. Die Rede ist von den Soroptimisten, einem «Service-Club für berufstätige Frauen», wie sie sich selbst bezeichnen.

Damit sind sie ein weibliches Pendant zu männerdominierten Clubs wie Rotarier, Lions oder Kiwanis. Wie diese sind auch die Soroptimisten auf globaler, nationaler und regionaler Ebene aktiv. Letzteres etwa im fast 60 Jahre alten Soroptimist International Club Liestal, wie der einzige Baselbieter Verein unter den 61 Schweizer Soroptimisten-Ablegern heisst. Weitere gibt es in der Region nur noch in Basel und im Fricktal.

«Wir sind Frauen mit Stil»

Die Präsidentin des Liestaler Clubs, Regula Gysin, einst auch Stadtpräsidentin, konnte am vergangenen Freitag im Rathaus ein rund 100-köpfiges Publikum zum Jahreshöhepunkt begrüssen – einen öffentlichen Benefizanlass zugunsten von Ruth Gonseths Spitalprojekt in Nepal. Die Liestaler Soroptimisten hatten diesen Anlass professionell aufgegleist; vom Informationsgehalt bis zum selbst gemachten nepalesischen Apéro riche.

So sorgten Gonseth, eine weitere Ärztin und eine Pflegefachfrau, die das Land aus eigenem Wirken kennen, sowie allen voran der ehemalige, langjährige Schweizer Botschafter in Nepal Jörg Frieden, für einen vertieften Einblick ins asiatische Bergland.

Hilfe in Nepal

Alt Botschafter ist stolz auf Gonseths Projekt$

Als eine Gesellschaft in Bewegung bezeichnete Jörg Frieden, bis letzes Jahr Schweizer Botschafter in Nepal, das asiatische Land. Das gelte politisch – mittlerweile hat Nepal eine demokratisch gewählte Regierung –, aber auch physisch. Auf der Suche nach Arbeit strömten die Menschen immer mehr von den Bergen ins Flachland. Dort, im rasant auf 100 000 Einwohner angewachsenen Ort Ratnanagar, steht das Spital, in dem die Liestaler Dermatologin Ruth Gonseth (76) eine Hautabteilung aufgebaut hat. Sie arbeitet dort selbst immer wieder mit und bezahlt mithilfe ihres Schweizer Unterstützungsvereins Shanti Med Nepal inzwischen zwölf Mitarbeiter. Er sei sehr beeindruckt von der geleisteten Arbeit, aber auch von der Art, wie sich Gonseth eingegliedert habe, sagte Frieden. «Das machte mich stolz als Botschafter.»

Ziel des Anlasses war, möglichst viel Geld für ein neues Ultraschallgerät fürs Spital, an dem Gonseth wirkt, zu sammeln. Gysin war optimistisch, dass zumindest ein Grossteil, wenn nicht die ganzen 18 000 Franken zusammenkommen, die ein solches Gerät in Nepal koste.

Derartige Veranstaltungen sind alles andere als Alltag für die Liestaler Soroptimisten. Gysin sagt: «So einen aufwendigen Benefizanlass führen wir etwa alle fünf Jahre durch.» Bei den letzten beiden ging es um ein Geburtshaus in Mali und um Toiletten für Frauen in Indien.
Alltäglicher ist, dass der Club Frauen im kleineren Rahmen unter die Arme greift; so etwa, um eine Ausbildung absolvieren zu können.

Gemeinsam ist aber allen Aktionen, dass sie Frauen zugute kommen. Denn Zweck aller weltweit über 3000 Soroptimisten-Clubs ist, die Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen zu verbessern und ihnen zu einer gleichberechtigten Stimme zu verhelfen. Genau das, was vorletzte Woche auch der nationale Frauenstreiktag beabsichtigte. Doch Gysin winkt ab: «Wir haben im Vorstand unseres Clubs beschlossen, nicht am Streik teilzunehmen. Die Anliegen können wir anders akzentuieren, wir sind Frauen mit Stil.»

Der Grossteil der 27 Mitglieder des 1961 gegründeten Liestaler Clubs ist zwischen 55 und 75 Jahren alt. Dass es nicht mehr sind, erklärt sich Gysin mit dem Freiwilligenengagement und den strengen Regeln: Mitglied kann nur werden, wer von zwei Patinnen empfohlen wird, wobei alle bisherigen Mitglieder ein Vetorecht haben. Und jedes Mitglied muss jährlich mindestens an sechs von zehn Clubabenden teilnehmen. Für Gysin ein förderndes Überbleibsel aus Zeiten, als Frauen abends kaum aus dem Haus kamen.

Am Liestaler Benefizanlass liess sich mit Bundesrätin Viola Amherd, Mitgründerin des Clubs in Brig, das prominenteste Schweizer Mitglied entschuldigen. Das zeigt zweierlei: Der Liestaler Anlass war ein besonderer, und die Soroptimisten sind gut vernetzt untereinander. Der lateinische Begriff Soroptimist heisst denn auf Deutsch auch die besten Schwestern.