Giebenach
«Möge es Dich glücklich machen, Liesl»

Die Bürgergemeinde baut Alterswohnungen für 6,5 Millionen Franken. Alleine die Genehmigung des Baugesuchs erforderte allerdings eine Fülle an Beharrlichkeit.

Lucas Huber
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Liesl Thommen starb vor 38 Jahren. Ihr Vermächtnis ist der Grund, weshalb man vergangenen Freitag neun Schaufeln in die Giebenacher Erde stiess. Sie hatte ihr Vermögen der Bürgergemeinde vermacht – mit der Auflage, das Geld für ältere Menschen zu verwenden. 38 Jahre zogen ins Land, und das Geld verzinseszinste sich zu «einem schönen sechsstelligen Betrag», wie André Thommen, Mitglied der Planungs- und Baukommission sowie der Bürgergemeinde, erklärt. 2008 schliesslich kam man zur Entscheidung, damit altersgerechte Wohnungen zu errichten. «Viele ältere Leute sind aus Giebenach schon weggezogen, weil das Haus zu gross wurde und es eben keine altersgerechten Wohnungen gab», betont Thommen. Und überhaupt habe man den Bedarf sehr geflissentlich ermittelt, dass man überzeugt sei, in die richtige Richtung zu gehen.

Zwölf Zimmer, verteilt auf vier Etagen, soll die Wohnanlage umfassen. Dafür reicht Liesl Thommens Erbe bei Weitem nicht aus. 6,5 Millionen Franken kostet das Projekt. Rund eine Million deckt das Eigenkapital der Bürgergemeinde, der Rest wird fremdfinanziert. Die Planung stammt von den Architekten Müller und Nägelin aus Basel, die auch schon die Alterswohnungen in Lausen konzipiert hatten.

Acht statt drei Monate

Bereits im letzten August reichte die Bauherrin das Baugesuch ein. Erst am 7. April allerdings wurde Baugenehmigung erteilt. Thommen, darauf angesprochen, schüttelt nur den Kopf, und Erwin Schneider, Präsident der Bürgergemeinde, ruft: «Nur ein Wort: Kernzone!»

Die kantonalen Auflagen bezüglich der Kernzone verhindern, dass beliebig Sonnenkollektoren auf den Dächern angebracht werden dürfen. Sonnenkollektoren waren allerdings geplant, um das eigene Warmwasser zu produzieren. Vorerst wird es nun aber nicht dazu kommen. Und auch die Dachfenster, die ursprünglich vorgesehen waren, entsprachen nicht den Vorschriften der Gesetzgeber und mussten verkleinert werden. Darum dauerte es acht Monate bis zum Spatenstich von vergangener Woche – statt nur dreien. Im Landrat wird derzeit allerdings eine Auflockerung behandelt – darauf hofft man auch in Giebenach.

Vom Wald ins Dorf

Die Giebenacher Bürgergemeinde, die aus rund 110 Stimmberechtigten besteht, beteiligt sich aktiv an der Gestaltung des Dorfes. Nicht zuletzt auch darum, weil sich die Wichtigkeit des Waldes nicht mehr mit jener von früher vergleichen lässt. Umso wichtiger wird das Leben im Alter, das selbstbestimmter und vor allem länger dauert als in Zeiten Liesl Thommens, die einsam verstarb und ihre Erbe – wahrscheinlich – darum dem Wohl künftiger Giebenacher Senioren vermachte. Erwin Schneider dankte ihr dafür in seiner Ansprache: «Möge es Dich glücklich machen, Liesl.»

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