Händedruck-Verweigerer
Monica Gschwind: «Die Schulleitung hat korrekt gehandelt»

Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind kündigt ein Grundlagenpapier zuhanden aller Schulen im Kanton an, wie künftig mit solchen Fällen umgegangen werden soll. Auch steigt der politische Druck auf sie.

Bojan Stula
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Juri Junkov

Frau Gschwind, war der Entscheid der Therwiler Schulleitung richtig?

Monica Gschwind: Da es bis jetzt keinen konkreten Handlungsbedarf gab, lagen bis anhin auch keine konkreten Handlungsempfehlungen der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion BKSD vor. Die Schulleitung Therwil hat daher ein eigenes Vorgehen im Sinne eines reibungslosen Schulbetriebs gewählt und somit korrekt gehandelt.

Wurde damit aber nicht ein problematischer Präzedenzfall geschaffen?

Die Schulleitung in Therwil hat vorerst einen pragmatischen Weg gewählt. Für mich handelt es sich jedoch nicht um eine dauerhafte Lösung. Grundsätzlich gelten für alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Regeln. Es handelt sich dabei nicht ausschliesslich um ein schulisches und berufliches, sondern um ein gesellschaftliches Thema. In unserer Gesellschaft gelten gegenüber Frauen und Männern die gleichen Umgangsformen und Verhaltensregeln. Daran will ich konsequent festhalten.

Sie wollen «konsequent» an den gleichen Regeln für alle Schülerinnen und Schüler festhalten. Trotzdem beurteilen Sie das Vorgehen der Therwiler Schulleitung als «korrekt». Das ist doch ein Widerspruch!

Es ist kein Widerspruch. Es sollen die gleichen Regeln für alle Schülerinnen und Schüler gelten. Korrekt ist das Vorgehen der Schulleitung Therwil, im Sinne eines reibungslosen Schulbetriebs eine vorübergehende Massnahme in diesem konkreten Fall zu treffen. Dies auch in Ermangelung einer allgemeingültigen Handlungsempfehlung.

Hat die Schulleitung vor dem Entscheid mit Ihnen oder der BKSD Kontakt aufgenommen?

Nein, es hat vorgängig kein Kontakt in dieser Angelegenheit stattgefunden.

Im «Blick» kritisierte aber Therwils Schulpräsidentin die mangelnde Unterstützung durch den Kanton. Sie sagen, es hätte vorgängig kein Kontakt stattgefunden. Was stimmt nun?

Vorgängig zum Entscheid der Schulleitung ist meines Wissens keine Nachfrage um Unterstützung an die Direktion erfolgt.

Ist das, was in Therwil passiert ist, ein Einzelfall oder wissen Sie von anderen, ähnlich gelagerten Fällen?

Es ist ein Einzelfall.

Wir haben aber Kenntnis von einem zweiten Fall in Muttenz. Ausserdem soll es regelmässig vorkommen, dass sich muslimische Väter bei Elterngesprächen weigern, Lehrerinnen die Hand zu geben.

Ich habe vom Fall in Muttenz Kenntnis. Diese Situation basiert jedoch auf einer ganz anderen Ausgangslage und ist nicht vergleichbar mit der Thematik in Therwil. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes kann zu diesem Fall keine weitere Auskunft erteilt werden.

Stellen Sie eine allgemeine Verschlechterung im Umgang zwischen muslimischen Schülern und Lehrkräften fest?

Nein, eine entsprechende Tendenz ist mir bisher nicht bekannt.

Welcher Handlungsbedarf besteht nun für Sie als Erziehungsdirektorin und die BKSD?

Wir sind daran, ein Gutachten für diese in Therwil aufgetretene Fragestellung und ein Grundlagenpapier für alle Schulen des Kantons auszuarbeiten.

Braucht es verbindliche Regeln, wie sie beispielsweise die Baselbieter CVP fordert?

Die Durchsetzung von Verhaltensregeln erfordert allenfalls Sanktionsmassnahmen, welche im Vorfeld sorgfältig überprüft und geklärt werden müssen.

An welche Sanktionsmassnahmen denken Sie?

Das Gutachten wird aufzeigen, welche Massnahmen möglich sind. Ob daraus Schwierigkeiten bei der Durchsetzung resultieren, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar.

Wie stehen Sie persönlich zu diesem Fall?

Integrationsthemen sind emotional und von dem her gesehen, ist es nicht überraschend, dass auch das Thema Händedruck hohe Wellen schlägt.

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