Baselbieter FDP
Mr. Nobody will nicht in den Landrat und verschwindet aus dem Polit-Rampenlicht

Nach den berühmten 15 Minuten Ruhm wars das wohl: Der Ziefner Daniel Recher will nicht auf die Landratsliste der FDP, nachdem er zuvor mit seinem Angebot, für die Freisinnigen den zweiten Regierungssitz zu retten, gescheitert war.

Hans-Martin Jermann
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Baut auf eine neue berufliche Herausforderung anstatt auf die Politik: Daniel Recher.

Baut auf eine neue berufliche Herausforderung anstatt auf die Politik: Daniel Recher.

zvg

Es ist eine der kurioseren Episoden im Polit-Betrieb der jüngeren Baselbieter Geschichte: Im Hintergrund versuchte FDP-Chef Paul Hofer in den vergangenen Monaten, den nahezu unbekannten Ziefner Daniel Recher (37) als Regierungskandidaten für die Wahlen vom 31. März 2019 aufzubauen. Doch vor wenigen Tagen krebste Hofer zurück: Die FDP verzichte zugunsten der bürgerlichen Partnerin SVP auf zwei Kandidierende, liess er verlauten und erwähnte einen entsprechenden Mehrheitsentscheid der Parteileitung. Damit ist auch klar: Die FDP wird 2019 nach dem Abtritt von Sabine Pegoraro sicher einen ihrer beiden Regierungssitze verlieren - und das erst noch kampflos.

Hofer lässt also den von ihm gehypten Recher noch vor dem Nominationsparteitag und vor einem definitiven Entscheid über die Bürgerliche Zusammenarbeit (Büza) mit SVP und CVP fallen. Recher hatte als einziger Freisinniger öffentlich seine Bereitschaft für eine Regierungskandidatur kundgetan.

Quasi als Trostpflästerli sicherte der Parteichef dem Ziefner aber einen Platz auf der FDP-Landratsliste des Wahlkreises Liestal zu. Doch nun zieht sich Recher selbst zurück: "Ich möchte mich für die Landratsliste nicht zur Verfügung stellen", teilt er der bz mit. Ihm sei eine berufliche Position mit internationaler Ausrichtung angeboten worden, welcher er soeben zugesagt habe. "Diese ermöglicht mir keine regelmässige Teilnahme am Politbetrieb", erklärt Recher.

Recher für Mitte-Bündnis

Nach den viel zitierten "15 Minuten Ruhm" verabschiedet sich der HSG-Ökonom damit aus dem Rampenlicht der Baselbieter Politik. Er teilt lediglich mit: "Als Delegierter, Donator, Parteirat und Mitglied der FDP Baselland werde ich mich soweit möglich im Hintergrund gerne weiter einbringen."

Recher sah seine eigene Kandidatur als Vehikel für einen pointiert liberalen und progressiven Kurs der Baselbieter FDP. Wie er auf Anfrage der bz kürzlich verriet, hätte er eine Zweierkandidatur der FDP im Rahmen eines Mitte-Bündnisses favorisiert. Dass die Parteileitung offensichtlich eine andere Richtung eingeschlagen hat, ist nicht in erster Linie eine Niederlage für Recher - er hat sein Engagement stets als Versuchsballon gesehen -, sondern vor allem für Parteichef Hofer. Er war im vergangenen August klar mit anderen Wahlzielen angetreten.

Ob der Kniefall der FDP-Leitung die Bürgerliche Zusammenarbeit (Büza) mit SVP und CVP retten kann, ist ebenfalls unklar. Die CVP ist nämlich von den beiden öffentlich bekannten SVP-Regierungskandidaturen Thomas de Courten und Dominik Straumann wenig begeistert.

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