Baselbieter Wahlen
Müngers Attacke gegen Reber verschlechtert links-grün Klima weiter

Daniel Müngers Attacke gegen Isaac Reber kommt bei mehreren Baselbieter Grünen nicht gut an. Reber selbst bezeichnete es noch am Podium als «freche Unterstellungen». Auch Grünen-Nationalrätin Maya Graf tadelt die Baselbieter SP.

Michael Nittnaus
Merken
Drucken
Teilen
Daniel Münger attackiert Isaac Reber

Daniel Münger attackiert Isaac Reber

bz Basellandschaftliche Zeitung
Mit SP-Ständerat Claude Janiak versteht sich Grünen-Nationalrätin Maya Graf gut, schliesslich will sie ihn beerben.

Mit SP-Ständerat Claude Janiak versteht sich Grünen-Nationalrätin Maya Graf gut, schliesslich will sie ihn beerben.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Was SP-Regierungskandidat Daniel Münger am bz-Podium Montagabend vor über 160 Zuhörerinnen und Zuhörern sagte, hallt nach: Mit den Worten, «in der Sicherheitsdirektion gibt es wenig Innovation, und es wurde in den letzten vier Jahren nur wenig angepackt. Es ging letztlich darum, dass man vermehrt verwaltet», ritt er eine direkte Attacke just gegen Isaac Reber.

Also jenen amtierenden Regierungsrat, der als Grüner der SP politisch am nächsten steht (bz vom Dienstag). Das kommt bei mehreren Baselbieter Grünen nicht gut an. Reber selbst bezeichnete es noch am Podium als «freche Unterstellungen». Aber noch eine andere Stimme erhebt sich, die von der SP nicht ignoriert werden kann: «Es ist mir ein Rätsel, weshalb Daniel Münger unseren Regierungsrat angegriffen hat», sagt Grünen-Nationalrätin Maya Graf gegenüber der bz.

Für sie ist es ein No-go, «einen politischen Partner unbedarft und unberechtigt zu attackieren». Müngers Votum lässt Graf deshalb irritiert zurück. Eine mögliche Erklärung hat die ehemalige Nationalratspräsidentin aber: «Das zeigt, wie nervös die SP wegen der Wahlen ist.» Sie sei allerdings überzeugt, dass Münger damit ein Eigengoal geschossen hat. «Es kann sich für die SP kontraproduktiv auswirken.» Graf glaubt, dass die Wählerinnen und Wähler es nicht goutieren werden. Und sie kritisiert nicht nur Münger, sondern auch Regula Nebiker: «Ich verstehe nicht, warum beide SP-Regierungskandidaten kaum ihre bürgerlichen Konkurrenten angreifen.»

Janiak: «Reber darf man angreifen»

Das lässt Münger dann doch nicht auf sich sitzen: «Am bz-Podium habe ich Thomas Weber und Sabine Pegoraro wegen der schleppenden Wirtschaftsoffensive stärker angegriffen.» Seine Kritik an Reber bestreitet er aber auch zwei Tage später nicht. Im Gegenteil: «Das Händchenhalten der vier bisherigen Regierungsräte stört mich. Reber ist ein Mitschwimmer.» Dabei gibt es für Münger in der Sicherheitsdirektion viele Themen, die Reber vernachlässigt habe. Dabei denkt er etwa an die familienergänzende Betreuung in Kindertagesstätten. Aber auch die Kriminalitätsbekämpfung, die sich Reber besonders auf die Fahne schreibt, nennt Münger bloss einen «Wahlkampfgag». Erst in den letzten Wochen sei die Polizei auf den Strassen präsenter geworden. Gleichwohl will Münger betont wissen, dass «ich sicher nichts gegen die Grünen habe. Reber steht ja auf meinem Wahlzettel».

Die Münger-Attacke ist allerdings bloss eine von mehreren Reibereien zwischen den beiden Parteien in letzter Zeit. So verzichtete Reber – wie schon 2011 – für den Regierungswahlkampf explizit auf ein Bündnis mit der SP. Deswegen dürften sich die Grünen nun auch nicht beschweren, findet SP-Ständerat Claude Janiak: «Isaac Reber hat entschieden, alleine zu kandidieren. Somit ist er ein Konkurrent und darf angegriffen werden.» Janiak weist aber auch darauf hin, dass mehrere SP-Exponenten in Rebers Unterstützungs-Komitee sitzen – so auch er. Genauso in Erinnerung ist der «Fall Arslan», in dem Reber den Zorn der Linken auf sich zog. Und dass Grünen-Landrat Jürg Wiedemann FDP-Kandidatin Monica Gschwind zur Bildungsdirektorin machen will, verbessert das Verhältnis auch nicht gerade.

Graf: «SP profitiert stärker von uns»

All diese Vorfälle werden die beiden Parteileitungen im Hinterkopf haben, wenn die Gespräche zu möglichen Listenverbindungen für die Nationalratswahlen vom Herbst 2015 konkreter werden. «Unsere Partnerschaft ist so gut, dass sie jetzt nicht infrage gestellt wird», beschwichtigt SP-Vizepräsident Christoph Hänggi. Auch Grünen-Präsidentin Florence Brenzikofer sieht es als «normal» an, dass es ab und an Differenzen gibt. Graf sagt denn auch: «Mit der SP arbeite ich gut zusammen.» Sie hält aber fest: «Es werden alle Optionen geprüft. Die SP profitiert bei den Nationalratswahlen schliesslich stärker von uns als umgekehrt.» 2011 haben die Grünen ihren Sitz aus eigener Kraft geholt, und die Reststimmen halfen der SP, ihren zweiten Sitz zu sichern. Doch auch die Grünen haben ein starkes Motiv, die Bande zur SP nicht zu zerschneiden: «Wir waren immer ein treuer Bündnispartner», sagt Graf, «sollte Claude Janiak nicht mehr zu den Ständeratswahlen antreten, erwarten wir auch von der SP Treue, dass wir an der Reihe sind». Dass Graf dann fast schon als gesetzt erachtet wird, verbaut allerdings auch interessierten Sozialdemokraten den Weg – allen voran Nationalrat Eric Nussbaumer. Ob es dann zum nächsten links-grünen Konflikt kommt, wird sich allerdings erst nach den kantonalen Wahlen vom 8. Februar zeigen. «Ich gebe meine Entscheidung zu gegebener Zeit bekannt», bekräftigt Janiak.