LIestal
Mutiger Liestaler verhindert einen Grossbrand

Gerd Thiel rettete seiner Nachbarin die Wohnung und den Grossteil der Haustiere. Im Polizeicommuniqué wird er jedoch mit keinem Wort erwähnt.

Boris BUrkhardt
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Gerd Thiel wusste, wo er den Feuerlöscher findet.

Gerd Thiel wusste, wo er den Feuerlöscher findet.

Gerd Thiel öffnete am Mittwochmorgen, 9.15 Uhr, seiner 55-jährigen Nachbarin die Tür. Ihr Balkon stehe in Flammen, sagte sie. Thiel reagierte geistesgegenwärtig, bat einen Nachbarn, der ebenfalls die Tür geöffnet hatte, die Feuerwehr zu rufen, und holte im Keller den Feuerlöscher. Die Wohnung der Nachbarin liegt im obersten Stock des Mehrfamilienhauses mit Eigentumswohnungen in der Liestaler Schauenburgerstrasse. Die Flammen seien offenbar vom Vogelkäfig auf dem Balkon ausgegangen; die Ursache ist laut Feuerwehr und Polizei noch ungeklärt. Von der Balkondecke triefte die schmelzende PVC-Store. Beim zweiten Balkonzugang im Schlafzimmer barst eine Fensterscheibe, als Thiel die Tür öffnen wollte. Auch der vorspringende Dachbalken hatte bereits Feuer gefangen.

Thiel konnte laut eigener Aussage die Flammen bis auf die Schwelbrände löschen, als nach zehn Minuten die Feuerwehr eintraf und die restlichen Brände beseitigte. Für die beiden Wellensittiche und ein Kaninchen auf dem Balkon kam jede Hilfe zu spät. Zwei weitere Kaninchen und die beiden Katzen aber konnte Thiel retten; die Tiere sind nun beim Tierarzt. Der mutige Liestaler wurde zusammen mit seiner Nachbarin ins Spital gebracht und dort auf Rauchvergiftung untersucht.

Zuerst gelöscht

Genauso wie im Gespräch mit der «Basellandschaftlichen Zeitung» habe er die Ereignisse auch der Polizei zu Protokoll gegeben. Doch im Communiqué, das die «Basellandschaftliche Zeitung» vorgestern als Meldung veröffentlichte, wird nicht erwähnt, dass Thiel den Brand vorgängig löschte, bevor die Feuerwehr die restlichen Schwelbrände beseitigte. Die Polizei erwähnt lediglich die Feuerwehr. «Es geht mir nicht ums Bedanken», sagt Thiel, «es geht mir nur um die Richtigstellung des Ereignisses.»

Bei der Polizei kann Pressesprecher Heinz Studer dazu nichts sagen. Das Communiqué habe sein Kollege verfasst, der gestern bei der Recherche nicht im Dienst gewesen sei. Feuerwehrkommandant Roger Salathe bestätigt auf Anfrage, dass der Einsatzleiter einen zivilen Helfer gemeldet habe. Der ganze Balkon habe aber noch gebrannt, als die Feuerwehr eingetroffen sei.

Feuerwehr bereits alarmiert

Thiel betont mehrmals, wie glimpflich alles verlaufen sei: «Wenn ich nicht gehandelt hätte, hätte das Feuer auf den Dachboden übergegriffen.» Glückliche Umstände hätten dafür gesorgt, dass nichts Schlimmeres passiert sei: Die Feuerwehr war offensichtlich bereits informiert, als die Nachbarn dort anriefen.