Baselbiet
Muttenz will nicht am teuersten sein – darum berechnen sie neu

Mit einer neuen Berechnungs-Methode steht die GemeindeMuttenz einen Rang besser da. Denn der Kostenvergleich stiess bei den Angestellten aus den grossen Agglomerationsgemeinden nicht auf Zustimmung, sondern wurde heftig kritisiert.

Benjamin Wieland
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Muttenz will nicht teurer sein als andere Agglomerationsgemeinden.

Muttenz will nicht teurer sein als andere Agglomerationsgemeinden.

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«Unseriös», «nicht aussagekräftig», «so etwas würden wir nicht zulassen»: Das sind nur einige der Kommentare von Angestellten aus grossen Agglomerationsgemeinden über einen Kostenvergleich, den die Gemeinde Muttenz angestellt hat. Namentlich will sich niemand zitieren lassen – man wolle die Kollegen nicht in der Zeitung kritisieren, heisst es.

Stein des Anstosses ist eine Tabelle, die der Muttenzer Gemeinderat an der Gemeindeversammlung vom 20. März präsentiert hat. Er verglich die eigenen Personalkosten des Jahres 2012 mit denjenigen von Arlesheim, Münchenstein, Allschwil und Pratteln. Angewandt wurde eine Methode, mit der nur das Personal der Kernverwaltung erfasst werden sollte – also nur die Angestellten auf der Verwaltung und in den Betrieben, aber nicht die Lehrer zum Beispiel.

Das Ziel des Gemeinderats war klar: Er wollte die Stimmbürger davon überzeugen, dass Muttenz personell nicht übermässig stark ausgestattet sei. Sodass diese einen Vorstoss ablehnen, der ein «Grösserwerden der Verwaltung» verhindern und den «relativ hohen Anteil» der Personalkosten reduzieren wollte.

Vorstoss abgelehnt

Die Tabelle hatte Erfolg: Die «Gmeini» lehnte den Vorstoss deutlich ab. Auch in Zukunft wird der Gemeinderat bei der Neubesetzung von Stellen alleine entscheiden. Der Vorstoss sah vor, dass die Gemeindekommissionen ein Mitspracherecht erhalten.

Bei der Berechnung der «puren» Personalkosten gibt es aber ein paar Fragezeichen. Die Muttenzer Verwaltung kam mit ihrer Berechnungsart bei den Personalkosten auf den Betrag von 464 Franken pro Einwohner. Das entspricht im Vergleich mit den anderen zehn grossen Baselbieter Agglomerationsgemeinden mit rund 10'000 Einwohnern oder mehr dem zweithöchsten Wert nach Arlesheim mit 499 Franken. Im Vergleich zu den gesamten Personalkosten pro Kopf rutscht Muttenz also auf Rang zwei.

Auffällig ist zudem, dass Muttenz für den eigenen Vergleich nur vier andere Gemeinden heranzog und darunter ausgerechnet auch Arlesheim berücksichtigte – die Gemeinde, die beim Muttenzer Benchmark die teuerste ist. Dies habe damit zu tun gehabt, dass nicht bei allen Gemeinden die Zahlen derselben Kostenstellen erhältlich gewesen seien, heisst es auf Anfrage.

Fast alle anderen Gemeinden schneiden besser ab – trotzdem stösst bei ihnen das Vorgehen Muttenz’ auf Kritik. Mit Matthias Gysin, Gemeindeverwalter von Aesch, findet sich doch eine Person, welche die Tabelle öffentlich kommentieren will, jedoch nicht «nur» in seiner Funktion als Verwalter, sondern auch als Dozent für Public Management an der FHNW: «Man muss aufpassen, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht», gibt er zu Bedenken.

Denn: Ohne die Leistungen genau zu kennen, die eine Verwaltung erbringe, sei eine Aussage anhand dieser Zahlen schwierig. So könne eine Gemeinde Aufgaben von Dritten erledigen lassen. Dann sinke der Personalaufwand zwar, auf der anderen Seite steige der Sachaufwand. Dann gebe es Gemeinden, die Aufgaben für andere erledigen würden. Dazu Gysin: «Dies ist unter Beachtung der Einnahmen finanzneutral. Betrachtet man hingegen ausschliesslich die Lohnkosten, so steigen diese in der erbringenden Gemeinde und sinken in den anderen.»

«Wollten beim Sparen helfen»

Peter Vogt, Gemeindepräsident von Muttenz, verteidigt das Vorgehen. «Wir haben nicht Äpfel mit Birnen verglichen.» Der damals gestellte Vorstoss habe die Personalkosten betroffen, und deswegen habe man diese verglichen, um Argumente zu untermauern. Er habe an der «Gmeini« noch darauf hingewiesen, dass ein solcher Benchmark nicht exakt abbilden könne, was eine Gemeinde an Dienstleistungen erbringe.

Markus Brunner hat den Antrag an der Gemeindeversammlung eingereicht. Er ist Mitglied der Gemeindekommission (SVP) und bezeichnet das Ziel des Vorstosses wie folgt: «Wir wollen dem Gemeinderat beim Sparen helfen.» Ursprünglich habe sich dieser zum Ziel gesetzt, in den Jahren 2014 und 2015 je 150'000 Franken einzusparen, davon sei jedoch im Budget 2014 erst knapp die Hälfte erreicht.

Service public kostet

Was bei den Tabellen auffällt: Einige Gemeinden mit hohen Personalkosten sind besonders finanzstark, etwa Arlesheim oder Binningen. In diesem Licht erscheinen die hohen Kosten nicht als Hinweis auf tiefe Produktivität und mangelnde Effizienz, sondern als Bekenntnis zu einem gut ausgebauten Service public.

Die Frage ist nur, wie lange sich das Angebot angesichts des steigenden Kostendrucks noch finanzieren lässt. Eines ist klar: Eine neue Berechnungs-Methode hilft da wohl nicht weiter.