Gemeindewoche
Muttenz wünscht sich die alte Rheinfähre zurück

Sechs Jahrhunderte gab es eine direkte Verbindung zwischen Muttenz und Grenzach. Aus beiden Gemeinden kommt nun der Wunsch, sie wiederzubeleben.

Boris Burkhardt
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Sie träumen international von einer neuen Fährverbindung über den Rhein: Muttenz’ Gemeindepräsident Peter Vogt (links) und der Grenzacher Historiker Erhard Richter. Rechts am gegenüberliegenden Ufer ist die alte Anlegestelle in Grenzach sichtbar.

Sie träumen international von einer neuen Fährverbindung über den Rhein: Muttenz’ Gemeindepräsident Peter Vogt (links) und der Grenzacher Historiker Erhard Richter. Rechts am gegenüberliegenden Ufer ist die alte Anlegestelle in Grenzach sichtbar.

Kenneth Nars

«Eine Wiedereröffnung der Grenzacher Rheinfähre kommt nie mehr infrage», schrieb die Gemeinde Grenzach am 23. November 1939 an die zuständigen deutschen Behörden. Das war das harsche Ende einer direkten Verkehrsverbindung zwischen den Nachbargemeinden Grenzach und Muttenz, die seit dem 14. Jahrhundert bestanden und beide Ufer miteinander verbunden hatte. Ironischerweise waren gar nicht die Deutschen mit ihrem begonnenen Weltkrieg der Grund für das endgültige Ende der Rheinfähre, sondern die Baselbieter, die kurz zuvor mit dem Bau der Rheinhäfen begonnen hatten: Die Anlegestelle der alten Fähre unterhalb des Gasthauses Waldhaus lag nun im Hafengebiet; und das durfte von Privatpersonen nicht betreten werden.

Konzept für die Anlegestelle steht

Heute stehen der Muttenzer Gemeindepräsident Peter Vogt und der Grenzacher Historiker Erhard Richter an ebenjener Anlegestelle, die noch immer der Rheinschifffahrt dient. Ein Krieg zwischen beiden Rheinufern ist heute undenkbar. Die gegenüberliegende Grenzacher Anlegestelle bei den alten Rheinhäusern ist gut sichtbar; eine direkte Verbindung existiert jedoch nicht mehr. Vogt und Richter bedauern das beide: Sie wollen die Fähre zurück.

«Die Anschaffung und der Betrieb der Fähre müssten über einen Verein laufen», sagt Vogt und sichert sofort zu: «Natürlich mit der Unterstützung der Einwohnergemeinde.» Im Gemeinderat sei die alte Fähre immer wieder mal Thema gewesen, offiziell traktandiert aber noch nicht. Das hofft Vogt zu ändern, wenn durch das Treffen mit Richter und der Veröffentlichung in der bz interessierte Menschen beiderseits des Rheins animiert würden. Kontakt zu Kaiseraugst, wo die Fähre nach Herten von einem Verein gerettet wurde, hat Vogt noch keinen aufgenommen. Immerhin hat er bereits ein Konzept, wie der Zugang zur Anlegestelle durch eine Verlängerung des Waldwegs familienfreundlicher gestaltet werden könnte.

Richter hingegen setzt durchaus Hoffnungen in den erst am Sonntag gewählten Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen, Tobias Benz. Der 87-jährige Erhard Richter, Vorsitzender des Markgräfler Geschichtsvereins und Mitglied des Heimatgeschichtsvereins Grenzach-Wyhlen, hat selbst einen ganzen Aufsatz über die Historie der Fähre verfasst. Er konnte 1932 als kleiner Bub noch von der Grenzacher Anlegestelle aus einen Zeppelin auf dem Flugfeld Sternenplatz landen sehen.

Zwischen 1957 und 1966 sei bereits eine Wiederbelebung des Fährbetriebs versucht worden, weiss Richter. Doch das Motorboot habe in seiner erweiterten Rundfahrt offensichtlich keine für das Publikum interessanten Anlegestellen bedient. Die wahre Fähre, schwärmt Richter, könne wie in Basel nur an einem Drahtseil entlangfahren. Das originale Seil von vor dem Ersten Weltkrieg liege noch immer verrostet im Rhein. In offensichtlicher Kriegseuphorie hatten es die Grenzacher gleich gekappt, statt es einfach einzuholen.

«Wir Basler sind insofern an der Wiedereröffnung der Fähre interessiert, als uns die früheren Spaziergänge von Birsfelden durch die Hard zum Waldhaus-Fähre-Grenzach-Chrischona-Bettingen noch in allzu guter Erinnerung sind, um sie wegen der heute abbauwürdigen Passkontrolle noch länger zu vermissen.» – Dieser Leserbrief in den «Basler Nachrichten» stammt aus dem Jahre 1925. Bereits im Folgejahr erteilte der Kanton Baselland nach dem Ersten Weltkrieg der Fähre wieder die Konzession, was mit zwei grossen Festen in Grenzach und Muttenz gefeiert wurde. Gebühren für Erwachsene waren damals 16 Pfennige oder 20 Centimes. Wer schreibt heute den ersten Leserbrief?