Gebäudetechnik
Muttenzer Alltech AG übernimmt regionalen Familienbetrieb

Geschäftsübergaben sind für KMU ein schwieriges Thema – ein gelungenes Beispiel aus der Gebäudetechnik.

Hans-Martin Jermann
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Teilen ähnliche Werte: Die beiden Firmenchefs Kurt Hersperger (Alltech, l.) und Marc Gut (Allinone) beim Handshake.

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Nicole Nars-Zimmer (niz)

Bei 15 Prozent aller Schweizer KMU steht ein Stabwechsel an. Gemäss einer aktuellen Studie sind in der Nordwestschweiz überdurchschnittlich viele Unternehmer aus Altersgründen auf der Suche nach einem Nachfolger. Einer war bis vor wenigen Tagen der Muttenzer Marc Gut, Inhaber und Geschäftsführer der Gebäudetechnik-Firma Allinone Technik + Service AG mit rund 20 Mitarbeitenden. Die naheliegendste Lösung – die Übergabe innerhalb der Familie – kam nicht zustande. Seine beiden erwachsenen Töchter haben Ausbildungen im medizinischen Bereich absolviert.

«In der Familie ist niemand da, der das Unternehmen in die dritte Generation führen könnte», sagt der 58-Jährige, der das KMU 1996 von seinem Vater unter dem Namen Gut + Madörin Heizung AG übernommen hat. «Das Anforderungsprofil ist bei Unternehmen in Handwerk und Gewerbe komplex: Ein möglicher Nachfolger muss über viel technisches Fachwissen verfügen, Unternehmer-Gene haben und Menschen führen können», sagt Marc Gut. Er hat selber nach einer Lehre als Lüftungszeichner eine Fachhochschul-Ausbildung absolviert.

Banken geben kaum Geld

Ebenfalls keine Option war die Geschäftsübergabe an einen leitenden Angestellten: «Ich hätte das sehr gerne gemacht. Aber es scheiterte am Kapital.» Dies ist der zweite klassische Grund, weshalb Nachfolgeregelungen bei KMU oft sehr schwierig sind. Für einen Management-Buy-out geben die meisten Banken kein Geld. Gut konnte damals bei seinem Vater ein Darlehen aufnehmen und stotterte dieses im Lauf der Jahre ab.

Marc Gut blieb nichts anderes übrig, als für das 1964 gegründete Familienunternehmen einen Käufer zu suchen. Er hat mit sechs Interessenten Gespräche geführt und nun einen Käufer gefunden, der ihm zwar nicht den höchsten Erlös, dafür aber die aus seiner Sicht beste Lösung für die Zukunft bietet: Die in derselben Branche tätige, aber viel grössere Alltech Installationen AG mit rund 180 Mitarbeitenden übernimmt per 1. Januar 2019 Marc Guts Allinone AG. Letztere soll als Schwesterfirma unter bestehendem Namen, mit denselben Mitarbeitenden und am selben Standort weitergeführt werden.

Dass die beiden Firmen zufällig mit denselben Buchstaben beginnen und sehr ähnlich klingen, ist nicht die einzige Gemeinsamkeit: Marc Gut sowie Alltech-Inhaber und CEO Kurt Hersperger teilen ähnliche Werte, eine ähnliche Geschäftsphilosophie, wie die beiden im Gespräch mit der bz betonen.

Hersperger ist mit seiner Alltech vor fünf Jahren von Kleinhüningen nach Muttenz ins Valora-Gebäude gezogen. «Unternehmen wie meines benötigen Platz und eine gute Verkehrsanbindung. Beides ist in der Stadt immer weniger gegeben», sagt Hersperger.

Strukturen erhalten lohnt sich

Doch weshalb hat sich Hersperger darauf eingelassen, Guts Firma mit den bisherigen Strukturen weiterzuführen? «Standort, Namen und Mitarbeitende dürfen nicht zu stark verändert werden. Ansonsten setzt man ein Erfolgsmodell aufs Spiel», sagt Kurt Hersperger.

Erfahrungen aus der KMU-Wirtschaft zeigten, dass bei Übernahmen mit Zerschlagung der bisherigen Strukturen bis zur Hälfte der Kunden und rund ein Drittel der Mitarbeitenden abwandern. «Das konnte und wollte ich nicht riskieren.» Hersperger zählt auf einen anderen Kundenstamm als Marc Gut, obwohl die Firmen beide in Muttenz nur wenige hundert Meter voneinander entfernt ihr Domizil haben.

Der Mangel an Fachkräften zeigt sich auch in der Haustechnik. Der Arbeitsmarkt sei ausgetrocknet. Gute Heizungsmonteure, Heizungstechniker und -zeichner seien rar. Hersperger will vieles beim Alten belassen – und nimmt dafür in Kauf, dass betriebswirtschaftliche Synergien nicht im vollen Umfang ausgeschöpft werden können.

So wird die kleinere Schwesterfirma auch künftig ein eigenes Büro und Buchhaltung führen. Synergien würden allenfalls mit einem gemeinsamen Pikettdienst, gemeinsamer technischer Unterstützung sowie mit Wissenstransfer angestrebt.

Ebenfalls soll die Allinone Technik + Service AG mit eigenem Geschäftsleiter operieren. In einer Übergangsphase wird dies Marc Gut selber sein. Hersperger hat kein Problem damit, dass dieser vorerst in der Firma bleibt und weiter Einfluss nimmt – im Gegenteil: «Ist der Verkäufer am Tag eins bereits draussen, kommt das nicht gut. Es ist wichtig, dass dieser über eine gewisse Zeit für Stabilität sorgt und die Geschäftsphilosophie weiterführt.»

Lukrativeres Angebot ausgeschlagen

Marc Gut verrät, dass er ein finanziell lukrativeres Kaufangebot auf dem Tisch hatte, dieses aber ausschlug. Das interessierte Unternehmen hätte seine kleine Firma als Eingreiftruppe integrieren wollen. «Da wäre kaum ein Stein auf dem anderen geblieben», ist Gut überzeugt.

Er wollte das von seinem Vater gegründete Unternehmen aber nicht an einen Investor verkaufen, der dieses umbaut, ja womöglich gar zerschlägt. «Das hätte ich vor meinen Mitarbeitenden nicht verantworten können.» Mit der getroffenen Lösung ist Gut rundum zufrieden. Dasselbe gilt für Kurt Hersperger. Allerdings sind sich die beiden bewusst: Dass eine Geschäftsübernahme derart reibungslos abläuft, ist alles andere als selbstverständlich und so etwas wie der Idealfall. Ein Idealfall, der in der regionalen Wirtschaft Schule macht?