Preiserhöhung
Muttenzer Eltern mobilisieren für billige Mittagstische

Die erst vor Kurzem eingeführte Preiserhöhung steht bereits auf der Kippe. 24 Franken pro Mahlzeit ist den Eltern zu viel. Nächste Woche entscheiden die Muttenzer.

Tobias Gfeller
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Muttenzer Eltern wehren sich gegen die Preiserhöhung für Mittagstische. (Symbolbild)

Muttenzer Eltern wehren sich gegen die Preiserhöhung für Mittagstische. (Symbolbild)

Keystone

Der Preisaufschlag war massiv, das Entsetzen bei vielen Eltern genauso. Statt wie bis anhin 10 Franken kosten die drei Mittagstische der Gemeinde Muttenz seit Anfang Schuljahr 24 Franken pro Mahlzeit und Kind. Grund für die Preiserhöhung war eine Systemänderung von der Objekt- zur Subjektfinanzierung. Die Gemeinde unterstützt nicht mehr die drei eigenen Standorte, sondern Eltern via Gutscheine, egal ob ihr Kind einen privaten oder gemeindeeigenen Mittagstisch besucht.

Subventionsberechtigt sind Eltern bis zu einem Jahreseinkommen von 100'000 Franken. «Der gesamte Subventionskuchen bleibt der Gleiche», versprach die damals zuständige Gemeinderätin und heutige Gemeindepräsidentin Franziska Stadelmann (CVP) im Juni gegenüber der bz. Die 24 Franken entsprächen den Vollkosten. An der kommenden Gemeindeversammlung steht die Preiserhöhung aber wieder auf der Kippe. Michael Rüegg, als dreifacher Vater selber von der Preiserhöhung betroffen, reichte an der vergangenen Versammlung den Antrag ein, den Preis auf maximal 16 Franken pro Mahlzeit festzulegen und die Einkommensgrenze für Betreuungsgutscheine auf 120'000 Franken zu erhöhen.

«Dass der gesunde Mittelstand 100 Prozent der Kosten selber bezahlen muss, halte ich für einen Rückschritt für die Familien in Muttenz», betont Ehefrau Viola Rüegg. «Wenn Familien Steuern zahlen, sollen sie dafür auch Unterstützung erfahren.» Per Flugblatt und in den sozialen Medien haben die Muttenzer Grünen und das Ehepaar Rüegg für eine Teilnahme an der Gemeindeversammlung mobilisiert.

Viel weniger Anmeldungen für die Mittagstische

Der Gemeinderat vereinbarte vor einem Jahr in einer Arbeitsgruppe mit Eltern und Schulvertretern eine Einkommensgrenze für Gutscheine von 120'000 Franken. Auf Antrag der Gemeindekommission wurde diese überraschend auf 100'000 Franken gesenkt. «Das war für uns wirklich ein Tiefschlag», erinnert sich Barbara Lorenzetti, Mitglied der Grünen und der Arbeitsgruppe. «Diese Senkung traf viele Eltern, vor allem vom unteren Mittelstand», sagt Lorenzetti. Sie kritisiert, dass Muttenz in der familienergänzenden Kinderbetreuung punkto Angebot und finanzielle Rahmenbedingungen «sehr dürftig» aufgestellt sei. Das passe nicht zur sonst familienfreundlichen Gemeinde. Sie finde es richtig, dass die Arbeit bei den Mittagstischen, die über das Kochen hinaus geht, korrekt entlöhnt werde. «Es geht uns nicht darum, dass wir 24 Franken als Vollkosten zu viel finden. Wir möchten aber, dass sich die Gemeinde mehr an den Kosten beteiligt», betont Lorenzetti.

Nach der Preiserhöhung sind die Anmeldezahlen bei den drei gemeindeeigenen Mittagstischen rapide gesunken, verrät der im August neu gewählte Gemeinderat Thomas Schaub (CVP). Er hat das Ressort Bildung von Stadelmann übernommen. Besuchten am 31. Mai noch 168 Kinder einen der drei Mittagstische der Gemeinde, waren es am 30. September noch 52. Etliche Eltern haben sich privat organisiert. Schaub wird der Versammlung empfehlen, den Antrag von Rüegg als nicht erheblich zu erklären. Diesen Entscheid traf der Gesamtgemeinderat vor seinem Amtsantritt. Der Gemeinderat will zuerst abwarten, wie sich die Zahlen langfristig entwickeln. Erfahrungen aus anderen Gemeinden hätten gezeigt, dass sich nach dem ersten Schock die Anmeldezahlen wieder erholen, erklärt Schaub.