Vandalen
Muttenzer Pneustecher verschonen Politikerauto

In Muttenz wüteten am Wochenende Pneu-Stecher. Als einer der wenigen in seiner Strasse kam ein Gemeinderat unbehelligt davon.

Benjamin Wieland
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Platter Pneu in Muttenz: Die Vandalen wüteten unter anderem im Quartier von Gemeinderat Thomi Jourdan.

Platter Pneu in Muttenz: Die Vandalen wüteten unter anderem im Quartier von Gemeinderat Thomi Jourdan.

ken/mto

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden in einem Wohnquartier in Muttenz die Pneus von 25 Autos aufgestochen. Wie die bz in Erfahrung bringen konnte, haben die Vandalen auf ihrer Route jedoch einen bekannten Anwohner verschont: Den Muttenzer Gemeinderat Thomi Jourdan. Ja, bestätigt der EVP-Politiker, er habe seinen Opel am Sonntagmorgen unversehrt vor seinem Haus vorgefunden.

Er habe besonders viel Glück gehabt, da er das Fahrzeug – anders als üblich – nicht in der Garage versorgt, sondern draussen stehen gelassen habe. Ein Zusammenhang mit seinem Amt besteht für ihn nicht; es sei wohl schlicht Zufall gewesen.

Ziel eines Steinwurfs

Dieser Zusammenhang war im Spätherbst gegeben. Damals wurden Jourdan und seine Familie Opfer eines Anschlags: Am Dienstagabend, 11. November, gegen 23 Uhr, warf ein unbekannter Täter einen grossen Stein gegen das Haus des Politikers (die bz berichtete). Das Geschoss durchschlug die Glasscheibe der Eingangstür. Verletzt wurde niemand. Da auf dem Stein eine Mobilfunk-Antenne aufgemalt war, wird die Täterschaft in Kreisen von Mobilfunk-Gegnern vermutet. Eine Gruppe von Anwohnern des Schwimmbads wehrt sich vehement gegen den Bau einer Antenne auf dem Dach desselben. Jourdan wurde zur Zielscheibe, weil er dem Departement Hochbau und Planung vorsteht.

Angriff auf die Privatsphäre: Der Stein durchschlug die massive Türverglasung und flog bis ins hintere Wohnzimmer.
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Die auf den Stein gezeichnete Mobilfunkantenne weist auf ein politisches Motiv hin.
Beim Angriff kam weder Jourdan noch seine Familie zu schaden. Der Schock war aber gross.

Angriff auf die Privatsphäre: Der Stein durchschlug die massive Türverglasung und flog bis ins hintere Wohnzimmer.

zvg

Jourdan hat noch eine weitere mögliche Erklärung, weshalb die Pneuschlitzer seinen Opel ausgelassen haben. «Wir sind erst am Samstagabend mit dem Auto aus den Skiferien zurückgekehrt. Die Täter haben wohl vorher ihr Unwesen getrieben, wahrscheinlich beim Eindunkeln, irgendwann zwischen 18 und 19 Uhr.» Er sei ausserdem nicht der Einzige in seiner Strasse ohne Schaden: «Bei einem Nachbarn sind die Pneus ebenfalls unversehrt geblieben.»

Die Polizei geht indes davon aus, dass die Taten zu einem späteren Zeitpunkt verübt worden sind. «Wir vermuten einen Zusammenhang mit dem Muttenzer Schlussstreich», sagt Sprecher Roland Walter auf Anfrage. «Dann sind nachts viele Menschen zu Fuss unterwegs.»

Aktenkundig geworden ist ein grösserer Saubannerzug nach dem Schlussstreich 2007. Schon damals wurden nach dem Anlass, der jeweils die Muttenzer Fasnacht beschliesst, unter anderem Fahrzeuge beschädigt. Jedoch war damals nicht wie am Wochenende das Hinterzweien-Quartier betroffen, sondern das Zentrum.

Z-förmige Route

Die z-förmige Route des oder der Pneustecher weist auf Schlussstreich-Heimkehrer hin, denn sie führt vom Zentrum in Richtung Aussenquartiere und Basel/Münchenstein. So wurden zerstochene Pneus in der Brühlstrasse gemeldet, sodann in der Sevogelstrasse, die das Trassee des 14er-Trams quert; weitere Meldungen gingen Im Oberen Brühl ein, wo die Familie Jourdan wohnt, sowie in der Andlauer- und in der Hinterzweienstrasse.

Die Polizei ruft Zeugen auf, sich zu melden. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere Tausend Franken. Perfiderweise wurden bei jedem Fahrzeug immer mindestens zwei Reifen platt gemacht. Die Besitzer konnten nicht auf das Reserverad ausweichen – und somit auch nicht zur nächsten Autogarage fahren.

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