Wahlkampf
Nach dem Absturz: Baselbieter BDP feiert ihre Wiederauferstehung

Das Debakel an den Landratswahlen im Februar hätte der BDP beinahe den letzten Rest gegeben. Doch jetzt tritt die Partei mit einer kompletten Siebnerliste am 18. Oktober an. Leicht fiel ihr der Neustart für die Nationalratswahlen aber nicht.

Bojan Stula
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Doris Vögeli, Kevin Beining, Marie-Therese Müller, Esther Meisinger und Beat Schmid (v. l.) stellen sich für die BDP zur Wahl. Zwei Kandidaten fehlten beim Fototermin. Sie hatten «keine Zeit».

Doris Vögeli, Kevin Beining, Marie-Therese Müller, Esther Meisinger und Beat Schmid (v. l.) stellen sich für die BDP zur Wahl. Zwei Kandidaten fehlten beim Fototermin. Sie hatten «keine Zeit».

bz

«Die Niederlage vom Frühling kann man nicht schön reden. Was wir erlebt haben, war ein Debakel.» Kantonalpräsidentin Marie-Therese Müller nimmt kein Blatt vor den Mund. Im Herbst 2011 schaffte die noch junge Baselbieter BDP 6,35 Prozent und verpasste den Sitz im Nationalrat um nur gerade eine Handvoll Listenstimmen. Bei den Landratswahlen in diesem Februar folgte dann der brutale Absturz in der Wählergunst: nur 3,25 Prozent und drei von vier Landratssitzen weg. Die Partei stand vor einem Scherbenhaufen.

Ebenso wenig verheimlicht Müller – im Landrat die einzig übrig gebliebene BDP-Vertreterin –, dass es innerhalb des Vorstands intensive Beratungen und Unterstützungszusagen der BDP Schweiz benötigte, ehe man sich für die Teilnahme an den Herbstwahlen entscheiden konnte. Der Wahlkampfauftakt vom Donnerstagvormittag in Liestal kann darum als eine Art Wiederauferstehung der 2010 so hoffnungsvoll gestarteten Mitte-Partei angesehen werden. Wahlkampfleiter Marc Bürgi kann eine komplette Siebnerliste präsentieren, mit der Reinacher Parteipräsidentin Müller als Spitzenkandidatin.

Nicht unter 5,5 Prozent fallen

«Eine Wiederholung des Resultats von 2011 wäre ein schöner Erfolg», sagt Bürgi zu den gesteckten Zielen, «unter 5,5 Prozent wollen wir aber keinesfalls fallen». Wobei das grösste Problem der Liste 8 ihn selbst betrifft. Obschon er im Frühjahr die Wiederwahl in den Landrat verpasst hat, ist der Prattler Einwohnerrat, nicht zuletzt wegen seiner intensiven Twitter-Aktivitäten, der bekannteste Baselbieter BDP-Politiker. Ausgerechnet er aber verzichtet aus persönlichen Gründen auf die Teilnahme. «Ich bin seit September am sehr erfolgreichen Aufbau einer Firma und darum jetzt anderweitig gebunden. Mit 35 Jahren kann ich aber auch 2019 noch in den Nationalrat gewählt werden.»

Die restlichen Kandidaten ausser Müller sind weitgehend unbekannt. Stolz weist die Parteipräsidentin aber darauf hin, dass diesmal vier von sieben Kandidaten Frauen sind. 2011 war mit Esther Meisinger, die jetzt als Einzige zum zweiten Mal antritt, nur eine Frau auf der BDP-Liste. Mit ihrem 25 000 Franken teuren Wahlkampf möchte die BDP nicht nur ihre Listenpartnerin CVP unterstützen, sondern sich vor allem auch für die Gemeinderatswahlen 2016 in Position bringen. «Wir wollen aufzeigen, dass es weiterhin eine bürgerliche, aber lösungsorientierte Mittepartei im Baselbiet braucht», verspricht Marie-Therese Müller. In vielen Gemeinden spiele noch die starke Mitte, die jetzt auf kantonaler Ebene leider am Auseinanderbrechen sei.

Zu den Positionen, welche die Baselbieter BDP vertritt, gehören die wirtschaftlich verträgliche Energiewende, die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative ohne Grenzgängerkontingente im Raum Basel, überhaupt der bilaterale Weg mit Europa, und bessere Rahmenbedingungen für Frauen im Berufsleben. Regional setzt sich die BDP für Infrastruktur-Grossprojekte wie Elba, den Hafenausbau oder die Erweiterung des Autobahnknotens Hagnau ein, aber auch für die Unternehmenssteuerreform III und eine übergreifende Nordwestschweizer Spitallandschaft.

Die Kandidaten. Liste 8

Marie-Therese Müller, Reinach, Jahrgang 1958. Felix Weber, Reigoldswil, 1962. Doris Vögeli, Reinach, 1960. Esther Meisinger, Bubendorf, 1970. Beat Schmid, Oberwil, 1966. Franziska Were, Hersberg, 1973. Kevin Beining, Pratteln, 1989.