Binningen-Bottmingen
Nach der Abfuhr für einen neuen Pfarrer: Gläubige fordern Tabula rasa

Die Kirchgemeindeversammlung weigerte sich im August, Pfarrer Martin Breitenfeldt ohne Stellenausschreibung nahtlos definitiv einzustellen. Nach der Abfuhr für Breitenfeldt suchen die Reformierten Binningen-Bottmingen nun zwei neue Pfarrer – und den Frieden in der Gemeinde.

Michel Ecklin
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Hinter den Mauern der Evangelisch-Reformieren Kirche in Bottmingen wurde um eine Pfarrstelle gestritten.

Hinter den Mauern der Evangelisch-Reformieren Kirche in Bottmingen wurde um eine Pfarrstelle gestritten.

Kenneth Nars

Die Gegner von Martin Breitenfeldt haben ihr Ziel erreicht. Der 60-jährige ist zwar rein formell noch Pfarrer in der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Binningen-Bottmingen. Er ist aber seit Wochen krankgeschrieben, und bald wird sein Vertrag, der noch bis zum kommenden Juni hätte laufen sollen, vorzeitig beendet – «in gegenseitigem Einvernehmen», wie Urs von Bidder, Präsident der Kirchenpflege, betont. Die Gemeindeleitung reagiert damit auf die Kirchgemeindeversammlung, die sich im August geweigert hatte, Breitenfeldt ohne Stellenausschreibung nahtlos definitiv einzustellen. Damit hatte eine Mehrheit die Kirchenpflege und die Pfarrwahlkommission desavouiert, die sich beide für Breitenfeldt eingesetzt hatten. Hintergrund war die Unbeliebtheit des Pfarrers im Seelsorgeteam und bei einem Teil der Gemeindemitglieder.

Doch damit ist noch keine Ruhe in die Kirchgemeinde eingekehrt. Denn die Pfarrstelle muss immer noch besetzt werden, ebenso eine weitere Vakanz. Die Pfarrwahlkommission hat zwar vier neue Mitglieder, was aber nur zum Teil mit dem gescheiterten Wahlvorschlag zu tun hat. Die Kommissionspräsidentin ist dieselbe wie seit letztem Sommer. «Wir haben uns nach der Versammlung im August schon selber infrage gestellt», sagt von Bidder, selber Mitglied der Kommission. Es handle sich um einen Neuanfang, aber mit einer gewissen Kontinuität. «Unsere Mitglieder sind erfahren und kritisch.»

«Wir müssen Wege finden, wie wir mit der Gemeinde ins Gespräch kommen.» Urs von Bidder, Präsident der evangelisch-reformierten Kirchenpflege Binningen-Bottmingen

«Wir müssen Wege finden, wie wir mit der Gemeinde ins Gespräch kommen.» Urs von Bidder, Präsident der evangelisch-reformierten Kirchenpflege Binningen-Bottmingen

zvg

Für ihn ist klar, dass die Gemeindeleitung das Vertrauen der Gemeindebasis zurückgewinnen muss. Und das will er tun, indem transparenter kommuniziert wird. «Wir müssen Wege finden, wie wir mit der Gemeinde ins Gespräch kommen», sagt er. Ihm schweben zum Beispiel Aussprachegefässe vor, in denen die Kirchenpflege den Austausch mit ihren Gemeindemitgliedern fördert. «Wir können so die Sorgen und Nöte aufnehmen, ohne das enge Korsett einer offiziellen Kirchgemeindeversammlung.»

Diese guten Absichten scheinen aber noch nicht überall durchgesickert zu sein. «Man weiss nicht, was die Kommission macht», findet Ernst Mollet, ein langjähriges Gemeindemitglied. «Sie sagen ja, ihre Arbeit sei nicht öffentlich.» Von Bidder handle wie ein Primarlehrer, der von oben herab sage, was zu gehen habe. Mollet findet, die ganze Kommission hätte zurücktreten müssen, wie das das Kirchenrecht in solchen Fällen nahe lege.

Auch Roger Moll ist unzufrieden. Der ehemalige Landrat hatte sich für Breitenfeldt eingesetzt und versteht nicht, dass das Pfarrwahlteam nach der Klatsche immer noch in fast gleicher Formation im Amt ist. «Sie sollen zurücktreten», findet er. Die Gemeinde solle die Sache ausdiskutieren und endlich Nägel mit Köpfen machen. Konkret schlägt er vor, eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung einzuberufen und zuhanden einer neuen Pfarrwahlkommission klar zu definieren, wie die Ausschreibung der Pfarrstellen aussehen soll. «Schlachtplan» nennt er das. «Auch in der Kirche darf man mal sagen, wo es durchgeht.»

Kommission ist vielfältig

Solche Forderungen nach einer Tabula rasa in der Pfarrwahlkommission kann Kirchenpflegemitglied Marc Schinzel nachvollziehen, hält sie aber nicht für realistisch. «Es ist enorm schwierig, Leute zu finden, die sich engagieren», sagt er. «Wir müssen Sorge tragen zu denen, die unter den aktuellen erschwerten Bedingungen überhaupt noch dabei sind.» Und auch bei einem totalen Neubeginn würden die verschiedenen Meinungen, wie die Pfarrstelle besetzt werden soll, nicht verschwinden. Die Vielfalt an Meinungen sei bereits jetzt in der Kommission vertreten. Aber alle Mitglieder hätten verstanden, dass es jetzt gelte, Gräben zuzuschütten.

Dass das nicht einfach ist, zeigt ein Leserbrief von Eveline Jakob. Sie war im Sommer als Vizepräsidentin der Kommission abgetreten, aus Protest dagegen, dass Breitenfeldt durchgeboxt wurde. Jetzt schreibt sie, sie hätte gerne wieder in der Kommission mitgearbeitet, sei aber von Bidder nicht ernst genommen worden. Dieser nimmt zu Jakobs Leserbrief mit Hinweis auf die Vertraulichkeit nicht Stellung und sagt: «Wir werden es nie allen Recht machen können.»