Spital-Abstimmung
Nach der Abstimmung: Nie war der Graben zum Laufental tiefer

Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber rüffelt das Laufental. Dort will man notfalls juristisch fürs eigene Spital kämpfen.

Michael Nittnaus
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Kenneth Nars

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man beim Blick aufs sonntägliche Ergebnis zur Bruderholzspital-Initiative meinen, es sei eine bikantonale Abstimmung gewesen. Komplett isoliert vom restlichen Baselbiet stimmte das Laufental praktisch geschlossen für das Anliegen, am Spital Laufen die Grundversorgung und an den Standorten Bruderholz und Liestal die erweiterte Grundversorgung im Gesetz festzuschreiben.

Lediglich Grellingen und Duggingen, die sich traditionell eher zur Agglomeration hin orientieren, lehnten die Initiative ab. Nicht einmal das Bruderholz-nahe Leimental stimmte für den Erhalt des Status quo.

Laufner sollen ins Spital Delsberg

Während sich Gesundheitsdirektor Thomas Weber über das Gesamtergebnis von 67,2 Prozent Nein-Stimmen freut, bereitet ihm das Laufental Sorgen, wie er am Sonntag im Gespräch mit der bz zugab: Das dortige Resultat sei «schon ein bisschen schade». Er habe zwar ein gewisses Verständnis für die Randregionen, schliesslich komme er selbst aus Buus.

Aber im Oberbaselbiet gehe es ja auch gut ohne eigenes Spital. Und dann nutzt Weber den Moment für ein Plädoyer: «Ich möchte die Laufentaler dazu aufrufen, ein wenig von ihrem Sonderstatus wegzukommen, sich wirklich als Baselbieter zu fühlen und den Austausch zu den anderen Regionen zu pflegen.» Denn längerfristig sei es schwierig, wenn die anderen vier Bezirke feststellen müssten, dass sich das Laufental immer anders verhalte.

Das kommt bei den Angesprochenen gar nicht gut an: «Das ist eine heftige Aussage, die schlicht nicht gerechtfertigt ist», sagt etwa der Laufner Stadtpräsident Alex Imhof, als ihn die bz gestern mit Webers Aussage konfrontiert. Man pflege sehr wohl den Austausch mit dem restlichen Kanton. Imhof kontert: «Nicht wir Laufentaler müssen uns an der Nase nehmen, sondern die Verantwortlichen der Spitalgruppe.

Denn mit uns haben sie im Vorfeld nie Kontakt aufgenommen, um unsere Anliegen aufzunehmen.» Auch der Grellinger SVP-Landrat Georges Thüring, der wie Imhof im Unterstützungskomitee der Initiative sass, ist verärgert: «Das kann er doch nicht ernst meinen. Die Buusner können schliesslich schnell ins Spital Rheinfelden rüber, wir haben nichts Vergleichbares.»

Das sieht Weber anders: «Die Laufentaler sollten nicht nur Richtung Norden schauen, sondern auch Richtung Südwesten, denn das Spital Delsberg liegt bloss 17 Kilometer von Laufen entfernt. Das ist ja keine Weltreise.» Weber strebe in Gesprächen mit seinem jurassischen Amtskollegen Jacques Gerber eine engere Kooperation an. «Wir wollen doch nicht in ein Spital im französischsprachigen Jura», entgegnet Thüring, und auch Imhof macht die Sprachgrenze als «Handicap» aus.

Bundesgericht ist «immer Option»

Dass es dem Laufental bei seinem Ja um weit mehr ging als um das Spital, davon ist Rudolf Mohler überzeugt. Der Mit-Initiant lebt zwar in Oberwil, war aber bis 2012 für 13 Jahre Chef des Laufner Spitals: «Das war auch Widerstand gegen einen weiteren Abbau im Bezirk, der schon den Tiefbaukreis, das Bezirksgericht und das Statthalteramt verloren hat.»

Wie auch bei den Bruderholz-Unterstützern schwingt die Angst mit, dass irgendwann das ganze Spital dichtmacht. Hier versucht Weber zu beruhigen: «Laufen bleibt Spitalstandort.» Auch die Befürchtungen, wegen der geplanten reduzierten Notfallstation plötzlich vor verschlossenen Türen zu stehen, seien unbegründet.

Doch im Laufental bleibt man skeptisch. Über eine Verhandlungsdelegation wolle man «ein gewichtiges Wort mitreden» bei den Plänen, die die Spitalgruppe beider Basel für Laufen vorsieht, sagt Imhof. «Ein Abbau in Raten geht nicht.» Klar ist: Die Schmerzklinik, die schon jetzt einen Schwerpunkt bildet, genügt nicht. Thüring bezeichnet sie gar als «Totgeburt».

Der Trumpf, den sie notfalls ausspielen wollen, ist der Laufental-Vertrag, der dem Bezirk seit dem Kantonswechsel 1994 ein Spital inklusive Notfallstation «dauernd gewährleistet». «Wir wollen uns alle Möglichkeiten, ob politisch oder juristisch, offenhalten, sollten Verhandlungen nichts bringen. Der Weg ans Bundesgericht ist immer eine Option», sagt Jurist Imhof.

Mohler glaubt, dass der Staatsvertrag zwischen Bern und Baselland dort durchaus bestätigt werden könnte. Er sagt aber auch: «Selbst wenn das Spital Laufen juristisch gesichert würde, bliebe die Frage, ob es auch betriebswirtschaftlich überleben kann. Darauf gibt es heute wohl noch keine valable Antwort.»