Oberwil/Therwil
Nach Fehlplanungen bleibt nur der Griff zur Notbremse

Die Gemeinden wollen den Verkehr in der Mühlematt in den Griff kriegen und verbieten Grossfachmärkte. Stattdessen soll nun arbeitsplatzintensiven Nutzungen der Vorrang gegeben werden.

Michel Ecklin
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Die Gemeinderäte von Oberwil und Therwil hätten in der Mühlematt gerne weniger Läden, die Verkehr anziehen. Juri Junkov

Die Gemeinderäte von Oberwil und Therwil hätten in der Mühlematt gerne weniger Läden, die Verkehr anziehen. Juri Junkov

500 Quadratmeter, das ist weniger als die Fläche des Strafraumes auf einem Fussballfeld. So gross dürfen in Zukunft die publikumsintensiven Geschäfte auf dem Gewerbegebiet Mühlematt maximal sein. Mit dieser Beschränkung wollen die Gemeinderäte von Oberwil und Therwil die Ansiedlung weiterer Grossfachmärkte auf dem Gewerbegebiet auf Oberwiler und Therwiler Boden verhindern. Denn sie ziehen viel Verkehr an, der die Kreisel in den beiden Dorfkernen verstopft. «Dort können wir die Verkehrskapazitäten nicht erhöhen», sagt der Therwiler Gemeinderat Gregor Gschwind (CVP).

Um im Mühlemattquartier die Flut von 12 500 Autos pro Tag nicht noch weiter anschwellen zu lassen, haben die beiden Gemeinderäte zum Instrument der Planungszone gegriffen, wie das der Kanton vorsieht. Demnach sollen in Zukunft keine Fachmärkte mehr bewilligt werden. Stattdessen soll arbeitsplatzintensiven Nutzungen der Vorrang gegeben werden.

«Wir wollen das Gewerbegebiet Mühlematt zu dem machen, als das es ursprünglich geplant war: einem Gewerbegebiet für kleine und mittlere Unternehmen», sagt der Oberwiler Gemeinderat Max Furrer (FDP). Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich Therwil und Oberwil auf eine gemeinsame Strategie geeinigt: Erst wollte man abwarten, bis Migros und Coop die Bewilligungen für ihre Grossprojekte erhalten haben. Nachdem dies geschehen ist, greift man jetzt mit dem Instrument der Planungszone die Notbremse.

Für den Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) kommt der Schritt der beiden Gemeinden zu spät. Besonders Oberwil habe sich die Situation selber eingebrockt, weil der Gemeinderat für das Coop-Projekt keinen Quartierplan verlangt habe, heisst es in einer Medienmitteilung.

Vergeblich Quartierplan gefordert

Noch im vergangenen Mai, im Rahmen des Quartierplans für die Migros, habe Oberwil nicht auf «verkehrslimitierende Massnahmen» gepocht. Der VCS hatte den Quartierplan bekämpft, war aber vor dem Kantonsgericht abgeblitzt. Furrer widersetzt sich dem Vorwurf, die Gemeinden hätten den befürchteten Verkehrskollaps in der Mühlematt nicht vorausgesehen. «Wir haben Migros und Coop nicht einfach gesagt: baut mal», sagt er. Erreicht habe man zum Beispiel die Einführung gebührenpflichtiger Parkplätze. Beide Grossverteiler müssten bei einer von ihnen verursachten Verkehrszunahme den Ausbau der Strassen finanzieren, Coop habe auf zwei Parkhaus-Stockwerke verzichtet. Die Anzahl Parkplätze sei auf das vom Kanton erlaubte Minimum reduziert worden.

Die beiden Gemeinderäte informierten die ansässigen Gewerbebetriebe über die Nutzungsbeschränkung. «Wir wussten, dass nicht alle Freude haben würden», sagt Gschwind diplomatisch.

Richtplan soll es richten

Die beiden Gemeinderäte geben aber auch zu erkennen, dass in ihren Augen in den vergangenen Jahrzehnten die Planung in der Mühlematt nicht immer ideal ablief. Man habe zu spät erkannt, dass sich nicht wie gewünscht nur Kleingewerbe, sondern publikumsintensive Grossverteiler ansiedeln würden, sagt Gschwind. «Natürlich war die Entwicklung absehbar. Aber meine Vorgänger wollten offenbar nichts dagegen unternehmen.» Und Furrer nennt die erst 15 Jahre alten Zonenvorschriften Oberwils, die keine Nutzungseinschränkungen erhielten.

Doch das soll sich ändern: Im März präsentiert er der Oberwiler Gemeindeversammlung den neuen Richtplan. Dort ist ausdrücklich festgehalten, dass in der Mühlematt keine Grossfachmärkte erlaubt sind. Therwil will über die Zonenordnung die gleiche Wirkung erzielen.