Hemmiken
Nach Streit um Deponie wurde jetzt sein Brunnen beschädigt: Ist Bauer Suter ein Mobbing-Opfer?

Der Hemmiker Bauer Alfred Suter beklagt einen Schaden an seinem neuen Hof-Brunnen. Er ist überzeugt: Vandalen haben den Brunnen beschädigt – wegen des Streits um die Deponie Wischberg.

Yann Schlegel und Hans-Martin Jermann
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Bauer Suter Hof Maischberg
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Der Brunnen sei beschädigt worden. Suter hat deswegen eine Anzeige laufen.
Der Bauer kämpft schon seit Jahrzenten an mehreren Fronten...
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Bauer Suter Hof Maischberg

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Der Fall ist im Baselbiet beispiellos: Seit über einem Jahrzehnt streiten der Bauer Alfred Suter, seine Wohngemeinde Hemmiken und der Kanton über die Frage, ob die überfüllte Inertstoffdeponie am Wischberg etwas mit den Schäden an dem darunter liegenden Hof von Alfred Suter zu tun hat. Dies steht trotz jahrelanger Abklärungen und Gutachten zu Hangrutschungen und den unterirdischen Wasserläufen noch immer nicht fest. Der Fall ist hoch emotional, auch weil ein nachgewiesener Zusammenhang zwischen überfüllter Deponie und Hofschäden die öffentliche Hand sehr teuer zu stehen käme. Die Fronten sind mittlerweile völlig verhärtet.

Die vorerst jüngste Episode: Vor wenigen Tagen hat Alfred Suter Schäden am Brunnen auf seinem Hofgut festgestellt. Zunächst habe er an Frostschaden gedacht; nach einer näheren Untersuchung ist er hingegen überzeugt: «Das war eine mutwillige Sachbeschädigung, ein Anschlag.» Das Stück, das an einer Ecke des Brunnens abgesprengt wurde, ist laut Suter Folge einer starken mechanischen Einwirkung. Er gehe aufgrund einer kleinen Einkerbung davon aus, dass da jemand mit einem Hebeisen am Werk war, gibt Suter zu Protokoll.

Der Hemmiker Steinmetz Marco Rossi hat den Brunnen gefertigt – und beurteilt den Schaden ähnlich wie sein Kunde Alfred Suter. «Es ist unwahrscheinlich und nicht typisch, dass Frostschäden so auftreten», sagt der Fachmann. Rund 20 Stückchen Stein des naturgebrochenen Brunnens seien an der gleichen Stelle abgesprungen. Ausserdem hat ein Stück im abgeschliffenen inneren Teil der Wandung ebenfalls Schaden genommen. Speziell an dieser Stelle seien Frostschäden fast undenkbar, sagt Rossi. Suters Frau hat nun bei der Baselbieter Polizei eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gegen unbekannt eingereicht.

Die Kantonspolizei bestätigt die eingegangene Anzeige. Somit würden die Ermittlungen aufgenommen, sagt Polizei-Sprecher Adrian Gaugler auf Anfrage. Allerdings: Die Chancen sind klein, dass es bei einem solchen Schaden gelingt, den oder die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Bierchen am Brunnenrand

Der Schaden am Brunnen aus schönem Jurakalkstein schmerzt: Suter hat das «Bijou», wie er es nennt, erst 2016 machen lassen und dafür 12'000 Franken bezahlt. «Abends sitze ich manchmal am Brunnenrand und trinke mein Bierchen. Das gibt Lebensqualität und wertet den Hof auf.» Doch noch mehr als der materielle Schaden schmerzt Suter, was seiner Meinung nach dahinter steht. «Da will mir jemand zu Leid leben. Das ist eindeutig», sagt er. Die Stimmung ihm gegenüber sei im Dorf derart aufgeheizt, dass er sich nicht wundern würde, wenn ihm jemand den Hof anzünden würde. «Es geht nur noch darum, meine Familie und mich psychisch zu verunsichern», ist Suter überzeugt. Wenn er – was mittlerweile selten sei – mal ins Dorf gehe, werde er oft beschimpft.

Ist Suter ein Mobbing-Opfer? Oder hat sich der Bauer angesichts des langen und mühsamen Rechtsstreits auch in etwas hineingesteigert? Gemeindepräsident Alfred Sutter steht mit Alfred Suter seit Jahren im Clinch. Er sagt, ihm sei nichts über neu aufgekommene Anfeindungen gegenüber Landwirt Suter bekannt. Im Fall Wischberg gebe es keine Veränderungen. Durch die Verhandlungen am Runden Tisch konnte die Gemeinde Untersuchungen am Hang durchführen. Eine aussergerichtliche Einigung scheiterte hingegen. Der Kanton als oberstes Aufsichtsorgan und Vermittler hat sich mittlerweile zurückgezogen – was ebenfalls nicht dazu beigetragen hat, die Fronten aufzuweichen.

Nicht kooperativer Bauer

Die Schäden an Alfred Suters Brunnen sind ein weiteres Kapitel im unsäglichen Dorfzwist. Einst hatte Suter vermutet, jemand habe seine Milch vergiftet. Im vergangenen Herbst geriet er ins Visier des Veterinärdienstes, weil die Tierhaltung ungenügend war. Solche Ereignisse auf Nebenschauplätzen erleichtern es nicht, im Fall der Hangrutschung eine Lösung zu finden. Und sie tragen dazu bei, dass Bauer Suter zunehmend das Gefühl kriegt, die Welt habe sich gegen ihn verschworen. Hört man sich in Hemmiken zum Streit um, tönt es etwa so: Vor allem der Bauer selbst sei im Rechtsstreit nicht kooperativ gewesen. Doch offiziell äussern mag sich dazu kaum jemand.

Die ehemalige Grünen-Landrätin Sarah Martin gehört zu den über die Gemeindegrenzen hinweg bekannten Dorfbewohnern. Sie ist am Zwist nicht beteiligt und will den Kleinkrieg nicht befeuern. Martin hat nur ein grosses Anliegen: «Es wäre allen zuliebe wünschenswert, dass Gemeinde und Landwirt Suter eine einvernehmliche Lösung finden.» Der Schaden am Brunnen von Suter ist das Sinnbild einer völlig verkachelten Situation im Oberbaselbieter Dorf.