Strafgericht
Nachbarsstreit in Pfeffingen: Katzenstreu aufs Auto gekippt

Ein alter Streit um einen Besucherparkplatz in Pfeffingen eskalierte im Januar 2014 völlig. Vor dem Strafgericht in Muttenz gab es am Dienstag allerdings einen Freispruch.

Patrick Rudin
Drucken
Teilen
«Jetzt nehme ich die Kiste und schütte ihm das aufs Dach. Das waren meine Gedanken», sagte der 48-jährige Mann vor Gericht.

«Jetzt nehme ich die Kiste und schütte ihm das aufs Dach. Das waren meine Gedanken», sagte der 48-jährige Mann vor Gericht.

Keystone

Es war schon gegen ein Uhr nachts, als es im Januar 2014 im beschaulichen Pfeffingen klingelte: Es war der wenig geliebte Nachbar, und wie so oft ging es um den umstrittenen Besucherparkplatz auf dessen Grundstück: «Stell die Dreckschwarte weg», teilte der heute 48-jährige Mann damals über die Gegensprechanlage mit. Er solle weggehen, wurde ihm bloss beschieden.

Sauer ging er wieder zu seinem Haus hinüber, holte die Katzenkiste und kippte kurzerhand das Streu auf das Auto des Nachbarn. Genaugenommen war es das Auto des Freundes der Nachbarin, doch ob jener dort wohnt oder lediglich oft zu Besuch weilt wurde vor dem Strafgericht in Muttenz nicht ganz klar.

«Jetzt nehme ich die Kiste und schütte ihm das aufs Dach. Das waren meine Gedanken», sagte der 48-jährige Mann dazu am Dienstag vor Gericht. Es sei aber bloss sauberes Katzenstreu gewesen, er habe keinen Kot auf das Dach geschüttet, betonte er.

Messer mit 60 Zentimeter langer Klinge

Die Nachbarn liessen sich das allerdings auch nicht bieten: Ebenfalls erzürnt klopften sie später an seine Tür, und als er öffnete, hielt er ein Gartenmesser mit einer 60 Zentimeter langen Klinge in seiner Hand. «Die haben so rumgepoltert, dass ich mich unsicher gefühlt habe», sagte er dazu. Der Wagen wurde schliesslich umgeparkt, doch die ganze Aktion bescherte dem 48-Jährigen einen Strafbefehl wegen Nötigung und Sachbeschädigung: Sein Katzenstreu habe das Dach des Wagens verkratzt.

Einzelrichterin Monika Roth sprach den Mann aber von diesen Vorwürfen frei: Der Angeklagte habe mit dem Messer keine Drohgebärden vollführt und auch nicht damit herumgefuchtelt, sondern nach den Aussagen beider Männer lediglich in der Hand gehalten. Von einer Nötigung könne man daher nicht sprechen. Auch für eine Sachbeschädigung gebe es keine Anhaltspunkte. Die Nachbarin hatte vor Gericht zuerst behauptet, der 48-Jährige habe mit dem Messer gedroht, meinte allerdings später, sie habe an jenem Abend ihre Brille nicht getragen.

Als «asozialen Junkie» betitelt

Die Staatsanwaltschaft hatte den Mann per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen sowie einer Busse von 1200 Franken verdonnert. Dieser Strafbefehl wurde nun grösstenteils aufgehoben.

Allerdings hatte der Mann zugegeben, seinen Nachbarn in jener Nacht als «asozialen Junkie» betitelt zu haben, und wegen Beschimpfung setzte Monika Roth daher die bedingte Geldstrafe auf 5 Tagessätze zu 110 Franken fest. Da er dies von Anfang an zugegeben und den Strafbefehl lediglich wegen der anderen Vorwürfe angefochten hatte, muss er auch nur einen Zehntel der Verfahrenskosten übernehmen. Auch das Honorar seines Verteidigers von über 2000 Franken geht zu lasten des Staates.

Das umgeparkte Auto der Nachbarn hat er übrigens noch in derselben Nacht sorgfältig mit Schüfeli und Wüscherli vom Katzenstreu gereinigt, wie er betonte. Ob der Nachbarsstreit damit beendet ist, bleibt offen. Die Staatsanwaltschaft kann das Urteil noch weiterziehen.

Aktuelle Nachrichten