Nachruf
Es war seine letzte Wanderung: Heinz Aebi ist im Alter von 70 Jahren verstorben

Heinz Aebi starb völlig überraschend auf einer seiner vielen Wanderungen, die er so liebte. Schweizweit bekannt geworden ist er als hartnäckiger Präsident der «Laufentaler Bewegung», die sich für einen Übertritt des Laufentals in den Kanton Baselland starkgemacht hat.

Roland Bürki
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Heinz Aebi war einer der grössten Kämpfer für einen Wechsel des Laufentals zum Kanton Baselland.

Heinz Aebi war einer der grössten Kämpfer für einen Wechsel des Laufentals zum Kanton Baselland.

zvg

Es ist ein Telefonanruf an diesem Sonntag Ende August, der den Schreibenden ungläubig und betroffen verharren lässt. Heinz Aebi, der langjährige, topfitte Dauerwanderer, sei auf einer Wanderung überraschend verstorben. Eine lange Freundschaft zwischen zwei alt Gemeindepräsidenten, dem «roten Heinz» und dem «roten Roland», weckt da unwillkürlich eine Reihe von Erinnerungen.

Heinz Aebi, der Lehrer

Im Jahr 1971 tritt der junge Heinz aus dem Weinbaudorf Twann im Berner Seminar Muristalden seine Ausbildung zum Primarlehrer an. Bereits zwei Jahre später steht der frischgebackene Primarlehrer vor seiner ersten Klasse im damals bernischen Nenzlingen, an der Grenze zum Kanton Basel-Landschaft. Der dortige Dialekt erinnert ihn wenig an den Bielersee oder gar an Muristalden. Bis 1985 bleibt Heinz Aebi dem Lehrerberuf treu, um dann eine Stelle als Angestellter und Geschäftsleiter im regionalen Baunebengewerbe anzunehmen. 1996 wechselt der inzwischen mit Annemarie Aebi verheiratete Vater von fünf Kindern zum kantonalen Amt für Umweltschutz und Energie und beendet seine Berufskarriere 2012 im Tiefbauamt.

Heinz Aebi, der Politiker

28 Jahre alt ist Aebi, als er 1978 in Nenzlingen als jüngster Gemeindepräsident im Kanton Bern die Gemeindeführung für zwei Amtsperioden übernimmt. Er, der stark auf das Selbstbestimmungsrecht der jurassischen Bezirke vertraut, lässt sich durch das Nein vom
11. September 1983 zum Wechsel des Laufentals zum Kanton Baselland nicht beirren und verfolgt als erster Präsident der «Laufentaler Bewegung» mit Herzblut und Zähigkeit weiterhin die Integration ins Baselbiet. Zu Hilfe kommen ihm und vier Mitstreitern die geheimen Zahlungen der Berner Regierung im Rahmen der Abstimmung. Auf ihre Abstimmungsbeschwerde hin ordnet das Bundesgericht in letzter Instanz eine Wiederholung der Abstimmung über den Laufentalvertrag an. Das «Jo zum Baselbiet» obsiegt 1989 knapp mit 307 Mehrstimmen.

Die «Quittung» dafür erhält Aebi dann Ende Jahr zu Weihnachten, als sein Auto zu Hause lichterloh brennt. Das hindert ihn nicht, ab 1990 in zwei kantonalen Parlamenten Einsitz zu nehmen, nämlich bis Ende 1993 im Berner Grossen Rat und 1994–2007 im Baselbieter Landrat. Dort ab 2003 gar mit dem Nenzlinger Bürgerrecht, das ihm der Regierungsrat anstelle der zweimal verweigernden Bürgergemeinde erteilt hat.

Heinz Aebi, der Naturfreund

Er bleibt im Gedächtnis mit Wanderschuhen, Rucksack, Karte und mit Annemarie oder allein auf Pfaden etwa in den Franches-Montagnes oder im Waadtländer Jura. Unvergessen bleibt auch seine Pionierrolle bei der Gestaltung eines Leitbildes «Nenzlinger Zukunft». Heinz hat sich selten über die Widerwärtigkeiten beklagt, die ihm und seiner Familie das Leben zuweilen schwer gemacht haben. Aber es schmerzte und schmerzt auch dann und wann noch heute.

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