Liestal
Nächster Versuch für den Verwaltungsneubau – er soll 71 Millionen kosten

Nach einem gescheiterten Versuch vor acht Jahren plant der Baselbieter Regierungsrat doch wieder einen Neubau. In einer Vorlage an den Landrat beantragt er eine eine Ausgabenbewilligung über 6 Millionen Franken für die Projektierung.

Kelly Spielmann
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Verwaltungsneubau Liestal

Verwaltungsneubau Liestal

Kenneth Nars
Das Modell: So soll das Gebäude aussehen.

Das Modell: So soll das Gebäude aussehen.

Zur Verfügung gestellt

Das Vorhaben beschäftigt die Baselbieter Politik seit über zehn Jahren: Die Schaffung eines zentralen Verwaltungsstandorts in Liestal. Nun muss sich der Landrat erneut mit dem Thema auseinandersetzen. Dieses Mal ist der Plan ein Neubau: Der Regierungsrat hat gestern die dazugehörige Vorlage an den Landrat veröffentlicht. Er beantragt dem Landrat, eine Ausgabenbewilligung über 6 Millionen Franken für die Projektierung zu gewähren.

Aktuell arbeiten die Verwaltungmitarbeitenden in 45 verschiedenen Liegenschaften, verteilt über das ganze Stadtgebiet. Das ist unpraktisch und teuer. Geplant ist deshalb ein zentraler Holzneubau am Standort Kreuzboden, wo sich zurzeit das Steuer- und Enteignungsgericht befindet. Mit den bereits bestehenden Gebäuden würde so ein Verwaltungs-Campus entstehen. Der Neubau soll Platz für 560 Arbeitsplätze bieten und rund 71 Millionen Franken kosten. Die jährlichen Kosten pro Arbeitsplatz sollen von 4600 auf rund 3700 Franken sinken. Der Break-Even-Point würde 2039 eintreten, 13 Jahre nach geplanter Fertigstellung.

Kritisch, ob der Kanton ein guter Bauherr sein kann

2012, so steht es in einem Postulat, das FDP-Landrat Christof Hiltmann damals eingereicht hat, hätte ein neues Gebäude 120 Millionen Franken gekostet. Hiltmann stellte im Postulat die Frage, ob dies wirklich die sinnvollste Lösung sei. 2013 dann unterschrieb der Regierungsrat in einem «Letter of Intent», dass der Kanton sich im geplanten Hochhaus der SBB am Bahnhof einmieten würde. 2016 gab man den Plan wieder auf – zu teuer sei die Miete gewesen. Der Kanton griff danach wieder zum Plan «Neubau». Wie steht Hiltmann heute, mit einem wesentlich günstigeren Projekt, dazu?

Er habe sich das Projekt noch nicht im Detail anschauen können, aber: «Grundsätzlich bin ich gegenüber der Idee der öffentlichen Hand als Bauherrin eines neu zu erstellenden Bürogebäudes noch immer kritisch eingestellt.» Seine Befürchtung sei, dass der Kanton beim Neubau nicht nur das Nötigste umsetzt, sondern die Direktionen viele Wünschen anbringen, die hohe Kosten verursachen.

Neue Chancen für Quartier und Stedtli

Überzeugt vom Projekt zeigt sich hingegen Stadtpräsident Daniel Spinnler (FDP): «Das Ziel ist, die Zahl der Flächen und Liegenschaften, die der Kanton in Liestal besetzt, zu reduzieren. Mit dem Neubau wäre ein wichtiges Zwischenziel erfüllt», sagt er. Und fügt an: «Das Gebiet an der Rheinstrasse ist ein Filetstück Liestals mit grossem Entwicklungspotenzial – mit dem ÖV und dem Auto ist das Gebiet gut erreichbar.» Ein Verwaltungsneubau setze einen ersten Impuls. Abends sei dort heute nicht viel los, aber der «Masterplan Rheinstrasse», der zu Beginn des Jahres angestossen wurde, soll an der Rheinstrasse auch Wohn- und Gewerbezonen ermöglichen, die Leben ins Quartier bringen. «Meine Vision ist ein durchgrüntes, belebtes Gebiet», so der Stadtpräsident. Ein qualitativ hochstehender Neubau mit Signalwirkung, wie ihn sich Spinnler vom Kanton erhofft, könnte dabei helfen.

Ein weiterer Vorteil: Durch den Umzug der Verwaltungsmitarbeitenden in den Neubau würden 21 der 45 dezentralen Arbeitsorte frei, viele davon im Stedtli. Diese könnten zum Wohnen oder für neues Gewerbe genutzt werden. Der Kanton habe versichert, dass die Liegenschaften gestaffelt freigegeben werden, damit der Markt sie absorbieren kann, erklärt Spinnler. «Daraus ergeben sich neue Chancen für die Stadt», ist er sich sicher.