Strafgericht
Nachtclub-Betreiber verurteilt – er bedrohte Kiga-Mitarbeiterin

Auf Nachfragen von einer Kiga-Mitarbeiterin nach den Lohnabrechnungen einer Tänzerin reagierte ein Club-Betreiber gereizt: Er drohte der Kontrolleurin mit dem Tode. Das Strafgericht verurteilte den Mann nun zu einer unbedingten Geldstrafe.

Patrick Rudin
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Der Nachtclub-Betreiber fühlte sich schikaniert und reagierte gereizt auf Nachfragen nach Lohnabrechnungen.

Der Nachtclub-Betreiber fühlte sich schikaniert und reagierte gereizt auf Nachfragen nach Lohnabrechnungen.

Keystone

Seit Jahren streitet er sich mit den Behörden, und der letzte Streit wurde für den 50-jährigen Chef eines Nachtclubs nun teuer: Die Einzelrichterin Irène Läuchli bestätigte am Donnerstag in Liestal nicht nur einen Strafbefehl der Baselbieter Staatsanwaltschaft, sondern sie erhöhte aufgrund der letzten Steuererklärung des Mannes auch gleich noch den verwendeten Satz.

Nun muss er eine unbedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 120 (statt nur 80) Franken zahlen. So lautete das Ergebnis. Zusammen mit den Verfahrenskosten und der Rechnung des Verteidigers kostet das den Mann wohl über 7000 Franken.

Er fühlte sich schikaniert

Bereits früher hatte er mehrmals öffentlich kritisiert, dass illegale Bordelle kaum kontrolliert würden, sein Nachtclub mit ordnungsgemäss angemeldeten Tänzerinnen hingegen würde schikaniert. Entsprechend genervt war er offenbar, als im August 2009 eine Mitarbeiterin des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga) auf sein Mobiltelefon anrief und detaillierte Fragen zur Lohnabrechnung einer Tänzerin stellte.

«Ich war unterwegs in Basel, ich konnte die Angaben am Telefon nicht beantworten. Sie hat wieder und wieder angerufen», schilderte der Nachtclub-Betreiber am Donnerstag vor Gericht seine damalige Situation. «Der Ton der Sachbearbeiterin war ziemlich harsch.» Irène Läuchli erwiderte darauf: «Aber Ihr Ton ist auch harsch geworden.» Der Angeklagte sagte darauf: «Ich habe ja nicht angerufen. Ich wollte der Frau auch nichts Schlechtes.»

«Gehirn rausblasen»

Die Sache eskalierte: Er drohte, vorbeizukommen und sie zu erledigen. Laut der Kiga-Mitarbeiterin sagte er konkret, er werde ihr «das Gehirn rausblasen». Diese Drohung bestritt der Mann am Donnerstag, doch das Gericht befand die Aussagen der Mitarbeiterin als glaubhaft. Läuchli verurteilte den Mann wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte. Er kann das Urteil noch ans Kantonsgericht weiterziehen.

Zur Glaubwürdigkeit der Mitarbeiterin trug auch eine Kollegin bei, die zwar nicht das gesamte Telefongespräch, immerhin aber die Reaktion und Ausdrucksweise ihrer Kollegin während und nach dem Gespräch bezeugt hatte. Auch wenn die Richterin dies nicht ausdrücklich zur Begründung anführte, so sprach die Vergangenheit des Club-Betreibers nicht gerade für seine Glaubwürdigkeit. Im Jahr 2008 wurde er vom Basler Appellationsgericht zweitinstanzlich zu einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten verdonnert, dies wegen Raufhandels, Gefährdung des Lebens, Körperverletzung und Nichtbefolgen von amtlichen Verfügungen.

Die Strafe soll spürbar sein

Die Probezeit wurde damals auf ausserordentlich lange fünf Jahre festgelegt, dennoch verzichtete Irène Läuchli trotz des neuen Delikts in der Probezeit darauf, diese bedingt ausgesprochene Strafe zu widerrufen – doch um die neue Geldstrafe komme er nicht herum. «Hier führt das Vorleben des Beschuldigten dazu, dass eine Strafe gefällt werden muss, die spürbar ist», sagte sie.