Allschwil
Naegelin: «In der Gemeinde wurde Stillgeschwiegen, bis der Kessel explodierte»

Der Präsident des Mitarbeitendenrats Martin Naegelin wählt deutliche Worte zu den Zuständen in der Gemeindeverwaltung. Nun soll eine externe, neutrale Stelle die Probleme analysieren.

Julia Gohl und Bojan Stula
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Im Newsletter für Verwaltungsangestellte äussert sich Martin Naegelin zu den Vorwürfen aus der bz. jug

Im Newsletter für Verwaltungsangestellte äussert sich Martin Naegelin zu den Vorwürfen aus der bz. jug

Julia Gohl

Dieses Vorgehen will der Mitarbeitendenrat der Verwaltung, bei dem falsch behandelte Mitarbeiter um Hilfe bitten, beim Gemeinderat beantragen. Das kündigt Martin Naegelin, Präsident des Mitarbeitendenrats der Gemeindeverwaltung Allschwil, im neusten Mitarbeiter-Newsletter der Verwaltung. Dieser erschien am Dienstag – einen Tag, bevor Gemeindeverwalter Dieter Pfister seine Kündigung bekannt gab. Naegelin bezog im Interview, das im Newsletter «Allinfo intern» erschien, Stellung zu den Vorwürfen, welche die bz in den vergangenen Wochen publik machte. Dabei findet er deutliche Worte.

Problemlösung statt Schuldsuche

«Wir haben den Eindruck, dass viele Themen stillgeschwiegen werden, bis der Kessel explodiert», sagt Naegelin unter anderem im besagten Interview. Dafür sei die Berichterstattung in der bz nun die Quittung. Die Stimmung sei bei vielen Mitarbeitern schlecht. Deshalb habe der Mitarbeitendenrat eigentlich auch die Präsentation zur Mitarbeiterstimmung verfasst, die der bz später zugespielt wurde. Naegelin kann sich nicht erklären, wie die Analyse schliesslich bei der bz landete, und betont, dass es nie die Absicht war, dass das Dokument den Weg zu den Medien findet. «Ich hoffe jedoch, dass man sich jetzt der Probleme annimmt und nicht solchen Fragen nachgeht.»

Denn Probleme, das macht Naegelin deutlich, seien durchaus vorhanden. Sie seien «äusserst vielschichtig», sagt er. Auf die Analyse, welche der Mitarbeitendenrat Dieter Pfister zugestellt hatte, habe er nie eine Rückmeldung erhalten. Immerhin konnte der Präsident des Mitarbeitendenrats diese vergangene Woche auch dem Gesamtgemeinderat präsentieren. «Das Problem ist, dass der Gemeinderat diese Signale nicht wahrnahm oder wahrnehmen wollte.» Der Mitarbeitendenrat habe festgestellt, «dass der Gemeinderat und die Verwaltungsleitung teilweise die Stimmung bei den Mitarbeitenden völlig anders als der Mitarbeitendenrat einschätzen».

Negativ beurteilt Naegelin im «Allinfo intern» auch die Stellungnahme des Gesamtgemeinderats zur Berichterstattung der bz, «dass alle Behauptungen in der bz unwahr und die Aussagen unbeholfen seien». Diese «aus unserer Sicht einseitige Stellungnahme» trage sicher nicht zu einer besseren Stimmung bei.

Auf die Frage, ob sich die Stimmung seit Januar nochmals spürbar verschlechtert habe, antwortet Naegelin im Newsletter: «Es sind leider wieder einige Sachen vorgefallen, welche nicht zur besseren Stimmung beigetragen haben. Zu nennen ist das Theater mit den Tagesstrukturen, wo den Tagesmüttern die Löhne gesenkt wurden, bevor das entsprechende neue Reglement verabschiedet und bewilligt war.»

Ausserordentliches Bedauern

Im Mai hatte die bz heftige Vorwürfe an die Adresse von Gemeindeverwalter Dieter Pfister publik gemacht. Angestellte und Gemeinderatsmitglieder äusserten unter anderem Bedenken über fragwürdige Kündigungen, zurückbehaltene Informationen und politische Einflussnahme. Die Rede war vor allem auch von Angst bei den Mitarbeitern. Nun hat Pfister die Konsequenzen gezogen und per Ende Jahr gekündigt. Wie lange er tatsächlich noch sein Amt in Allschwil ausüben wird, muss laut Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli abgeklärt werden: «Er hat enorm viele Überstunden geleistet. Wir werden gemeinsam entscheiden, wann er diese kompensieren kann.» Nüssli bekräftigt gegenüber der bz, dass «alle Gemeinderäte Herrn Pfisters Kündigung ausserordentlich bedauern». Der scheidende Gemeindeverwalter habe aussergewöhnlich viel für Allschwil geleistet.

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