Rebbau
Nasskalter Frühling schadet Baselbieter Weinkulturen kaum

Während die Landwirtschaft in den Ebenen unter der nasskalten ersten Jahreshälfte leidet, geht es den Reben in der Region Basel gut: An Hängen läuft das Wasser ab, und Trauben blühen vergleichsweise spät.

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Den Reben in der Region Basel hat der Regen kaum geschadet. (Symbolbild)

Den Reben in der Region Basel hat der Regen kaum geschadet. (Symbolbild)

Fallen im langjährigen Schnitt rund 800 Millimeter Regen pro Jahr in der Weinregion Basel-Solothurn, so sind heuer bereits 600 Millimeter zusammengekommen, wie Andreas Buser an einer Medienkonferenz der Produzenten in Basel sagte. Buser ist Leiter Spezialkulturen am Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain des Kantons Baselland. Trotz des vielen Regens hätten die Reben in der Region "keine grösseren Probleme" bisher.

Jetzt öffne an den Rebstöcken gerade die Blüte, weshalb etwa zwei Wochen trockeneres Wetter sehr gelegen kämen, sagte Paul Leisi, Präsident der regionalen Weinproduzenten. Anders als in anderen Schweizer Regionen gab es laut Buser früh auch nur sehr lokal Frostschäden; in Zwingen seien bis zur Hälfte der Triebe erfroren.

Weil an Hängen Regenwasser nicht stehen bleibt und Wurzeln ertränkt, profitierten Reben 2016 sogar leicht von der immer ausreichenden Feuchtigkeit. Einzig falschen Mehltau, dem nass auch liegt, habe man im Rebberg behandeln müssen, doch das scheine gut geklappt zu haben. Stand heute sähen die Reben jedenfalls sehr gut aus.

Kirschessigfliege im Auge

Ob der 2016er ein aussergewöhnlich guter Jahrgang wird wie der den Medien mit viel Lob präsentierte 2015er, hängt indes vom weiteren Jahresverlauf ab: Entscheidend sei das Wetter im August und September, sagte der Aescher Winzer Ulrich Bänninger - seine eigene hohe Tschäpperli-Lage ist noch später dran als viele in der Region.

Feucht wie derzeit liebt es allerdings auch die Kirschessigfliege, die 2014 einigen Schaden auch in Rebkulturen angerichtet hatte. War sie im trocken-heissen 2015 kaum aufgetreten, sind nun bereits erste Einstiche in Obstkulturen festzustellen, wie Buser weiter sagte. Der Schädling sei sicher "nicht vom Tisch", und man suche Lösungen.

Die Weinproduzenten und die kantonale Fachstelle arbeiteten dazu mit dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau FIBL in Frick AG zusammen. Sie machen Praxisversuche mit abweisende Substanzen und Techniken statt Hightech-Chemie, wie Buser sagte: von engmaschigen Netzen über Reben bis zu Versuchen mit Löschkalk oder Hanföl.

Eigenverantwortung

Mit rund 110 Hektaren im Baselbiet und 150 Hektaren in der ganzen Region sei diese unter einem Prozent der landesweiten Rebbaufläche. Daraus wurden im letzten Jahr 813 Tonnen Trauben geerntet. Von den 66 hier angebauten Rebsorten - plus einige Versuchssorten - steht Blauburgunder (Pinot Noir) auf der Hälfte der Gesamtfläche und Riesling-Sylvaner auf gut einem eine Viertel.

Neu stellen die Behörden heuer übrigens voll auf das System der Online-Selbstdeklaration der Traubenqualität um, bei dem die Kellereien selber bei der Traubenanlieferung ein "eAttest" erstellen. So müssen staatliche Kontrolleure nicht mehr in jeden Rebberg steigen, sondern nur noch für punktuelle Kontrollen.

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